Direkt zum Inhalt

Ein digitales Ass im Armel

09.10.2019

Warum das Glücksspiel immer digitaler wird und was Eva Glawischnig- Piesczek bei dem Gaming-Weltmarktführer aus Niederösterreich bisher erreicht hat, erklärt Harald Neumann, Vorstandsvorsitzender der Novomatic AG, im Interview.

Harald Neumann, Vorstandsvorsitzender der Novomatic AG

INTERVIEW STEPHAN STRZYZOWSKI

Die Novomatic-Gruppe ist laut eigenen Angaben einer der größten Gaming-Technologiekonzerne der Welt und beschäftigt mehr als 30.000 Mitarbeiter. Wo wird global besonders viel gespielt? Und wo bieten sich besonders gute Wachstumschancen? Das ist stark davon abhängig, welches Ansehen Glücksspiel in der jeweiligen Gesellschaft genießt. In nahezu allen Ländern wird es jedenfalls als ganz normale Freizeitbeschäftigung angesehen. Deutschland, Spanien und Italien sind für Novomatic die wichtigsten und umsatzstärksten Märkte, Expansionspotenzial sehen wir in den USA, Brasilien, Argentinien und Indien.

Das Glücksspiel hat sich in den letzten Jahren – auch aufgrund der Digitalisierung – stark gewandelt. Welchen Stellenwert nimmt das Spiel an Automaten gegenüber klassischen Formen mit Croupier heute ein? Wir beobachten an den internationalen Märkten unterschiedliche Entwicklungen. Zum einen den Trend zum Online-Gaming, das vermehrt auch neue Zielgruppen anspricht. Diese wollen das Angebot jederzeit und an jedem Ort über das Smartphone nutzen. Und zum anderen die Entwicklung im Land-based- Bereich: Hier ist die Nutzung relativ konstant, natürlich mit regional unterschiedlichen Präferenzen. Wir verzeichnen in den europäischen Kasinomärkten jedenfalls zunehmendes Interesse an Jackpot-Systemen und Glücksspielunterhaltungsangeboten im amerikanischen Stil.

„Es ist generell schade, dass der Wechsel ehemaliger Politiker in Wirtschaftsunternehmen zumeist von untergriffiger Kritik begleitet wird.“

Welche Art von Spiel liegt aktuell besonders im Trend? Trends entwickeln sich meistens aus den Bedürfnissen der Konsumenten und der Nutzung neuer Technologien. Daher überrascht es kaum, dass vor allem der Online-Bereich und Sportwetten aktuell Thema sind. Der Trend liegt auf der Hand, immerhin benutzen 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt bereits ein Smartphone – und diese Entwicklung setzt sich weiter fort. Vier Milliarden Menschen haben Zugang zum Internet, und jährlich werden es um 20 Prozent mehr.

Wie groß ist die Konkurrenz durch die zahllosen Online- Games für Smart Devices? Die Konkurrenz ist sehr groß. Ein Grund dafür ist, dass das Online-Glücksspiel am gesamten europäischen Markt noch nicht reguliert ist und daher der Markteintritt für neue Anbieter denkbar einfach ist. Unsere Tochtergesellschaft Greentube hält diverse europäische Online- Lizenzen. Darüber hinaus wird am Eintritt in verschiedenen, zukünftig regulierten europäischen und amerikanischen Märkten gearbeitet.

„Im Bereich der CO2-Einsparungen sind wir gut unterwegs.“

Welche Rolle spielen Forschung und Entwicklung für die Position am Weltmarkt? Gerade Forschung und Entwicklung spielen eine ganz entscheidende Rolle. Deswegen haben wir am Standort in Gumpoldskirchen auch eine eigene Abteilung, die sich diesem Thema widmet. Es ist sehr wichtig, gerade in einem Hightech-Bereich wie dem Glücksspiel, ständig am Puls der Zeit zu operieren.

Welche Rolle spielt die Politik bzw. die Regulatorik, wenn man in dem Segment erfolgreich sein will? Gerade in Europa ist die Regulierungsdichte vielfältig und intensiv, Spielerschutz spielt hier eine entscheidende Rolle. Als europäischer Marktführer sind wir mit den unterschiedlichsten regulatorischen Herausforderungen konfrontiert. Wir sind der Überzeugung, dass nur durch Regulatorik das Glücksspiel nachhaltig Bestand haben kann.

Auf der einen Seite wird Novomatic immer wieder vorgeworfen, auf die Politik bzw. Politiker und die Gesetzgebung Einfluss zu nehmen, auf der anderen Seite haben Sie die ehemalige Grünen-Chefin Eva Glawischnig-Piesczek an Bord geholt und setzen auf CSR und Sponsoring. Ein Widerspruch? Absolut nicht. Frau Glawischnig-Piesczek engagiert sich für einen Bereich, der sich vor allem mit Jugend- und Spielerschutz sowie mit einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen befasst. Das sind Themen, die für sie auch in der Politik wichtig waren. Beim Thema Spielerschutz nimmt Österreich mittlerweile eine Vorreiterrolle ein. Dennoch können wir immer besser werden, wenn wir auch die dafür richtigen Personen im Konzern haben. Es ist generell schade, dass der Wechsel ehemaliger Politiker in Wirtschaftsunternehmen zumeist von untergriffiger Kritik begleitet wird. Das ist schon ein typisch österreichisches Phänomen, da sollte Österreich in dieser Hinsicht offener werden.

