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Ein paar klare Worte, bitte!

06.02.2013

Beatrice Achaleke ist eine der führenden Diversitäts-Experten des Landes. Wir treffen sie zu einem schnellen Kaffee unweit ihres Büros im vierten Wiener Gemeindebezirk.

Beatrice Achaleke zerbricht sich über Diversität den Kopf.

Interview: Daniel Nutz

„Die Welt verändert sich in rasendem Tempo. Und sie macht unsere Gesellschaft vielfältiger denn je. Die Auswirkungen sind in allen Bereichen spürbar. Zum Beispiel haben sich die Familienstrukturen geändert. Man lebt heute oft im Patchwork oder alleinstehend oder in homosexuellen Partnerschaften. Auch das Generationsverhältnis verschiebt sich. Frauen machen Karrieren und bekommen später Kinder. Behinderte verdienen eine Berücksichtigung am Arbeitsmarkt. Auch Zuwanderung spielt eine bedeutende Rolle. Schon jetzt haben 1,5 Millionen Menschen in Österreich einen Migrationshintergrund. Dieser Trend wird sich noch verstärken – dazu braucht man sich nur die demografische Entwicklung ansehen."

 

„Die Gesellschaft ist also vielfältiger geworden. Und Unternehmen müssen sich diesen Gegebenheiten stellen. Denn darin liegen große Geschäftschancen. Es ist auch klar, dass künftig Führungskompetenzen jenseits der bislang bekannten notwendig sein werden, um mit den vielschichtigen Biografien der Mitarbeiter und Kunden effektiv umgehen zu können. Ein komplettes Umdenken und ein Ausbrechen aus alten Strukturen sowie ein klares Bekenntnis zur Vielfalt sind notwendig."

 

„Viele KMU denken leider noch immer, sie seien zu klein für Diversitäts-Management. Das ist aber ein Irrglaube. Denn egal, ob ein Unternehmen klein oder groß ist – es will doch Marktanteile gewinnen! Jede Firma braucht Kunden, um Umsatz zu machen. Und wer seinen Kundenstamm erweitern will, kommt um Diversität nicht umhin. Viele Firmen sehen das Potenzial darin aber noch nicht. Es geht nicht darum, Gutmensch zu sein, sondern darum, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen."

 

„Und wie schafft man das? Indem Unternehmen alle unterschiedlichen Perspektiven einbinden. Es geht um die Ausschöpfung des vollen Potenzials der Menschen im Wirtschaftsleben. Setzen Sie sich mit potenziellen Zielgruppen – wie Migranten, Menschen mit Behinderung oder Homosexuelle – auseinander und kommunizieren Sie so, dass Sie von diesen verstanden werden. Denn sie stellen eine Einkommensquelle für Ihr Unternehmen dar. Das Gleiche gilt für die Belegschaft. Je vielfältiger die Biografien der Mitarbeiter eines Unternehmens, desto mehr kreatives Potenzial steht zur Verfügung. Diversitäts-Management heißt, die Realität zu erkennen und eigenen Profit daraus zu schlagen. Es geht nicht um die anderen, es geht um Sie. Jeder ist einzigartig und steckt voller Potenziale. Das gilt es zu erkennen!"

Interesse am Thema Diversität? Am 25. und 26. April findet in Wien zum vierten Mal der internationale Kongress „European Diversity, Business & Inclusion Congress" statt.

Infos: www.diversityleadership.eu/congress/european-diversity-congress/home/

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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