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Ein Sturm zieht auf

17.03.2019

Der Klimawandel bedroht auch hierzulande immer mehr Unternehmen. Wie sie sich gegen eine Umwelt versichern können, die immer öfter verrückt spielt.

Abgedeckte Dächer, Überflutungen, Murenabgänge, extreme Trockenheit – nur einige der Folgen des Klimawandels, die auch Betriebe schmerzlich zu spüren bekommen. Fakt ist: Der Klimawandel ist mittlerweile keine ferne Zukunft mehr, er findet bereits statt – auch in Österreich. Besonders stark sind von den Auswirkungen die heimischen Landwirte betroffen. „Was früher als Jahrhundertereignis bezeichnet wurde, tritt mittlerweile alle drei bis fünf Jahre auf“, weiß Mario Winkler von der Österreichischen Hagelversicherung. Die Folge sind schwierigere Produktionsbedingungen. Als agrarischer Spezialversicherer von Naturkatastrophen wie Hagel, Dürre, Sturm oder Überschwemmung ist das Institut immer öfter gefragt. „Die standortgebundene Landwirtschaft hat nun mal ihre Werkstatt unter freiem Himmel“, meint Winkler. Und genau dort verschärft sich die Lage. Abhilfe soll ein möglichst effektives Risikomanagement in der Landwirtschaft schaffen. Eine umfassende Produktpalette sowie modernste Schadenserhebung können laut Winkler einen Beitrag leisten, um den sensibelsten Sektor der Volkswirtschaft abzusichern. Das erfordere allerdings Vorsorge und Vorkehrungen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu sichern, sind laut Winkler Versicherungssysteme unerlässlich, die auf Private-Public-Partnership aufbauen. Denn das Zusammenwirken von Landwirtschaft, Versicherungswirtschaft und öffentlicher Hand werde aufgrund der Risikovielfalt immer wichtiger, um auch weiterhin eine konkurrenzfähige Landwirtschaft im eigenen Land zu haben.

ÜBERPROPORTIONALE SCHADENSZUNAHME

Auch Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen, berichtet von drastischen Auswirkungen: „Die zahlreichen Schäden, die durch Stürme, Schneedruck, lokale Unwetter mit Hagel, Überschwemmungen, Frostschäden oder größere Hochwasser wie im Jahr 2013 verursacht wurden, belasten zunehmend die Bilanzen der Versicherer.“ Die steigenden Prämieneinnahmen – vor allem aufgrund der höheren Versicherungsdichte – stehen einer überproportionalen Schadenszunahme durch Naturkatastrophen im letzten Jahrzehnt gegenüber. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Insgesamt wurden österreichweit im Jahr 2017 allein bei der Wiener Städtischen rund 48.000 Schäden mit einem Volumen von 107,6 Millionen Euro gemeldet. Das sei der höchste Wert in der Geschichte der Versicherung, meint Doris Wendler. In den vergangenen zehn Jahren summierten sich die Schäden aus Naturkatastrophen auf mehr als 700 Millionen Euro.

ABSICHERN – WO ES GEHT

Für die Versicherungen unerfreulich, doch für die Betriebe oftmals eine Überlebensfrage. Grundsätzlich können sie sich gegen zahlreiche Naturgefahren absichern – bis zur vollen Höhe der Versicherungssumme. Das betrifft „klassische Sturmschäden“, also Schäden, die durch Wind mit einer Geschwindigkeit von über 60 km/h verursacht werden, aber auch Schäden durch Hagel und Schneedruck sowie durch Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch. Für sogenannte „Erweiterte Naturgefahren“, wie zum Beispiel Hochwasser, Überschwemmung, Vermurung, Lawinen- und Lawinenluftdruck, Rückstau, Niederschlags- und Schmelzwasser sowie Erdbeben, sind dagegen nur eingeschränkte Deckungen möglich, wie Doris Wendler erklärt. Diese „Erweiterten Naturgefahren“ sind meist Ereignisse, die gleichzeitig hohe Schäden bei vielen Versicherungsnehmern und deshalb auch extrem hohe Gesamtschadensaufwände verursachen können. Doch selbst hier würden leistungsfähige Deckungen angeboten. Ob Kunden in Zukunft aufgrund der Entwicklung mit Preissteigerungen rechnen müssten? Laut Doris Wendler sind Prämienanpassungen branchenweit in der Vergangenheit bereits erfolgt und sind – auch um die Versicherbarkeit weiter zu gewährleisten – zukünftig natürlich wieder denkbar.

Problematisch genug, doch der Klimawandel macht sich nicht nur hierzulande in Form von gefährlichen Wetterkapriolen bemerkbar. In anderen Regionen der Welt löst große Trockenheit Phänomene wie Fluchtbewegungen und bewaffnete Konflikte aus. Die Destabilisierung ganzer Länder ist die traurige Folge. Ein Aspekt, den vor allem Exporteure langfristig im Auge behalten sollten. Und mit ihnen auch Kreditversicherungen, die Lieferungen auf offene Rechnung absichern, wie die Acredia. „Etwaige Auswirkungen der Klimaveränderungen fließen aktuell eher indirekt über die Analyse der Volkswirtschaften und einzelner Branchen in die Betrachtung einer Region ein“, erklärt Norbert Kosbow von Acredia. Doch man könne sich mit dem wichtigsten Versicherungsprodukt, der Globalversicherung, jederzeit einer veränderten Wirtschafts- beziehungsweise Bonitätssituation eines Risikos entsprechend aufstellen. Man denke nur an Beispiele wie Kriege oder drastische Bonitätsverschlechterungen, die jederzeit auftreten können und das Risiko von einem Tag auf den anderen extrem verändern. Ein Fall, der wohl in Zukunft noch öfter auftreten könnte.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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