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Ein Glas für jede Gelegenheit

09.09.2014

Best Practice: Glas ist nicht gleich Glas, lautet die Botschaft von Riedel. Wie das Unternehmen Weltmarktführer bei hochwertigen Trink- und Weingläsern wurde.

„Ah, Riedel“, soll der Weinkenner sich heute beim Nippen am handgefertigten Trinkbehältnis entzückt zeigen. So will es zumindest die haus-eigene Marketingstrategie. Die Botschaft: Der gleiche Wein schmeckt besser, wird er nur aus dem rechten Glas getrunken. Darauf baut das Erfolgsrezept der Tiroler Glashütte Riedel auf. Wobei heute die Bezeichnung Glashütte die reinste Untertreibung darstellt: Sie Unternehmensgruppe hat mittlerweile Mitbewerber wie Nachtmann und Spiegelau übernommen und beschäftigt weltweit rund 1.300 Mitarbeiter. Riedel gilt als Weltmarktführer für rebsortenspezifische Glaswaren.

Die Unternehmensgeschichte ist mehr als ein Vierteljahrtausend alt. Begonnen hat die Glasproduktion 1756 in Böhmen. Erste Exporterfolge feierte das Unternehmen mit Fensterscheiben, erst allmählich rückten kunstvoll gravierte Trinkgläser ins Sortiment auf. Die unmittelbare Erfolgsgeschichte des im Zweiten Weltkrieg zwangsverstaatlichten Unternehmens begann in den 1950er-Jahren mit der Übernahme der Tiroler Glashütte. Firmenchef Claus Riedel erkannte als einer der ersten Glasdesigner, dass Bouquet, Geschmack, Balance und Abgang von Weinen durch die Form der jeweiligen Weingläser beeinflusst werden. Es entstanden Gläser, die zu dieser Zeit einzigartig waren: dünn geblasen und im Design auf das Wesentliche reduziert.

 

Neue Märkte entdecken
Die Form des Glases wird auf die Rebsorte angepasst und unterstützt so den individuellen Geschmack des Weines. Riedel hat sich mittlerweile auf Gläser, Dekanter, Teller und Vasen sowie gläserne Accessoires spezialisiert.

Heute ist mit Maximilian Riedel die bereits elfte Generation am Ruder. 2013 übernahm der 35-Jährige die Firma von seinem Vater Georg. Die Zeichen im Unternehmen stehen jedenfalls auf Umbruch, da sich mit der Generationsübergabe gleich mehrere Manager aus der Unternehmensführung zurückzogen. Ein Problem für das Familienunternehmen? Wohl kaum. Maximilian Riedel stellte seine Fähigkeiten als CEO bereits als Verantwortlicher für das Amerika-Geschäft der Unternehmensgruppe unter Beweis. Er erkannte die in den USA aufkeimende Weinbegeisterung und hatte die richtigen Produkte für amerikanische Konsumenten im Kopf. Der Umsatz in Nordamerika hat sich in zehn Jahren versechsfacht. Ein Erfolgsfaktor war die komplette Umstrukturierung des Vertriebsnetzes in allen 50 Bundesstaaten. Diesen Weg will Maximilian Riedel an der Konzernspitze fortführen. Im Fokus steht die Eroberung von Märkten in Zentralafrika, Lateinamerika und im Mittleren Osten. Mit welcher Strategie er auf Platz eins bleiben will? „Nie auf halbem Wege stehen bleiben! Das Produkt mit Selbstbewusstsein und Kreativität verteidigen und weiterentwickeln“, so der Konzernleiter. (dn)

 

Riedel GmbH
Unternehmenssitz: Kufstein
Gründungsjahr: 1756 (Neugründung 1956)
Mitarbeiter: 1.300 (302 in Österreich)
Umsatz: über 200 Millionen Euro
Absatzmärkte: 118 Länder; USA 40 %, EU 20 %, Japan 12 %,
China 6 %, Australien 3 %, Lateinamerika 3 %, Russland 2 %
Erfolgsfaktoren: kundenorientierte Innovation, Vertrieb

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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