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Ein Mann mit vielen Talenten

10.10.2018

Die traditionsreiche Gmundner Keramik hat seit August einen neuen Eigentümer. Sie gehört nun zur MF-Gruppe von Exrennfahrer Markus Friesacher. Eine vielschichtige Persönlichkeit im Porträt.

Markus Friesacher ist der Sohn einer wohlhabenden Anifer Gastronomiefamilie. Aus seinem Mund klingt das anders: Den Eltern gehöre ein Restaurant, ein Heuriger, eine Einkehr und ein Stadl. Na ja, und ein paar Immobilien und die Landwirtschaft. Nichts Besonderes halt. Niki Lauda war seit seiner großen Formel-1-Zeit Stammgast dort. So kam der heute 43-jährige Markus Friesacher mit dem Rennzirkus in Berührung. Er leckte Blut, dort zog es ihn hin. Er sparte eifrig, schraubte sich sein eigenes Go-Kart zusammen und überredete die Eltern, ihm das Geld für sein erstes professionelles Kart zu borgen. Begeistert waren sie nicht.

Er schaffte es rasch in die Formel Ford, die Einsteigerklasse für den Formel-Rennsport. Er war im Team von Rennlegende Walter Lechner, erzählt er, und fuhr die deutsche Formel 3 unter Helmut Marko. Spätestens hier versteht man: Markus Friesacher ist gut vernetzt. Und er ist ein Meister im Name Dropping. Im Web findet sich eine Anekdote, wonach es Friesacher war, der Ende der 1990er-Jahre einen gewissen Dietrich Mateschitz mit Teamchef Marko bekanntmachte. Das war die Geburtsstunde des Red-Bull-Racing-Teams.

NEUSTART IM TANKSTELLENBUSINESS

Friesachers eigene Rennkarriere lief nicht so geschmiert. Im Jahr 2000, 25-jährig, hörte er nach einigen schlechten Saisonen auf. „Es kommt der Zeitpunkt, wo man der Realität ins Auge schauen muss“, resümiert er pragmatisch. „Es waren schöne Jahre. Ich habe viel erlebt und die Welt gesehen. Aber irgendwann muss man anfangen zu arbeiten.“

Bloß was? Friesacher hatte die Landwirtschaftsschule und die Hotelakademie abgeschlossen. Er hätte in den Gastronomiebetrieb seiner Eltern einsteigen können. Doch ein gewisser Gerhard Berger brachte ihn auf die Idee, Lkw-Tankstellen in Salzburg zu eröffnen. Berger besaß selbst solche in Tirol. „Schau sie dir an“, empfahl er dem Jungen, „und mach es einfach nach.“ Er selbst musste bloß noch Grundstücke suchen, die von Truckern gut frequentiert waren. Die Tankstellentechnik könne man kaufen, sagt er, „und den Sprit bekommt man auch“. Ebenso die Unterstützung von Politik und Medien: „Wenn einer günstigen Treibstoff anbietet, ist das immer interessant.“ Auch seine vorherige Karriere als Rennfahrer schade nicht. Natürlich, die Platzhirsche versuchten ihn zu behindern, „aber ein bisschen Gegenwind wirft mich nicht um“. Friesacher hatte ein Ziel.

Auf die Lkw-Tankstellen folgte der Hofer-Deal. Auf 72 Parkplätzen des Lebensmitteldiskonters eröffnete der Jungunternehmer seine Tankstellen, nur Automaten, kein Personal, Hauptsache günstig. Auch Immobilientycoon René Benko war mit an Bord. „Wir kennen uns schon lange“, sagt Friesacher bescheiden. 2015 war die als FE-Trading firmierende Kette so groß, dass sie das Interesse ausländischer Investoren weckte. „Drei Angebote waren richtig gut“, erinnert sich Friesacher. Sein patriotisches Herz begann zu pochen. Sollte seine Kette ans Ausland verloren gehen? Da traf es sich gut, dass der eben inthronisierte OMV-Bigboss Rainer Seele dringend Auslastung für die Raffinerie Schwechat benötigte. Friesacher verkaufte an ihn: „Gott sei Dank, so ist die Firma in Österreich geblieben.“ Im kolportierten Kaufpreis von 57 Millionen Euro waren 31 Millionen zur Tilgung von Verbindlichkeiten enthalten – und die Übernahme von Friesacher als Mitarbeiter in die OMV.

