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Ein soziales Perpetuum mobile

09.03.2021

Margit und Richard Schweger haben das Unternehmen Noan gegründet, um benachteiligten Kindern zu helfen. Sie schufen eine For-Profit-Organisation, denn: „Nur wenn ein Projekt wirtschaften kann, kann es auch nachhaltig helfen.“ Ein Gedanke, der Schule machen müsste.

Margit und Richard Schweger wollten ein Unternehmen gründen, das dauerhaft helfen kann.

Es gibt Erfolgsgeschichten, die man besser nicht chronologisch vom Anfang bis zum Ende erzählt. Manchmal bietet nämlich die Gegenwart den idealen Ausgangspunkt. So ist es auch bei Noan, denn die Olivenölproduzenten aus Wien haben dieser Tage eine heiß ersehnte Schallmauer durchbrochen. Stolze 300.000 Euro hat das Unternehmen seit seiner Gründung vor zwölf Jahren an Bildungsprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche gespendet. Dabei gibt es einen ganz zentralen Punkt, der Noan von anderen Firmen unterscheidet, die sich für wohltätigte Zwecke einsetzen: Das Unternehmen spendet nicht nur einen kleinen Teil des Umsatzes, sondern gleich den gesamten Gewinn. Und zwar von Anfang an. Das große Ziel, Kindern und Jugendlichen durch Bildung einen besseren Weg in die Zukunft zu ebnen, hat überhaupt erst zur Gründung des Unternehmens geführt, das heute rund 45 Tonnen Öl pro Jahr an Gastronomie, Hotellerie, Handel, Firmen – und Privatkunden absetzt. 45 Tonnen, die bio, fair und zum Vorteil von Kleinbauern produziert werden. Und auch 45 Tonnen, die Dose für Dose, höchsten kulinarischen Ansprüchen genügen müssen. Kein leichtes Unterfangen, sondern ein Lebensprojekt von echten Überzeugungstätern. Womit das Gründerehepaar ins Rampenlicht rückt, das Noan rein ehrenamtlich betreibt: Margit und Richard Schweger. An dieser Stelle kommt nun auch der Rückblick zu den Anfängen des Projektes und damit zum Antrieb für die Herkulesaufgabe.

WARUM DER WEG ZUM ZIEL WURDE

Beide waren vor der Gründung viele Jahre erfolgreich in der Privatwirtschaft tätig. Richard Schweger als Immobilienentwickler sowie als Unternehmer im IT- und Paymentbereich und Margit als Marketingmanagerin bei einem globalen Elektronik-Konzern. Das Leben war schön und ausgefüllt. Doch so spannend ihre beruflichen Herausforderungen auch waren, bei beiden wuchs der Wunsch, etwas zurückzugeben, die Sehnsucht nach einem tieferen Sinn. Dass sich die spätere Spendentätigkeit auf Kinder konzentriere sollte, ist zwei Schlüsselerlebnissen zu verdanken, die Richard und Margit Schweger hatten. Er kam bei einer Geschäftsreise in Brasilien mit einem Buben ins Gespräch, der ihm für ein Trinkgeld die Schuhe putzen wollte. Gerne hätte der Junge sein Leben anders gestaltet, doch boten sich ihm keine Perspektiven. Der Schlüssel war für Richard Schweger klar: Bildung. Auch Margit Schweger hatte ein einschneidendes Erlebnis. Sie sah in Indien ein Kind im Staub einer Verkehrsinsel liegen, das sie zunächst für tot hielt. Doch es schlief lediglich. Margit Schweger war so betroffen, dass sie der Gedanke, etwas verändern zu wollen, nicht mehr losließ.

DAUERBRENNER ANSTATT ONE-HIT-WONDER

Beiden war von Anfang an klar, dass sie keine einmalige Aktion setzen würden. Sie wollten vielmehr ein Projekt auf die Beine stellen, das wiederkehrend spenden kann. Ein soziales Perpetuum mobile, wie es Richard Schweger nennt. Denn: „Nur wenn ein Projekt wirtschaften kann, kann es auch nachhaltig helfen.“ Doch warum ausgerechnet Öl? „Den einfachsten Ansatz haben wir uns damit tatsächlich nicht ausgesucht“, schmunzelt Margit Schweger. Rein wirtschaftlich betrachtet sei Landwirtschaft extrem komplex, und die Ergebnisse wären nicht exakt planbar. Vor allem, wenn sie nachhaltig betrieben wird. Man habe es mit intensivstem Micromanagement zu tun, sagt Richard Schweger. Doch wie so oft hat die Leidenschaft ein Stück weit Feder geführt. Einen Olivenhain in Griechenland hatten die beiden bereits, und nachdem sie sich eine Ernte sowie den Herstellungsprozess näher angeschaut hatten, waren sie verzaubert von der Schönheit des Produkts. Kopflos sind sie deswegen aber nicht vorgegangen. Sie haben einen echten Fachmann für Öl konsultiert und eine große Messe für Olivenöl besucht. Um zu sondieren, was sie wollen und was nicht. Darüber hinaus haben sie ein umfassendes Konzept erstellt und qualifiziertes Feedback eingeholt. Schließlich sollte nicht der Enthusiasmus mit ihnen durchgehen. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv, und auch ihr Öl-Experte ließ sich von ihrer Leidenschaft mitreißen. Dass Noan viel mehr als ein kulinarisches Liebhaberprojekt geworden ist, beweisen mittlerweile auch die unzähligen Auszeichnungen, die den Ölen verliehen wurden. Feinschmecker konnten sich von der Qualität sogar bei diversen prominenten Aushängeschildern der heimischen Spitzengastronomie überzeugen, die auf Noan schwören – vor dem Lockdown wohlgemerkt. Verzichten muss man auf die Öle allerdings auch jetzt nicht. Im Handel sind die dezent gestalteten Dosen jederzeit erhältlich. Preislich sind die Öle im gleichen Segment positioniert, in dem sich auch andere dieser Qualitätsklasse befinden, beteuert Richard Schweger. Konsumenten müssen aufgrund der Spenden also nicht tiefer in die Tasche greifen. Natürlich auch nicht für die Essige, Oliven und Macadamianüsse, die das Produktportfolio ergänzen. Um das sicherzustellen, ist das Unternehmen selbst extrem schlank aufgestellt. Damit die jährlichen Preissteigerungen bei Personal und Produktion kompensiert werden können, ist allerdings laufend Wachstum angesagt. Kein leichtes Unterfangen, wenn aufgrund der Pandemie mit Gastronomie und Hotellerie zwei wichtige Kundensegmente brachliegen. Doch dank vieler begeisterter Privat- und Firmenkunden kam auch 2020 ein ansehnliches Spendenvolumen zusammen. Trotz des wirtschaftlich extrem schwierigen Jahres wurden es 33.500 Euro. Wer diesen Betrag vermehren, bestes Öl genießen und dabei die Ausbildung benachteiligter Kinder fördern möchte, hat die Wahl zwischen verschiedenen Produkten. Von Extra Vergine bis hin zu aromatisierten Varianten reicht die Palette.

