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"Neue Geschäftsmodelle und Prototypen müssen noch schneller zur Marktreife gelangen", sagt Nikolaus Kawka von Zühlke.

Digital-First-Unternehmen werden gestärkt aus der Krise hervorgehen

17.04.2020

Innovation ist gerade jetzt wichtiger denn je, meint Nikolaus Kawka. Wie Unternehmen in dieser Phase Projekte erfolgreich auf Schiene bringen, welche Beriebe sich besonders schwer tun und was ihm Mut macht, erklärt der Zühlke-Geschäftsführer im Kurz-Interview.

Zühlke hilft Unternehmen dabei, Businessinnovationen auf Schiene zu bringen. Aufgrund der Coronakrise sind viele Unternehmen unter widrigsten Umständen zur Innovation gezwungen. Kann so ein Prozess jetzt klappen? 

Die jetzige Situation zeigt ganz deutlich, was Digitalisierung eigentlich bedeutet und wo es noch dringenden Nachholbedarf gibt. Für viele Unternehmen war bereits der Wechsel in die Remote-Arbeitswelt mit großen Schwierigkeiten verbunden. Dringend nötige Innovationsprojekte wurden daher vorerst auf Eis gelegt, weil strukturelle Herausforderungen Vorrang hatten. Gleichzeitig ist Innovation gerade jetzt wichtiger denn je. Neue Geschäftsmodelle und Prototypen müssen noch schneller zur Marktreife gelangen, um auch zukünftig erfolgreich zu bestehen. Hier hilft es, auf bereits vorhandenes Know-how zurückzugreifen und Innovation „auszulagern“. Wir sind quasi eine Expeditionsleitung, die unbekanntes Terrain erkundet und dort eine neue stabile Basis für das Bergen von Schätzen errichtet, während man selbst zu Hause noch seine eigenen vier Wände renovieren kann und das eigene Risiko minimiert.

Was braucht es, damit es auch jetzt klappt? 

Alles, was schon generell für ein erfolgreiches Bestehen in der digitalen Transformation nötig gewesen wäre. Strategie und Infrastruktur, Ausbau digitaler Kompetenzen, agile Arbeitsweisen, neue Geschäftsmodelle, um nur einige Faktoren zu nennen. Es ist schließlich ein Prozess, der die gesamte Wertschöpfungskette betrifft. Wir haben für unsere Kunden beispielsweise sofort Remote Workshops konzipiert, um hier einen reibungslosen Übergang vom analogen in den digitalen Beratungsprozess zu schaffen. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst war „Remote Work“ generell kein Neuland, daher gab es hier wenig Hürden. Wir haben neben regelmäßigen virtuellen Get-togethers zusätzlich Angebote wie beispielsweise Coachingworkshops bereitgestellt, um sie in dieser veränderten Situation zu unterstützen. Wichtig ist eine transparente Kommunikation, sowohl intern, als auch extern, um Vertrauen zu schaffen. Besonders auch das Management ist hier gefordert, „Leadership“ neu zu denken und geeignete Strukturen zu schaffen. Wir haben unsere Projektvorgehensweise schnell an die veränderten Umstände anpassen und letzte „analoge Lücken“ schließen können. Unsere Erfahrung dabei geben wir in unseren Projekten, aber auch in kostenlosen Webinaren, Live-Formaten und unseren Zühlke Academy Kursen zusätzlich weiter.

Haben Sie ein gutes Beispiel für Innovationen, die sich jetzt auf Schiene bringen lassen? 

Eine unserer Fokusbranchen ist der Digital Healthcare Bereich. Bei Pharma und Medtech gibt es viel Potential für Innovationen – von Data Analytics in der Produktentwicklung bis zu Advanced Analytics, die Ärztinnen und Ärzte bei ihrer klinischen Entscheidungsfindung unterstützen soll, bis zu Remote-Diagnosen und Patienten-Arzt Interaktion im Allgemeinen, digitale Zwillinge, Testverfahren, Cybersecurity und Produktion und Logistik. Versicherungen haben die Chance ihr Geschäftsmodell mit digitalen Touchpoints aufzuwerten. Teile der Industrie haben schnell reagiert und beispielsweise Produktionslinien umgerüstet, um dringend benötigte Güter vom Beatmungsgerät über Schutzmasken bis zu Desinfektionsmittel rasch und unabhängig selbst herstellen zu können. Mittels Hololens und Mixed Reality Technologie können Fernwartung, Prototyping und mehr umgesetzt werden. Um nach der Krise bestehen zu können, braucht es diese Innovationskraft, die die Roboter-, Montage- und Fertigungs-Industrie aktuell hier zeigt.

Welche Unternehmen tun sich jetzt leichter, welche schwerer? 

Nikolaus Kawka: So genannte Digital-First-Unternehmen werden gestärkt aus der Krise hervorgehen, die großen Techcompanies im Bereich Software, E-Commerce, Online Payment, E-Health, Robotik-, Iot und KI, Analytics und die Netzwerkprovider beispielsweise. Generell gilt: Je länger Unternehmen längst notwendige Digitalisierungsmaßnahmen abwarten, umso schwieriger wird es

Trauen Sie sich eine Prognose zu: Wird die Coronakrise unsere Wirtschaft nur massiv beschädigen, oder wird sie vielmehr auch ein wenig transformiert herauskommen? 

Ein Unterschied zur Finanzkrise 2008/2009 beispielsweise ist, dass kleinere Dienstleistungsbetriebe und Selbstständige unverschuldet von schweren Umsatzeinbußen betroffen sind. Entlassungen und Geschäftsaufgaben folgen, da deren finanzielle Rücklagen in der Regel sehr begrenzt sind. Auch größere Unternehmen, die von Produktionsstopps und Geschäftsschließungen betroffen sind, brauchen arbeitsmarktpolitische Unterstützung, um den Wirtschaftskreislauf zu stärken. In Europa werden wir sicher einige Monate eine Rezession erleben. Unsere Innovationskraft wird sich dadurch – insbesondere gegenüber China – weiter reduzieren. Die Frage ist, wie rasch nach der Krise der Rebound kommen wird.

Was macht Ihnen gerade Mut? 

Wir genießen weiterhin das Vertrauen unserer bestehenden Kunden und konnten durch unsere langjährige Expertise als Innovationsdienstleister trotz der schwierigen Situation einige interessante neue Projekte beginnen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich an die Ist-Situation gut angepasst. Sie bringen, ganz nach unserem interdisziplinären Ansatz, auch aus dem Homeoffice motiviert ihr Know-how und ihre Kreativität in alle Unternehmensbereiche ein und unterstützen unsere Kunden und Partner, aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu bewältigen.

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