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Ein Medikament muss sicher sein

24.04.2020

Covid-19 hat übermäßige Abhängigkeiten bei der Arzneimittelbeschaffung aufgedeckt, meint Wolfgang Kaps, General Manager von Sanofi Österreich. Warum kein Unternehmen die Herausforderung alleine stemmen kann und wie sich die Entwicklung eines Impfstoffes beschleunigen lässt, erklärt er im Interview.

"Die aktuellen Bemühungen der Science Community rund um SARS-CoV-2 setzen nicht bei null an", erklärt Wolfgang Kaps, General Manager von Sanofi Österreich.

Sanofi verfolgt das Ziel neuartige Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Die ganze Welt wartet gerade gebannt darauf, dass ein Mittel gegen Covid-19 entwickelt wird. Wie nahe sind Sie und der Rest der Branche dran?

Seit Beginn der Krise hat Sanofi alles getan, um die Forschung nach Impfstoffen und medikamentösen Behandlungen zu beschleunigen. Und wir engagieren uns gleichermaßen, um die Produktion und Versorgung mit Medikamenten und Impfstoffen für die Patienten in Österreich, Europa und der Welt aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Gesundheit unserer MitarbeiterInnen zu schützen. Wir nutzen derzeit verstärkt unsere bestehende Expertise im Impfstoffbereich, um das Virus bekämpfen zu können. Sanofi Pasteur, die globale Geschäftseinheit für Impfstoffe von Sanofi, nutzt frühere Entwicklungsarbeiten für einen SARS-Impfstoff, um einen schnellen Weg für die Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs zu finden. Sanofi arbeitet mit der Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) zusammen, die Teil des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums ist, und baut die langjährige Partnerschaft des Unternehmens mit BARDA aus. Diese Partnerschaft umfasst eine im vergangenen Jahr unterzeichnete Vereinbarung zum Aufbau modernster Einrichtungen in den USA für die nachhaltige Herstellung eines rekombinanten Impfstoffs mit Adjuvans, der
Technologieplattform, die für das Covid-19-Programm verwendet wird.
Mitte April gaben Sanofi und GlaxoSmithKline bekannt, dass sie eine Kooperation zur Entwicklung eines adjuvantierten Impfstoffs gegen Covid-19 beabsichtigen, bei der die innovativen Technologien beider Unternehmen zum Einsatz kommen, um zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beizutragen. Darüber hinaus untersuchen wir aktuell, ob einige unserer Produkte auf dem Markt eine potenzielle Behandlungsoption für Patienten darstellen können. Die Bereiche Prävention und Behandlung werden durch eine Kooperation mit Luminostics um Diagnostik ergänzt: Beide Unternehmen wollen gemeinsam einen Covid-19-Selbsttest auf Smartphone-Basis entwickeln.

Es gibt Stimmen die sagen, dass uns ähnliche Pandemien in Zukunft öfter ins Haus stehen könnten. Wie kann sich die Forschung auf diese Herausforderung einstellen?
Gibt es eine Möglichkeit die Zulassungs-Prozesse zu beschleunigen?

Die aktuellen Bemühungen der Science Community rund um SARS-CoV-2 setzen nicht bei null an, sondern bei bereits vorhandenen Entwicklungsprojekten. Gleichzeitig können aber die einzelnen Phasen in der Erforschung eines Arzneimittels oder Impfstoffs nicht übersprungen werden. Ein Medikament muss sicher sein, ehe es den Patienten zur Verfügung gestellt wird. Daran wird auch hinsichtlich der Bekämpfung des Corona-Virus kein Weg vorbeiführen – oberste Prämisse ist die Sicherheit der Patientinnen und Patienten!
Eine schnellere Zulassung eines neuen Arzneimittels oder Impfstoffes ist etwa im Rahmen eines „conditional approval“ möglich, wenn es um lebensbedrohliche Erkrankungen oder Krisensituationen geht, wie etwa bei einer Pandemie. So eine bedingte Zulassung ist zunächst auf ein Jahr befristet und der Arzneimittelhersteller ist gefordert, Belege nachzuliefern, um eine reguläre Zulassung zu ermöglichen.

Unsere Gesundheit ist ein lukratives Geschäft und wer als erster einen Durchbruch schafft, hat vermutlich enorme wirtschaftliche Vorteile. Muss sich angesichts von Herausforderungen wie Covid-19 die Branche noch stärker vernetzen und offener mit Wissen umgehen?

Je länger diese beispiellose globale Pandemie andauert, desto klarer wird, dass kein einzelnes Unternehmen oder keine einzelne Organisation diese Herausforderung allein bewältigen kann. Seit Beginn dieser Krise haben wir nach Möglichkeiten für Partnerschaften gesucht, um neue Impfstoffe durch die Nutzung verschiedener Plattformen zu entwickeln. Unsere Partnerschaft mit GlaxoSmithKline ist hier ein gutes Beispiel: Durch die Kombination unterschiedlicher wissenschaftlicher Expertisen und Technologien glauben wir, dass wir die Entwicklung eines Impfstoffes beschleunigen können.

Welche Erkenntnisse ergeben sich für den Gesundheitsbereich aus internationaler Perspektive aus dieser Pandemie? Muss das Thema in Zukunft globaler gedacht
werden? Aktuell setzt ja jeder Staat autonome Maßnahmen. 

Höchste Priorität hat jetzt die schnellstmögliche Eindämmung der Pandemie und der Schutz der Gesundheit der Bürger. Sobald die Pandemie eingedämmt ist, müssen wir die Lehren daraus für unsere Zukunft in einer „Post-Corona Welt“ ziehen. Eine Kernfrage sollte sein: Können die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten zusammenkommen und eine Eigenständigkeit im Bereich Gesundheit erlangen? Covid-19 hat das Risiko einer übermäßigen Abhängigkeit bei der Arzneimittelbeschaffung aus Drittländern verschärft, was die Versorgung im Krisenfall potenziell gefährden könnte. Auch wenn es keinen Zusammenhang mit Covid-19 gibt, ist die kürzlich erfolgte Ankündigung von Sanofi, ein führendes Unternehmen für pharmazeutische Wirkstoffe (API) mit Sitz in Frankreich gründen zu wollen, indem sechs seiner europäischen Standorte zusammengelegt werden, für die gegenwärtige Situation relevant. API sind wichtige Moleküle, die zur Produktion von Medikamenten benötigt werden. Unser Ziel ist es, bedeutende Kapazitäten für die Herstellung und Lieferung von APIs zu sichern, die von entscheidender Bedeutung für Patienten in Europa und anderswo sind. Für derartige Initiativen brauchen wir starke politische Unterstützung! Covid-19 macht letztlich deutlich, dass die EU-Mitgliedstaaten in ihre Produktionskapazitäten investieren und dies als eine Frage der Eigenständigkeit betrachten müssen

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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