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Die Wahnsinnsidee

22.07.2013

Plötzlich ist er da: der zündende Funke. Doch der Weg von der Idee zur Vermarktung ist alles andere als einfach. Warum sich Forschung und Entwicklung dennoch lohnen, und wo es Förderungen abzuholen gibt.

Vom Tüftler zum Unternehmer: Airstreeem-Gründer Stefan Probst.

Text: Gertraud Eibl

Leicht, schnell und schön sind seine windschnittigen Gefährte. Was 2008 im Dachboden als Tüftlerprojekt begann, hat sich in fünf Jahren zu einer fixen Größe in der österreichischen Rennsport- und Triathlon­szene gemausert. Im Leben von Airstreeem-Gründer Stefan Probst dreht sich alles ums Rad: Mit 17 begann er seine Wettkampfkarriere, zehn Jahre lang fuhr er im Profiteam von KTM. Hauptberuflich arbeitete Probst als Produktmanager für Sport- und Fitnessgeräte – und schnupperte Luft als Entwickler. In ihm reifte die Idee einer eigenen Produkt­serie heran, die er entwickeln würde. Gesagt, getan. Vor fünf Jahren startete der Jungunternehmer mit einem Umsatz von 30.000 Euro, kämpfte sich durch den Förderdschungel und strampelte sich im Etappensieg zum Erfolg: Dem Dachbodenprojekt ist die Firma Airstreeem.com GmbH heute entwachsen. Neben seinen Carbonlauf- und -fahrrädern entwickelte Probst ein Profiergometer, das sich als Nischenprodukt etabliert hat. „Wesentlich für den Start war meine Erfahrung als Produktmanager. Ich war oft in Fernost und hab mir dort Carbonfabriken angeschaut", erzählt der Salzburger Unternehmer.

Auf die Unterstützung von Kreditinstituten konnte er anfangs allerdings nicht zählen, und auch eine Forschungsförderung war nicht drin. Probst ließ sich aber nicht entmutigen; sein Glück sei sein verlässliches Netzwerk im Freundeskreis gewesen, das vom Profisportler bis zum Maschinenbauer reicht. So konnte der Jungunternehmer die Entwicklungskosten auf knapp ein Fünftel reduzieren. Die ersten Prototypen ließ er in Asien fertigen, Prüfstände hat er selbst konstruiert. Finanzielle Unterstützung bekam er dann schließlich vom Land Salzburg im Rahmen einer „Wirtschaftsbezogenen Innovations- und Forschungsförderung" in der Höhe von 25.000 Euro. Die wesentlichen Meilensteine für den weiteren Erfolg waren aber nicht finanzielle Zuwendungen, sondern der ISPO Brandnew Award und der Bike Expo
Award.

 

100.000 KMU in F&E

„Was die Innovationskraft der kleinen und mittelständischen Unternehmen betrifft, liegt Österreich im europäischen Vergleich in der Spitzengruppe", sagt Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Die hohe Dichte forschender KMU habe nicht zuletzt mit der Unternehmensstruktur in Österreich und dem daraus resultierenden Förderangebot zu tun. „Im vergangenen Jahr hatten wir eine Gesamtfördersumme von circa 480 Millionen Euro, davon sind 120 Millionen Euro an KMU gegangen. Derzeit sind rund 3.500 KMU mit insgesamt 100.000 Beschäftigten aktiv in Forschung, Entwicklung und Innovation engagiert. Ein Viertel der „Einstiegs-KMU" forscht konstant weiter." Um noch mehr Betriebe für F&E zu begeistern, sind die Angebote der FFG niederschwellig gestaltet. Anträge für Basis­programme lassen sich laut Pseiner in zehn Minuten ausfüllen. Auf der Suche nach geeigneten Forschungspartnern im universitären und außeruniversitären Sektor hilft die Förderstelle. Außerdem fungiert die FFG als One-Stop-Shop, was bedeutet, dass sie bundesweit alle Förderangebote unter einem Dach bündelt. Damit Unternehmen aus allen Branchen Chancen auf Förderung haben, verfolgt die FFG das klassische Bottom-up-Prinzip: Jeder kann Ideen einreichen. „Dennoch muss der erste Schritt getan werden, und diese Hürde wollen wir gering halten", so Pseiner.

