Die Musik des Geldes | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Die Musik des Geldes

12.10.2015

Das liebe Geld wurde schon hundert- und tausendfach besungen. Einige Songtexte brachten auch uns zum Nachdenken. Eine musikalische Reise darüber, wie Geld die Wirtschaft beeinflusst.

Text: Alexandra Rotter

Geld, Geld, Geld, Geld, Geld, Geld ist lustig, Geld macht fröhlich, Geld ist sehr, sehr nützlich", trällert die deutsche Popgruppe Die Prinzen engelsgleich auf ihrem 1995 erschienenen Album „Schweine" im Lied „Geld ist schön". Natürlich muss man ihnen recht geben. Geld ist eine ganz wunderbare Sache, vor allem, wenn man möglichst viel davon hat. Doch Geld macht nicht immer fröhlich, oft genug bereitet es Sorgen, macht gereizt, genervt oder lässt einen sogar verzweifeln. Und die Schattenseiten des schnöden Mammons, der die allermeisten von uns ordentlich im Griff hat, scheinen in der Musikgeschichte weit öfter besungen worden zu sein als seine „Schönheit".

So schallt etwa das Wehklagen aus Schweden herüber, wenn ABBA in dem vielleicht bekanntesten Song über Geld beklagen, dass man den ganzen Tag und die ganze Nacht arbeitet, um seine Rechnungen zu bezahlen, nur um am Ende trotzdem „keinen einzigen Penny" für sich selbst übrig zu haben. Und genau diese Zweischneidigkeit – auf der einen Seite das strahlende, vielversprechende Gesicht von Geld und auf der anderen Seite seine fiese Fratze – drückt sich in der Refrainzeile des 1976 veröffentlichten Hits aus: „Money, money, money must be funny in the rich man’s world". Auf heute übertragen könnte man auch sagen: Die einen lassen sich für teures Geld die Falten wegspritzen, den anderen fräst es noch tiefere Furchen ins Gesicht.

 

Schon 1972 sang Liza Minelli in der Verfilmung des Musicals „Cabaret", dass Geld die Welt rotieren lässt. Wahrscheinlich war das sogar schon immer so, seit es Geld gibt oder seit Muscheln, Gold und Ähnliches gegen andere Gegenstände eingetauscht wurden. In jüngster Zeit erleben wir aber, wie Geld die Welt in ungeahnten Dimensionen in Rotation versetzt. Vor der Jahrtausendwende hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass eine platzende Immobilienblase in den USA die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken bringen kann. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ab der Lehman-Pleite 2008 hat uns auf die harte Tour gezeigt, wie sehr heute unter dem Stichwort Globalisierung Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt voneinander abhängen, obwohl sie eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. So schlitterten nicht nur viele Banken in die Pleite oder wurden gerettet, sondern auch die Realwirtschaft musste große Verluste einstecken. Noch heute spüren selbst KMU die Auswirkungen, etwa weil infolge der Krise mit Basel III die Richtlinien für die Vergabe von Bankkrediten verschärft wurden, sodass Unternehmen mehr Sicherheiten bieten und ein höheres Risiko eingehen müssen, um sich Geld auszuborgen. Dabei sind Kredite so günstig zu haben wie nie, weil die Zinsen sich jetzt schon seit geraumer Zeit auf einem Tiefpunkt befinden.

 

In „Money for nothing", dem Ohrwurm, mit dem die Dire Straits sich 1985 drei Wochen auf Platz eins der US-Billboard-Charts halten konnten, beschwert sich ein einfacher Arbeiter darüber, dass die Musiker in einem MTV-Video „Geld für nichts" und darüber hinaus auch noch „chicks for free", also Mädchen gratis, bekommen, während er und sein Kollege Mikrowellengeräte installieren und Kühlschränke schleppen, um sich ihr Geld sauer zu verdienen. Hätte er doch lieber Gitarre und Schlagzeug spielen gelernt, ätzt der Lieferant angesichts dessen, was er auf dem Bildschirm sieht. Längst sind es nicht mehr nur die Rock- und Popstars, die scheinbar fürs Nichtstun jede Menge Kohle kassieren. Das Gefühl, sich selbst abstrampeln zu müssen, während andere sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und dennoch Profite einstreifen, kennen viele Menschen. Und es ist nicht immer unbegründet. Warum verdienen Nationalratsabgeordnete, die den Job oft nur neben ihrem Hauptberuf ausüben, tausende Euros im Monat? Wie ist es möglich, dass die Spitzenmanager, die auch nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung haben, ein Hundertfaches dessen einstecken, was einem guten Mitarbeiter zugestanden wird? Warum ist der durchschnittliche Stundenlohn von Männern immer noch höher als jener von Frauen?

Ganz zu schweigen von sogenannten Investoren, die sich mit Finanzspekulationen etwa auf Nahrungsmittelpreise auf dem Rü-cken der Ärmsten bereichern. Natürlich suchen alle Unternehmen Wege, die Kosten möglichst gering zu halten. Doch wenn sie das Geld zu ungleich verteilen, müssen sie mit Konsequenzen rechnen. Manchmal kommen die Auswirkungen schleichend, weil Mitarbeiter angesichts der Ungerechtigkeiten krank werden oder innerlich kündigen. Und dann wieder führt es zu einem handfesten Aufstand, wie jüngst bei der Lufthansa, wo regelmäßig gestreikt wird, was dem Konzern auch finanziell schadet. Ein Grund für die Streiks sind die Unterschiede bei der Bezahlung: So steckt ein Berufseinsteiger als Copilot bei der Lufthansa 65.000 Euro Grundgehalt pro Jahr und nach zehn Jahren 105.000 ein. Dagegen verdienen Copiloten in der Lufthansa-Tochter Eurowings beim Einstieg 44.000 Euro und nach zehn Jahren 58.000 Euro.

