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Ein paar klare Worte, bitte!

05.09.2013

Die EU verhandelt neuerdings konkret mit den USA über die größte Freihandelszone der Welt. Was ist davon konkret zu erwarten, und wer soll profitieren? Christian Kesberg, seines Zeichens österreichischer Wirtschaftsdelegierter in New York, gibt Auskunft.

Mehr Export bringt mehr Wachstum hofft Christian Kesberg

Interview: Daniel Nutz

„Grundsätzlich sind die Märkte zwischen den USA und Europa bereits sehr offen. Das heißt: Die Zölle sind auf einem niedrigen Niveau. Ein reiner Wegfall der Zölle hätte daher kaum bedeutende Auswirkungen auf die Wirtschaft. Hauptaugenmerk der bereits laufenden Verhandlungen ist daher eine Aufhebung der nichttarifären Handelshemmnisse. Also jener Handelsbarrieren, die auf unterschiedlichen Normen und Standards, technischen Vorschriften, Klassifizierungen oder auch Umweltvorgaben beruhen. Davon sind auf beiden Seiten so gut wie alle Branchen betroffen. Aus europäischer Sicht leidet ganz besonders der Bausektor, aber auch der Handel unter solchen Vorgaben. Aus US-Perspektive sind viele chemische Erzeugnisse, aber auch Agrarerzeugnisse – Stichwort: Gentechnik – betroffen."

 

„Hinsichtlich der zu erwartenden Effekte eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA gibt es unterschiedliche Studien. Da die USA für Europa zu den wichtigsten Handelspartnern zählen, ist aber in den Prognosen weitgehend unumstritten, dass ein solches transatlantisches Abkommen überwiegend positive Auswirkungen, insbesondere auf Wachstum und Beschäftigung, haben würde."

 

„Wichtigste Exportgüter in die USA sind derzeit die Maschinen und Fahrzeuge, Chemikalien, Fertigwaren sowie Getränke."

 

„Die EU-Kommission prognostiziert einen BIP-Anstieg von 0,5 Prozent in Europa und 0,4 Prozent in den Staaten. Andere Studien gehen allein in Österreich von einem Wachstumspotenzial von 1,75 Prozent aus. Dies wäre in erster Linie auf einen Anstieg der Direktinvestitionen zurückzuführen. Prognosen gehen von einem Anstieg des Handels zwischen Europa und den USA von 28 Prozent aus. Ein ambitioniertes Abkommen könnte laut Studien in Europa 400.000 neue Arbeitsplätze schaffen."

 

„Von einer umfassenden Handelsliberalisierung würden vor allem wachstumsorientierte mittelständische Unternehmen profitieren, die derzeit noch keinen Marktzugang haben und erst durch den Wegfall von Handelshemmnissen den US-Markt bedienen könnten. Von den exportorientierten Unternehmen würden daher speziell die kleinen gewinnen."

 

„In einigen Branchen sind harte und schwierige Verhandlungen zu erwarten, da es auch um die Anpassung unterschiedlicher Konsumentenschutzrichtlinien geht. Im Agrarbereich drängen große US-Agrarkonzerne auf den europäischen Markt, die durch Gentechnik zu deutlich niedrigen Preisen produzieren. Kritiker halten es außerdem für unrealistisch, dass man den Dienstleistungsbereich – etwa bei Finanz- oder Versicherungsprodukten – harmonisieren kann. Die seit 2009 laufenden und noch immer nicht abgeschlossenen Verhandlungen über die Transatlantische Freihandelszone mit Kanada legen nahe, dass die Verhandlungen sehr lange andauern könnten. Es gilt dabei als wahrscheinlich, dass sich die Verhandlungsführer auf ein lebendiges Abkommen einigen, in dem stufenweise auf die Konvergenz in unterschiedlichen Bereichen hingearbeitet werden soll."

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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