Direkt zum Inhalt
Wer bei der Abschlussprüfung den kleinsten Preis bezahlt, ...

Diesmal zum Thema: Aufsicht und Prüfung

13.04.2014

Wenn in staatsnahen oder „systemrelevanten“ Unternehmen enorme Finanzlöcher  auftauchen, stellt sich die Frage: Hätte das nicht früher bemerkt werden müssen? Alfred Brogyányi, Vizepräsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, erklärt, wo es krankt.

... bekommt auch nicht die volle Leistung, kritisiert Alfred Brogyányi.

Wer kontrollieren sollte
Finanzlöcher, wie sie jetzt im Burgtheater aufgetaucht sind, entstehen nicht von heute auf morgen. Es gibt schließlich ein Budget, das keine Überraschungen zulassen sollte. Zudem gibt es in Kapitalgesellschaften und größeren GmbHs einen Aufsichtsrat. Dieser überprüft das Risikomanagement sowie das interne Kontrollsystem und erstattet den Gesellschaftern darüber Bericht. Der externe Wirtschaftsprüfer baut darauf auf und muss dann ebenfalls beurteilen, ob das Kontrollsystem auch aus seiner Wahrnehmung und Prüfpflicht funktioniert. Deswegen ist ein Hervortreten eines solchen Loches äußerst unwahrscheinlich.

Absicht oder Versehen?
Der Abschlussprüfer prüft allerdings nicht jeden einzelnen Geschäftsfall, er prüft vielmehr stichprobenartig. Das interne Kontrollsystem, das offenbar bei den letzten medial hochgekochten Fällen nicht ausreichend überprüft worden ist, sollte also zweimal gecheckt worden sein – durch den Aufsichtsrat und durch den Wirtschaftsprüfer. Zudem müssen Gesellschaften dieser Größenordnung nach dem Vier-Augen-Prinzip agieren. Doch wenn diese vier Augen betrügerisch zusammenspielen, ist es schon möglich, das interne Kontrollsystem zu unterlaufen.


Was passiert, wenn etwas passiert?

Der Abschlussprüfer hat bei Wahrnehmung seiner Prüfaufgabe festzustellen und zu warnen, wenn er einen Verstoß gegen Gesetz und Satzung oder eine Bestandsgefährdung feststellt. Wenn er also ein Finanzloch bemerkt, muss er das in einem Frühwarnbericht dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung kundtun. Öffentlich wird es damit aber nicht. Im Abschlussbericht hat er anzumerken, dass er von seiner Frühwarnpflicht Gebrauch gemacht hat. Die Bestandsgefährdung muss dann beseitigt werden, da es sonst kein Testat gibt. Wenn Sie also ein Loch von 13 Millionen feststellen, müssen Sie sich überlegen, wer das bezahlt.

Eine Frage der Verantwortung
Georg Springer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bundestheater-Holding, hat in einem Interview zugegeben, dass er Mitverantwortung trägt. Er ist allerdings erst nach einiger Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten und hat seine Position als Geschäftsführer der Holding behalten. Das zeichnet doch ein sehr eindeutiges Bild, was man in Österreich unter Verantwortung versteht. In Deutschland müsste man sofort zurücktreten und zwar von allen Funktionen. Ausgehend von dem, was im Burgtheater passiert ist, muss man sich also fragen, was uns vielleicht noch bei Volksoper und Staatsoper erwartet, wo Springer ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender gewesen ist. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende ist immer nur so stark wie sein Aufsichtsrat.

Schlechte Leistung wegen Dumpings
Bei dem Auswahlverfahren des Abschlussprüfers spielen sich leider furchtbare Dinge ab, da hier ein enormer Preiskampf eingesetzt hat. Dieses Dumping führt dazu, dass Prüfungen zu sehr niedrigen Preisen angeboten werden. Natürlich kann aber nur in einem Ausmaß gearbeitet werden, das auch bezahlt wird. Die Leistung muss deshalb immer schlechter werden, auch wenn das abgestritten wird. Weil alle versuchen, durch Bestpreise das Mandat zu erhalten, geht die Qualität der Abschlussprüfung verloren und damit der Mehrwert, den sie bringen könnte. Denn der Prüfer sieht bei entsprechender Zeit sehr viel, worauf er dann hinweisen kann.

Im Aufsichtsrat müsste man deshalb stärker darauf achten, ob die Leistung mit den Kosten zusammenpasst.

 

Interview: Stephan Strzyzowski

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Lehrling Kent William mit seiner Ausbilderin Doris Horner.
Praxis
03.04.2017

Wie findet man Jugendliche, die gerne lesen und deren Herz auch noch für Medienwirtschaft schlägt? Das wird bei Thalia ganz einfach beantwortet: indem man nicht sucht, sondern sich finden lässt. ...

Praxis
03.04.2017

In der KSV1870-Gruppe empfanden Lehrlinge ihr internes Image als „verbesserungswürdig“. Um anders wahrgenommen zu werden, starteten sie ein Projekt, bei dem es drei große Gewinner gab: die ...

#ausbilden-Chefredakteur im Gespräch mit Jo Huber und Richard Winkler
Praxis
03.04.2017

Die Lehrlinge sind jene Mitarbeiter, die noch viele Basics lernen müssen. Und Ausbilder legen die Basis für den späteren Erfolg als Facharbeiter. Wir haben diesmal mit Jo Huber, Ausbilder eines ...

Zur Person: Hermann Mittermair ist Inhaber der Brands and Friends Markenmanagement GmbH in Linz. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, in allen Marken- und Designprojekten dem „Warum“ von Unternehmen auf den Grund zu gehen, auf echte Spitzenleistungen zu verdichten, relevante Versprechen zu machen und darüber interessant zu erzählen. brandsandfriends.at
Meinung
03.04.2017

Das Berufsbildungsmodell Lehre wurde in den letzten Jahren zum globalen Hoffnungsträger. Selbst Barack Obama hat in einer seiner Reden an die Nation deren Wertigkeit betont: „Diese Kids sind ...

So wirkt Motivation – Lehrlinge bei Fronius
Praxis
03.04.2017

Fronius zählt in Oberösterreich zu jenen Betrieben, die kaum Werbung für ihre Lehrstellen machen. Und trotzdem hat man jährlich über 500 Bewerbungen. Sieht man sich dieses Familienunternehmen ...

Werbung