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Puck Jonas

Eine Krise ohne Gewinner

17.09.2020

Wie wirkt sich ein exogener Schock auf exportierende Unternehmen aus? Prof. Jonas Puck ist genau dieser Frage nachgegangen. Wir haben ihn um eine Analyse der Ergebnisse und einen Überblick gebeten.

Zur Person

Jonas Puck ist Universitätsprofessor für International Business an der WU Wien und Managing Director der Unter­nehmensberatung intior. 

Wie wirkt sich die Krise auf den Internationalisierungsprozess heimischer Unternehmen aus?

Die Zahlen der Statistik Austria zeigen deutliche Rückgänge bei den Ausfuhren. Wir erleben gerade extreme Veränderungen im Export und bei der Investitionstätigkeit im Ausland. Dass die Pandemie eine gewaltige Disruption darstellt, ist klar. Ich arbeite derzeit mit vielen Unternehmen zusammen, die die Auswirkungen dieser Disruption besser verstehen ­wollen. 

Mit welchen Szenarien rechnen Sie aktuell?

Die große Frage lautet: Wird es nach der Konjunktur-Delle wieder wie vorher? Oder ist der Effekt, den Corona hinterlässt, nachhaltig? Meine Hoffnung ist, dass sich die Wirtschaft vollständig vom Virus erholt und Corona nur eine zeitliche Disruption darstellt, auf die Nachhol­effekte folgen. 

Wie es kommt, wird wohl davon ab­­hängen, wie rasch eine Impfung vorhanden ist.

Exakt, den genauen Zeitpunkt kann aber noch niemand absehen. Vonseiten der Politik wird aktuell viel darüber geredet, dass man Wertschöpfungsketten heimholen soll. Das betrifft natürlich vorwiegend kritische Produkte. Das ist in den meisten Branchen aber nur bedingt sinnvoll, denn damit würde man alles auf eine Karte setzen und sich von internationalen Lieferketten abschneiden. Auch aus Kostengründen wäre es nicht sinnvoll, einfachste Güter in Österreich zu produzieren. Wir sind als Nation vom Export abhängig. Wenn wir jetzt versuchen, all unsere Produktion zu nationalisieren, kann man sich ausrechnen, wie andere Länder darauf reagieren. Dennoch scheint gerade der politische Wille dahin zu gehen, wieder stärker in die weltwirtschaftlichen Verflechtungen einzu­greifen. 

In diesem Zusammenhang plädieren viele für Glokalisierung – also dafür, lokal zu produzieren, was sich aus ökologischer und ökonomischer Sicht anbietet. Ein Denkfehler?

Das größte Problem in der Krise war nicht, dass wir auf Produkte aus aller Welt angewiesen sind, sondern, dass sehr viele aus einem einzigen Land (oft China) kommen. Wenn es in diesem Land dann zu Schwierigkeiten kommt, verliert man plötzlich den Zugriff auf die Produkte. Deswegen sollten Staaten und auch Unternehmen bei ihren Lieferanten stärker diversifizieren. Bei einigen Produkten erscheint es mir zudem sinnvoller und günstiger, einfach mehr Vorräte zu schaffen, bevor man damit beginnt, eine nationale Produktion aufzubauen. 

Womit haben exportierende Betriebe gerade ganz besonders zu kämpfen? S

Sie sind mit zwei Herausforderungen konfrontiert:

1. Der Virus macht die Planung schwieriger. Das ist ein ganz starker Effekt, der auch von den Betrieben bei ihren Vorhaben eingepreist wird. Das Risiko erhöht sich, die Kosten steigen, also ist man weniger bereit zu investieren. 

2. Es gibt ganz konkrete operative Probleme: Grenzkontrollen, veränderte Transportwege, Produktionsausfälle aufgrund von Corona-Erkrankungen. Das gilt auch für die Abnehmer und erzeugt viele Probleme im Routine-Geschäft. 

Lässt sich aus Ihrer Sicht schon absehen, was diese Pandemie wirklich für die heimische Wirtschaft bedeutet?

In Österreich sind ja mehr als 50 Prozent der Jobs vom Export abhängig. So seltsam das klingen mag: Einer der „Vorteile“ der Krise liegt darin, dass sie global ist. Wenn alle betroffen sind, gibt es auch keine einfach zu bestimmenden Gewinner und Verlierer. Alle haben das gleiche Interesse, sie zu beenden. Die Effekte sind also vielleicht nicht so dramatisch, wie sie wären, wenn wir die Pandemie nur in Österreich hätten. Aber wir werden, solange die Pandemie anhält, mit Sicherheit ein starkes Abflachen der Export­tätigkeiten und der Investitionen sehen. 

Zu den Ergebnissen der Umfrage

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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