 

„Machen" statt „forschen"

Einer, der einen Zweimannbetrieb dank F&E zu einem 130 Mitarbeiter starken Unternehmen geführt hat, ist Hannes Hämmerle, Geschäftsführer des Dornbirner Unternehmens 1zu1 Prototypen. Er spricht nicht vom „Forschen", sondern vom „Machen", wie es auf Vorarlbergerisch so schön heißt. „Wir setzen zwei bis vier Prozent unserer Mitarbeiter auf ein Thema an. Bis zu drei Stunden ihres Arbeitstages probieren sie etwas Neues aus", sagt Hämmerle. 1zu1 Prototypen gehört europaweit zu den führenden Anbietern von Rapid Prototyping. Für Kunden wie Daimler, Hilti, MTU Aero Engines, Playmobil oder Roche Diagnostics erstellt das Unternehmen Modelle und Kleinserien in Kunststoff und Metall. Es werden die gängigsten Rapid-Prototyping-Verfahren eingesetzt, insbesondere 3-D-Druck und verschiedene Kunststoff- und Metallgussverfahren.
Hämmerle und sein Geschäftspartner Hummel starteten „mit einer Wahnsinnsidee"; von Marketing hatten sie anfangs wenig Ahnung. Tatsächlich haben die beiden das Branchenbuch zur Hand genommen und sind mit einem Koffer voller bunter Kunststoffteile durch Österreich getourt, um Designer und Entwickler ins Boot zu holen. Im Laufe der 17-jährigen Unternehmerlaufbahn haben Hummel und Hämmerle sechs Forschungsprojekte eingereicht und durchgeführt, darunter ein Hauptprojekt, das selbst Hämmerle das Wort „Forschen" entlockt: Drei Jahre und 5.000 Stunden später wirft eine Silikonform standardmäßig nicht mehr bloß 20 Teile aus, sondern 1.000 Stück. Ohne Forschungsförderung wäre die Prozessoptimierung undenkbar gewesen.

 

Internationalisierung durch F&E

Selbiges gilt auch für das Unternehmen IPTE, das sich auf die Entwicklung von kooperativen Systemen zur Vermeidung von Wildunfällen im Straßenverkehr spezialisiert hat und Autofahrer vor Wildschäden durch Hirsch, Elch und Ren bewahrt. Sensoren, die auf Begrenzungspflöcken am Straßenrand angebracht werden und auf das Scheinwerferlicht von Fahrzeugen reagieren, lösen einen Piepton aus. LED-Blitze in Blau und Grün halten unterschiedliche Wildarten vom Straßenverkehr fern. Die Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent. Die heimische Wertschöpfung des Unternehmens beträgt rund 70 Prozent, der Exportanteil liegt bei 80 Prozent. Dass IPTE an der Spitze mithalten kann, liegt an der Unternehmensphilosophie, die voll auf F&E und Internationalisierung setzt. F&E-interessierten Firmen rät IPTE-Gründer Andreas Schalk, sich nicht rein aus finanziellen Gründen um ein Förderprogramm zu bewerben. Vielmehr müsse man Förderprogramme als Chance auf Vernetzung sehen. Dass Firmengründer anfangs oft bluten, weiß Schalk aus eigener Erfahrung, obwohl er zuvor lange als Forschungsleiter gearbeitet und das nötige Know-how in die Firma eingebracht hat. Seiner Erfahrung zufolge sprechen Techniker und Banker unterschiedliche Sprachen, und wenn das Projekt – das ja Teil des Lebens eines Entwicklers ist – infrage gestellt wird, darf man sich nicht entmutigen lassen. Jungunternehmern rät er, die Firma so spät als möglich anzumelden. Der Firma IPTE sind nämlich durch eine zu rasche Firmengründung Neugründungszuschüsse durch die Lappen gegangen. „Hat man aber den ersten Schritt getan", so Schalk, „dann lohnt es sich, voll durchzustarten."

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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