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Drohende Altersarmut: Wie Selbstständige gegensteuern können

10.09.2019

Zahlreiche Studien zeigen, dass die meisten Österreicher den Gedanken an die Finanzierung ihres Ruhestandes vor sich herschieben. Angesichts des demografischen Wandels, staatlicher Defizite und Nullzinspolitik sieht die Entwicklung für die nächsten Jahrzehnte alles andere als rosig aus. Ein Kommentar von Prof. Otto Lucius, Gründer und Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners.

"Die staatliche Pension wird mit großer Sicherheit mehr als 50 Prozent unter dem letzten Einkommen liegen", meint Otto Lucius vom Verband Financial Planners.

Noch mehr als Festangestellte zittern Freiberufler und Selbstständige vor Geldmangel im Alter. Die mangelnde Vorsorge kann viele Gründe haben. So kümmert sich bei Festangestellten der Arbeitgeber darum, dass ein Teil des Einkommens an die gesetzliche oder betriebliche Altersvorsorge abgeführt wird. Selbstständige müssen dies selbst tun, doch oftmals bleibt dafür im Alltag wenig Zeit. Es gibt in der sogennanten Säule zwei des Pensionssystems, der betrieblichen Vorsorge, ja verschiedene Möglichkeiten – wie die direkte Leistungszusage des Unternehmens an den Inhaber, eine Pensionskassenlösung oder eine „Abfertigung neu“ nach dem Gesetz zur Betrieblichen Vorsorge. Wir aber wollen heute den Blick auf die dritte Säule, die private Altersvorsorge, richten.

Eigenen Bedarf realistisch einschätzen

In puncto Altersvorsorge ist es in jedem Schritt des Prozesses wesentlich, sich selbst nicht durch idealisierte Vorstellungen zu blockieren. Bevor man sich für eine Vorsorgelösung entscheidet, ist es essenziell den persönlichen Bedarf realistisch einzuschätzen. Errechnen Sie auf Basis Ihrer Fixkosten, wie viel Ihre persönliche Lebensführung im Alter ungefähr kosten wird. Führen Sie sich vor Augen, dass Ihre staatliche Pension mit großer Sicherheit mehr als 50 Prozent unter Ihrem letzten Einkommen liegen wird. Beziehen Sie auch etwaige Kosten für Pflege und Altersheim mit ein und überlegen Sie, wie viel Kapital Sie wann verschenken oder vererben möchten oder können. Im Entscheidungsprozess für eine Vorsorgelösung ist es ebenfalls wesentlich, darauf zu achten, sich diese auch langfristig leisten zu können – auch in Zeiten von Krankheit und Arbeitslosigkeit.

Vorsorge von der Stange ist nicht die Lösung

Die Frage, wie Freiberufler und Selbstständige ihre Altersvorsorge dann tatsächlich ausgestalten sollten, zum Beispiel sicherheitsorientiert oder eher chancenorientiert am Aktienmarkt, kann nicht pauschal beantwortet werden. Und die Antwort kann bei einem Unternehmer, dessen Vermögen vor allem aus der eigenen Firma besteht, ganz anders ausfallen, als bei einem Freiberufler, der überwiegend Versicherungen und Zinsprodukte in seinem Portfolio hat. Tatsächlich rückt bei solchen Fragestellungen der ganzheitliche Blick auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse, das Anlageziel sowie die Risikoeinstellung des Einzelnen in den Mittelpunkt. Vor allem in der aktuellen Nullzinsphase ist wachstumsorientiertes Sparen schwierig. Es gibt allerdings trotzdem Möglichkeiten – eine davon ist das Vorsorgen mithilfe von Sparplänen. Dabei zahlen Sie regelmäßig eine bestimmte Summe ein. Das kann einmal im Monat, vierteljährlich oder zweimal im Jahr sein. Sehr beliebt sind ETF-Sparpläne, also Investitionen in Indexfonds. Sie bilden einen bestimmten Markt ab, beispielsweise den österreichischen Aktienindex. Die Zusammensetzung folgt streng nach dem gewählten Index, weshalb die meisten Direktbanken keine Gebühren erheben. Eine Alternative sind Investmentfonds. Hier übernimmt die Auswahl der Aktien ein Fondsmanager. Doch der erhebt eine Verwaltungsgebühr und nimmt sich einen Teil der erzielten Rendite als Gewinnbeteiligung. Generell sind die Österreicher im Vergleich zu anderen Ländern in ihrem Anlageverhalten noch sehr risikoscheu – hier gibt es noch viel Luft nach oben. Wer sein Vermögen wachsen sehen möchte, sollte eine gewisse Risikofreudigkeit und einen langfristigen Horizont mitbringen.

Da Vorsorgeplanung aber von den jeweiligen individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen abhängt, ist es in jedem Fall empfehlenswert, sich von einem Experten unter die Arme greifen zu lassen. Um Finanzbildung stärker in der Bevölkerung zu verankern und Menschen zu unterstützen ihre finanziellen Lebensziele zu erreichen, haben wir, der Österreichische Verband Financial Planners, eine Initiative ins Leben gerufen. In der Woche des World Financial Planning Day am 2. Oktober 2019 können sich Interessierte kostenlos in Geld-Fragen beraten lassen. Mehr als 60 zertifizierte Finanzberater aus acht Bundesländern haben sich dazu bereit erklärt, ihr Wissen und ihre Zeit von 30. September bis 4. Oktober 2019 zur Verfügung zu stellen. Konkret kann somit jeder, der seine Finanzen einmal mit einem Profi besprechen möchte oder eine bessere Planung des eigenen Vermögens anstrebt, ein Gespräch zur ersten Orientierung vereinbaren. Wer an einem Termin interessiert ist, kann sich über die Website des Verbands mit dem gewünschten Experten in Verbindung setzen. 

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