FIRST LIFE: ANGESTELLTER

Ein Jahr lang leitete er seine Hofer- und die Avanti-Tankstellen unter dem zuständigen Vorstand. Im September 2017 stieg er aus, um sich fortan nur noch seinem Boss Rainer Seele zu widmen – als Senior Vice President von dessen Office. Das klingt nach Büroleiter, doch wahrscheinlicher ist, dass Friesacher sein Netzwerk für so manches Akquiseprojekt ins Spiel bringt.

Die Entscheidung, sich von der Leitung der Diskonttankstellen zurückzuziehen, war jedenfalls gut. Seither wechseln deren Geschäftsführer – erfahrene OMV-Manager – mehrmals pro Jahr. Schuld sei der Zusammenprall der hemdsärmeligen KMU-Tradition mit der starren Konzernwelt, heißt es aus gut informierten Kreisen. Friesacher widerspricht energisch: Die OMV sei keine Spur starr, der Vorstand unter „dem Rainer“ agiere schnell und schlagkräftig, Entscheidungen fielen auf kurzem Weg. Er habe sich immer gewünscht, in einem so großen Konzern tätig zu sein. Die Erfahrung könne ihm niemand nehmen: „Auf der ganzen Welt gibt es keine Universität, auf der man lernen kann, was ich gerade lerne.“ Friesacher ist also glücklich im heimischen Mineralölkonzern angekommen und sagt: „Mein Beruf heißt OMV.“ Er streut seinem Boss Rosen. Stellt sich bloß die Frage: Wie passt die Gmundner Keramik dazu?

„Ich investiere mein Geld gerne in Österreich.“

SECOND LIFE: UNTERNEHMER

Neben seinem Fulltimejob ist Friesacher nämlich Unternehmer geblieben. Er spricht darüber nur vage. Sein Unternehmen, die MF-Gruppe, führen zwei Geschäftsführer, damit habe er nichts zu tun. Manchmal legten sie ihm Projekte oder Beteiligungen vor, die gut ins Portfolio passten, Immobilien, „von der Tiefgarage in Salzburg bis zum Zinshaus in Wien“, Softwarefirmen, Versicherungen. Die Lkw-Tankstellen gehören noch immer ihm und inzwischen auch die Landwirtschaft der Eltern: „Ein paar Wiesen, Wälder und Mutterkühe.“

Wie viele Firmen in seinem Konglomerat sind, weiß er gar nicht. Manche seien „nur kleine Beteiligungen bei guten Bekannten. Da sind wir nicht in der Geschäftsführung.“ Ob er wo mitmache, entscheide er „nach Bauchgefühl und dem Rat von Weggefährten“. Beraterfirmen akzeptiere er nur „bei gewissen M&A-Geschichten“ und wohl nur in der OMV. In seiner Gruppe sei das Entscheiden seine Aufgabe. Berater? – „Not my cup of tea.“

Die Gmundner Keramik habe er gekauft, weil sein alter Schulfreund, Maximilian Graf von Moy, an ihn herangetreten sei. Moy, dessen Familie die Keramikmanufaktur seit 1997 besitzt, suchte eine österreichische Lösung. Es ging um 130 Mitarbeiter, darunter 40 Keramikmaler, um das Werk, die Erlebniswelt und zwei Geschäfte in Salzburg und Wien. Es gab ausländische Angebote. Nach schwierigen Jahren hatte die Manufaktur 2012 den Turnaround geschafft und ist nun mit 5.000 Stück Tagesproduktion wieder profitabel. Über den Umsatz schweigen sich Friesacher und Moy aus. Der soll im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Friesacher griff zu. Willkommen in der Familie: „Ich investiere mein Geld gerne in Österreich. Nicht in Aktien und Wertpapieren, sondern in Immobilien, Grund und Boden. Das kann man angreifen.“

Wie es nun weitergeht? „100 Prozent OMV“, sagt Friesacher. Daneben wird der eine oder andere Sidestep drinnen sein. Friesacher sitzt etwa im Aufsichtsrat der Hypo Salzburg und wurde kürzlich zum Honorarkonsul von Bosnien und Herzegowina ernannt. Weil gute Beziehungen nie schaden.

Autor:
Mara Leicht

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