Was hat Frau Glawischnig-Piesczek in den Bereichen Corporate Responsibility und Responsible Gaming bisher erreicht? Es geht primär darum, jedes einzelne Land von der Wichtigkeit, Daten zur Nachhaltigkeit zu erheben, zu überzeugen. Das ist ein umfangreiches und aufwendiges, oft auch nicht ganz einfaches Unterfangen. Das sind aber die Grundlagen, auf denen dann konzernweite Maßnahmen gesetzt werden können. Im Bereich der CO2-Einsparungen sind wir gut unterwegs. Besonders stolz sind wir auf die G4-Spielerschutzzertifizierung. Das Audit für bereits elf unserer umsatzstärksten Gesellschaften in Österreich, Deutschland und in den Niederlanden ist bereits abgeschlossen und unterstreicht den hohen Stellenwert, den Spielerschutz bei uns hat. In unserem „Nichtfinanziellen Bericht“ können Sie nachlesen, was in diesem Bereich alles passiert.

Sind die Standards im Bereich der Suchtprävention eigentlich in allen Ländern gleich? Nein, dafür wäre ein einheitliches europäisches Glücksspielgesetz notwendig.

Wo ziehen Sie die Grenze zwischen spielerischem Zeitvertreib und krankhaftem Drang? Hier gibt es keine pauschale Antwort. Seit der Einführung der Admiral-Card sind wir aber in der Lage, bereits sehr früh zu erkennen, ab wann es sich um problematisches Spielverhalten handelt. Und wir setzen dann auch Maßnahmen, die klar definiert sind.

Novomatic produziert die Gaming-Technik nicht nur, sondern betreibt selbst rund 2.100 eigene elektronische Automatenkasinos und Spielbanken. Über Vermietungsmodelle haben Sie rund 255.000 Gaming-Terminals und Video- Lottery-Terminals am Markt. Das klingt nach Big Data in Reinkultur. Wie nützen Sie diese Informationen? Die neue DSGVO sieht hier sehr strenge und klare Spielregeln vor, wie personenbezogene Daten verarbeitet werden dürfen. Ohne ausreichende Rechtsgrundlage darf keine Datenverarbeitung stattfinden. Nach dem österreichischen Glücksspielgesetz beispielsweise ist jeder Kunde vorab mit seinem amtlichen Lichtbildausweis zu identifizieren und zu registrieren, damit er bei uns überhaupt spielen darf. Die Verarbeitung von personenbezogenen Daten verfolgt dabei immer einen konkreten Zweck, etwa die Kundenidentifizierung, Geldwäscheprävention oder den Spielerschutz. Neben der Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen können auch die Wahrung berechtigter Interessen oder die Einwilligung des Kunden – zum Beispiel zu Marketingzwecken – eine Datenverarbeitung rechtfertigen. Wir halten uns natürlich auch an die gesetzlichen Aufbewahrungs- und Verjährungsfristen. Nach deren Ablauf werden die Daten gelöscht, sofern keine Rechtsgrundlage für die weitere Aufbewahrung der Daten besteht.

Wie stark spiegeln sich konjunkturelle Schwankungen im Spielverhalten der Menschen? Die konjunkturelle Situation eines Landes spiegelt sich natürlich auch im Freizeitverhalten der Menschen wider. Wenn die Wirtschaft floriert, ist die Freude am Spielen naturgemäß höher.

Werbung

Weiterführende Themen

Normen
23.10.2019

Um eine gemeinsame Basis für Nutzer und System zum digitalen Austausch von Geo-Daten zu schaffen wird gerade an der ÖNorm A 2260 gearbeitet.

Gastronomie
21.10.2019

Instagram spielt sich längst nicht mehr nur über Fotos ab. Seit 2016 die Videofunktion eingeführt wurde, ist der Social-Media-Dienst dreidimensionaler geworden. Vor allem aber lassen sich die ...

Ausgangspunkt der Digitalisierung in der Hotelküche waren die typischen Prozesse und Abläufe im Alltag. Dank Software lässt sich die Arbeit nun effizienter gestalten.
Gastronomie
17.10.2019

Die Digitalisierung revolutioniert die Küchenbrigade und sorgt für vernünftige Arbeitszeiten – Beispiel Parkhotel Stuttgart.

V.l. Günter Goldhahn, Peter Stepanek, Heinz Sares, Alexandra Adler, Michael Bauer-Leeb.
Meldungen
14.10.2019

Vertreterinnen und Vertreter von fridays for future, scientists for future, entrepreneurs for future und CSR-Expertinnen – und Experten diskutierten, wie CSR-Consultants Wirtschaftstreibende bei ...

„Fehlen für bestimmte Aufträge nur wenige Prozent Produktionskapazität, ist es oft sinnvoll, in ein Retrofit, statt in eine zweite Maschine zu investieren, die dann nicht voll ausgelastet werden kann.“ Professor Dr.-Ing. Eberhard Abele, Institutsleiter am PTW der TU Darmstadt
Metall- und Infotechnik
10.10.2019

Interview. Herausforderungen der Digitalisierung an die Modernisierung von Maschinen und Anlagen – Fragen an Professor Eberhard Abele, TU Darmstadt

Werbung