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Ein Elefant auf Reisen

05.09.2013

Wenn hochsensible Fracht  von A nach B soll, werden den Transporteuren Höchstleistungen abverlangt. Vorschriften, Sicherheitsmaßnahmen und Extrawürste: Logistik am Limit.

Text: Julia Stürzl

Logistik ist schon unter normalen Umständen ein Bereich, der gute Vorbereitung, Planung und Fingerspitzengefühl erfordert, damit die Ware schnell, zuverlässig und unbeschädigt den richtigen Kunden erreicht. Wie komplex ist da wohl erst der Transport eines fünf Tonnen schweren Elefanten von Wien nach Spanien? Oder eines acht Meter langen Wikingerschiffs quer durch Europa? Wenn es sich beim Versandprodukt um wertvolle und sensible Gegenstände handelt, bedeutet jede einzelne Lieferung eine logistische Herausforderung für alle Beteiligten. Für Ausstellungen müssen oft wertvolle Gemälde oder Skulpturen quer durch die Welt versandt werden. Wichtig ist dabei vor allem die genaue Vorbereitung des Transports im Vorfeld wie auch die richtige Verpackung, die nötigen Genehmigungen sowie Versicherungen. Meist arbeiten Museen dabei mit Transportunternehmen zusammen, die auf Kunstwerke spezialisiert sind, so wie die österreichische Kunstspedition Museumspartner. Für sie ist die Beförderung von kostbaren Kunstwerken im Wert von mehreren Millionen Euro Alltag.

 

Analysieren – planen – senden

Für die Ausstellung „Vikings!" Anfang dieses Jahres stand die Firma vor der Aufgabe, 550 archäologische Originalobjekte aus der Wikingerzeit inklusive 1.000 Quadratmeter Ausstellungsarchitektur, Sicherheitsvitrinen, Multimediakomponenten und eine Replik eines Wikingerschiffs zu transportieren. Diese Kunstgegenstände mit einem Versicherungswert von 30 Millionen Euro sollten vom Schwedischen Museum für Geschichte in Stockholm zum Schottischen Nationalmuseum in Edinburgh gebracht werden. Nach der sorgfältigen logistischen Planung wurde das Kunstwerk vom Registrator genau inspiziert und dessen Zustand für die Versicherung protokolliert.

Für den Transport wurde die nötige Ausfuhrgenehmigung vom Bundesdenkmalschutz eingeholt und spezielle Versicherungen für den Transportzeitraum abgeschlossen. Nach Erledigung der Formalitäten werden üblicherweise für jedes zu verschickende Kunstwerk je nach Zustand, Reisemittel und Destination eigene Verpackungen konstruiert. Für das Wikingerschiff wurden 550 Klimakisten gebaut, die je nach Inhalt ein spezielles Klima gewährleisten sollten. Nach der Akklimatisierung der Gegenstände wurde das kostbare Schiff von acht Meter Länge, 2,6 Meter Breite und 6,2 Meter Höhe mit Spezialverpackungsmaterial, säurefreiem Papier und Kartonagen in die Klimakisten verpackt. Dann wurde es mit einem Kran und einem Transporter unter Aufsicht der Museumsdirektoren in mehrere Lkw geladen.

Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen müssen für den Transport wertvoller Kunstschätze getroffen werden. Sehr wertvolle Gegenstände werden oft keinen Moment alleingelassen und je nach Destination von bewaffneter Begleitung, Polizei oder sogar Militär bewacht. Für den Transport des Wikingerschiffs von Stockholm nach Edinburgh wurden die Lkws während der Fahrtpausen in eigenen Sicherheitszonen untergestellt. Somit mussten die Route und die Fahrtzeit der Laster genau berechnet sein, um diese auch bei möglichen Verzögerungen zu erreichen. Nach Ankunft in Schottland musste sich das Schiff ganze 24 Stunden lang wieder akklimatisieren. Dann erst konnte es ausgepackt, auf Schäden untersucht und für die Ausstellung wieder aufgebaut werden.

 

Tiertransporte – Know-how, Medikamente und Technik

Noch komplizierter wird die Logistik, wenn das Versandobjekt lebendig ist und vielleicht gar keine Reise machen will. Der Zoo Schönbrunn muss für den Versand eines Elefanten in einen anderen Zoo oft monatelange Vorbereitungen treffen. Es gilt, zahlreiche Verkehrs- und Tiertransportgenehmigungen und Bestätigungen über den Gesundheitszustand des Tieres einzuholen. Außerdem muss der Elefant im Vorfeld lange für den Transport trainiert und dann mit einem Kran verladen werden. Roy Smith von der Firma Interzoo Service&Logistic GmbH in Deutschland ist ein Experte im Transport von Zootieren. Er betont: „Hier ist ein Cocktail von Know-how, den richtigen Medikamenten und technischen Geräten notwendig." Denn auch wenn der Elefant zur Beruhigung leicht sediert wird, kann es für den Transporteur beim Verladen schnell lebensgefährlich werden. In einem speziell mit Kamera, Heizung und Isolierung ausgerüsteten, mobilen Stall beginnt für Tier und Pfleger dann die strapaziöse Reise.

Da das Tierschutzgesetz alle Bereiche einer solchen Reise sehr streng regelt, ergeben sich viele zusätzliche Herausforderungen für die Logistik. Nach dem Tiertransportgesetz dürfen Tiere nur zweimal die Woche für maximal zehn Stunden transportiert werden. Dies treibt den Zeitaufwand und die Kosten eines Transports natürlich rasant in die Höhe. Eine Fahrt von Wien nach Spanien würde somit etwa 18.000 Euro kosten. Jede Pause muss minutiös durchgeplant werden, und Verzögerungen können schnell zu kleinen Katastrophen auswachsen. Normalerweise wird versucht, bei nahgelegenen Zoos zu halten, da niemand einen brüllenden Elefanten in der Nachbarschaft haben will. Doch leider erreicht man die vorgesehenen Stationen nicht immer, und so kann die maximale Transportzeit manchmal nicht eingehalten werden. Wenn ein Notfall eintritt und ein Tier beispielsweise krank wird, müsste Smith also – zum Wohle des Tieres – auch noch gegen das Gesetz verstoßen. Geht es um lebendes Frachtgut, helfen eben oft nichtmal die beste Vorbereitung und der durchdachteste Plan.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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