HÖHERE KOSTEN, BESTE QUALITÄT

Im Mittelpunkt der Produktserie steht von Anfang an das klassische Olivenöl aus Griechenland. Seine Produktion ist auch das aufwendigste landwirtschaftliche Projekt. Arbeiten die Schwegers doch mittlerweile mit 40 Landwirten vor Ort zusammen. Ihr italienischer Oleologe mit dem klingenden Namen Duccio Morozzo Della Rocca schult die Olivenbauern und unterstützt sie bei der sachgerechten Produktion. Dabei gibt das Noan-Team den perfekten Erntezeitpunkt bekannt, macht die Abnahme und kümmert sich um die Verarbeitung der Oliven vor Ort. Entsprechend eng ist die Zusammenarbeit mit den Bauern. „Und fair ist sie auch“, erzählt Margit Schweger. Sie bekommen im Schnitt zwischen 80 und 120 Prozent mehr als den regulären Marktpreis. Der Grund liegt darin, dass Noan immer die erste Ernte, die A-Qualität, abnimmt. Dadurch wird die gleichbleibende Qualität abgesichert. „Wie fordern viel, bezahlen aber auch prompt“, erzählt Richard Schweger. Ein Umstand, der in der griechischen Region viel in Bewegung gebracht hat. Die Qualität der Produkte und auch der Zusammenhalt der Bauern haben sich gesteigert. So sorgt das Projekt nicht nur dafür, das Leben von Kindern rund um den Globus zu verbessern, auch in Griechenland trägt die Idee positive Früchte. „Die Bauern sind eine eingeschworene Gruppe geworden, die sich austauscht und sehr viel Knowhow gewonnen hat“, sagt Margit Schweger voll Stolz.

HELFEN, WO DIE HILFE ANKOMMT

Wohin der Gewinn der vielen Arbeit am Ende gespendet wird, ist durch eine klare Formel festgelegt: 50 % der Spenden bleiben stets in den Absatzmärkten, in denen sie erwirtschaftet wurden. Die übrigen Spenden gehen an internationale Projekte in Ländern, in denen Noan noch nicht wirtschaftlich tätig ist. Aktuell sind es insgesamt elf Projekte, die unterstützt werden. Grundvoraussetzung ist dabei, dass es sich um Projekte mit vielen Freiwilligen handelt, bei denen zweckgebundenes Spenden möglich ist und wo die Spende auch etwas bewegt. Auch beim Spenden selbst steht also Verantwortung im Mittelpunkt.

MIT FOR-PROFIT-ANSATZ WACHSEN

„Wir wollen die soziale Verantwortung nicht nebenher übernehmen“, sagt Richard Schweger. Sie muss durchgängig in alle Prozesse integriert sein. „Wirtschaft kann soziale Verantwortung durch sein Wirtschaften übernehmen“, ist auch Margit Schweger überzeugt. „Wir sind eine For-Profit-Organisation“, bringt sie das Konzept auf den Punkt. Umso mehr sie erwirtschaften, umso mehr können sie zurückgeben. Aber natürlich immer nur soweit es ihre hohen Standards zulassen. Der ganze Weg zur Spende muss passen. Damit sich am Ende „ein sozialphilosophischer Faden durchzieht“, wie es Richard Schweger formuliert. Was es noch dafür braucht, damit Noan auf lange Sicht gesehen prosperieren und helfen kann? „Ein Umsatz von einer Million Euro pro Jahr ist ein Stepstone“, meint Margit Schweger. Um auch einen Geschäftsführer beschäftigen zu können, wenn sich die beiden Gründer samt ihrem ehrenamtlichen Engagement einmal zurückziehen. Um diese Umsatzmarke zu knacken, wäre eine verstärkte Positionierung in den bestehenden Absatzmärkten und -kanälen, gezielte Sortimentsvergrößerung und auch eine Diversifizierung der Produktpalette in andere Marktsegmente denkmöglich, blickt Richard Schweger in die Zukunft. Es gebe diverse Produkte, die sich unter dem Markennamen Noan wunderbar vermarkten lassen würden. Davon, dass sich der richtige Weg schon weisen wird, sind beide fest überzeugt: „Was immer man positiv rausträgt, kommt auch wieder zurück.“ Und bis dahin zählt jeder verkaufte Tropfen Öl.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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