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Ein paar klare Worte, bitte!

21.05.2013

Wege aus der KriseNicht die Gier der Banker, sondern zu wenig Innovation sei verantwortlich für die Krise, sagt Zukunftsforscher und  Kondratiefftheoretiker Erik Händeler. Und wie bringen wir unsere Wirtschaft bitte wieder auf die Beine?

Zukunftsforscher Erik Händeler … sieht Zusammenarbeit ... als Garant für künftigen Wohlstand
Zukunftsforscher und  Kondratiefftheoretiker Erik Händeler

„Angeblich hatten alle Banker weltweit beschlossen, eines Morgens gierig zu werden und unseren Wohlstand zu verzocken, weswegen es zu einem Einbruch der Wirtschaft 2008 kam und seitdem die Finanzmärkte labil sind. In Wirklichkeit liegen die Ursachen der anrollenden Wirtschaftskrise tiefer. Nachdem der Computer über Jahrzehnte Kosten senkte, Gewinne erhöhte und neue Investitionen rentabel machte, ist dieser Produktivitätsschub ausgelaufen. Daher gab es immer weniger, wofür es sich lohnte, rentabel zu investieren, deswegen sinken die Zinsen und die Gewinne, das freie Geld fließt in die Spekulation mit Aktien, Rohstoffen und Immobilien. Ähnliche Krisen gab es auch schon früher, etwa nach dem Ende des Eisenbahnbooms 1873 oder 1929 nach der Elektrifizierung.“

 

„Es muss diesmal nicht zu einer tiefen Krise kommen, wenn es gelingt, bald den nächsten Strukturzyklus zu erschließen: Immer haben sich die neuen Märkte an den knappen Produktionsfaktoren entwickelt und durch Überwindung großer Engpässe Quantensprünge an Produktivität ermöglicht – diese Sicht der Kondratieff-Theorie hilft, die Zukunft zu gestalten. Die Vision: Nach der Industriegesellschaft geht es nun darum, in Menschen zu investieren. Nur eine Kultur der Zusammenarbeit kann den Wohlstand in der Wissensgesellschaft steigern. Und je knapper Gesundheit wird, umso mehr wird Gesunderhaltung zum kommenden Wachstumsmarkt.“

 „Wodurch unterscheiden sich in Zukunft Regionen noch von einander? Kapital kann jedes Unternehmen weltweit bei jeder Bank aufnehmen – und sei es in Saudi Arabien. Jeder kann jede Maschine weltweit einkaufen, sich das Wissen der Menschheit vom Internet herunterziehen, einen Spezialisten in Paris mieten, seine Produkte weltweit über Internetplattformen anbieten. Der einzige, aber in Zukunft entscheidende Standortunterschied wird in der Wissensgesellschaft sein: Die Fähigkeit, Wissen anzuwenden. Doch Umgang mit Wissen ist immer auch Umgang mit anderen Menschen, die wir unterschiedlich gut kennen, unterschiedlich gerne mögen und mit denen wir unterschiedlich viele berechtigte Interessensgegensätze haben. Die Reibungsverluste oder aber das Funktionieren der Zusammenarbeit entscheiden den Wettbewerb. Das ist weniger eine Frage von Organisation und Fachwissen als vielmehr eine Frage, wie weit der einzelne seinen Verantwortungsbereich definiert.“

 

„Längst arbeiten die Maschinen alleine vor sich hin - Arbeit findet in der gedachten Welt statt: planen, organisieren, beraten, Wissen suchen, aufbereiten, Probleme durchdenken und lösen. Da der Einzelne die Wissensflut aber nicht mehr überblicken kann, sind wir zunehmend auf das Wissen anderer angewiesen. Dieses neue Paradigma verändert die Verhaltensmuster im Betrieb, die Hierarchien und den Umgang auf derselben Augenhöhe. Wenn man dann einen Blick auf vergangene Strukturzyklen wirft, in denen Dampfmaschine oder das Auto die Wirtschaft antrieben, wird klar: Immer waren es zu bestimmten Zeiten bestimmte Erfolgsmuster, die die Produktivität und den Wohlstand bestimmten. Auch diesmal, wenn der Computer unsere Arbeit nicht mehr wie bisher jedes Jahr im gewohnten Maße produktiver macht, wird es wieder ein klares Muster für Wohlstand geben.“

 

„Arbeit ist zunehmend immateriell: Planen, organisieren, beraten, Wissen suchen, aufbereiten, Probleme durchdenken und lösen. Da der Einzelne die Informationsflut aber nicht mehr überblicken kann, sind wir zunehmend auf die Kompetenzen anderer angewiesen. Auf einmal wird jeder wichtig für den Gesamterfolg. Je mehr Produktivität von Gedankenarbeit abhängt, umso mehr sind wir auf das Teilwissen anderer angewiesen. Das erzwingt Zusammenarbeit in derselben Augenhöhe und Kooperationsfähigkeit, berührt unsere seelischen Schichten und verändert die Arbeitsstruktur. Wird die Welt vielleicht doch immer besser?“

  

Erik Händeler hat zum Thema die Bücher die „Die Geschichte der Zukunft“, "Kondratieffs Welt" und das Hörbuch "Der Wohlstand kommt in langen Wellen" verfasst. Im Rahmen der „Tage der Zukunft“ von 15. - 21. Juni in Ossiach tritt er als Keynotespeaker auf. Siehe: www.tagederzukunft.at

 

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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