 

Pink Floyds 1973 veröffentlichter Song „Money" thematisiert ebenfalls Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten: Auf der einen Seite die arbeitenden Massen, die Obdachlosen, auf der anderen Seite jene, die sich ein „neues Auto, Kaviar", einen „Lear-Jet" und „ein Football-Team" leisten können. Im Musikvideo wechseln sich Bilder von Luxusschlitten, Juwelen und Damen im Pelz mit jenen von Arbeitern, Kindern und Obdachlosen ab. Schon vor mehr als 40 Jahren schrie der Song das in die Welt hinaus, worüber sich heute immer mehr Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Unternehmer den Kopf zerbrechen, nämlich die auseinander-gehende Schere zwischen wenigen sehr reichen Menschen und vielen, die arm sind oder an der Armutsgrenze schrammen. „Money, it’s a crime" heißt es im Lied: „Teile es fair auf, aber nimm nichts von meinem Kuchenstück weg." Und genau das ist das Dilemma, das wir vielleicht nie ganz lösen werden können. „Den Versuch einer gleichen oder auch nur annähernd gleichen Verteilung von Geld", sagt etwa Franz Schellhorn, Direktor des Thinktanks Agenda Austria, „hatten wir schon, aber zum Kommunismus will hoffentlich niemand zurück." Aber vielleicht kann künftig zumindest Macht besser verteilt werden, denn derzeit ist der Besitz von Geld beinahe mit Macht gleichzusetzen – oder wie Frank Stronach es ausdrückt: „Wer das Gold hat, macht die Regeln." Franz Schellhorn konzentriert sich lieber auf das Sprichwort „Wissen ist Macht": Es könne nicht „um noch mehr Umverteilung gehen, sondern um mehr Chancengleichheit, vor allem im Bereich Bildung. Daher plädiert die Agenda Austria für Investitionen und mehr Qualität in Kindergärten und Vorschulen, damit alle Kinder gleiche Startbedingungen haben."

Für Christian Felber, Gründungsmitglied von Attac Österreich, ist „Geld ist Macht" kein Naturgesetz und somit etwas, was sich ändern lässt: „Geld ist zu 100 Prozent menschengemacht und alles Drumherum ebenso. Wir können es beliebig gestalten, sodass es der Konzentration und dem Missbrauch von Macht dient – oder dem Leben und dem Gemeinwohl." Felber hat ein Buch über Geld geschrieben, in dem er einige neue Spielregeln für ein alternatives Geld- und Finanzsystem vorschlägt. Geld könne als „strukturelles Herrschaftswerkzeug und somit als tödliche Waffe designt sein" oder als „Werkzeug des Friedens und der Fülle".

 

Man möchte es dem britischen Sänger Sam Smith, der die Titelmelodie für den neuen James-Bond-Film singt, kaum glauben, wenn er in seinem 2013 erschienenen Song „Money on my mind" feststellt: „Ich habe Druck gespürt, als ich meinen Vertrag unterschrieben habe. Ich will nicht die Zahlen, ich will den Himmel sehen." Er habe „kein Geld im Kopf" und tue es „für die Liebe". Aber ganz abwegig ist es auch wieder nicht, dass Plattenverträge Musiker in eine Sinnkrise stürzen, weil es den Produktionsfirmen vor allem darum geht, wie gut sich Songs verkaufen. Auch in anderen Unternehmen steigt der Druck: Die Zahlen müssen stimmen, die Profite steigen, die Finanzvorstände und Aktionäre glücklich sein. Dann klappt’s vielleicht auch mit einem Bonus. Die Seele eines Unternehmens und die Begeisterung der Mitarbeiter für ihre Arbeit und ihre Zufriedenheit leiden nur zu oft, und die Qualität von Dienstleistungen und Produkten verkommen dann zur Nebensache.

Auf makroökonomischer Ebene wird darüber diskutiert, ob es noch sinnvoll ist, die Wirtschaftsleistung von Ländern in Zahlen zu messen. Denn das BIP pro Kopf, so die Kritiker, treffe keine Aussage über die Zufriedenheit in einem Land, und darum gehe es ja letzten Endes. Laut Christian Felber sollte wirtschaftlicher Erfolg „nicht mehr primär monetär gemessen werden", das würde „den Zauber des Geldes" brechen. Für Franz Schellhorn dagegen ist das BIP pro Kopf immer noch ein „guter Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft", weil es „sowohl die Konsum- als auch die Produktionsmöglichkeiten" widerspiegle. Zudem sei es eine einzige Zahl und damit international gut vergleichbar. Das BIP pro Kopf sei ein Indikator und könne daher nicht mehrere Wirtschaftsaspekte darstellen. Und: „Oft hängt das BIP auch mit anderen Messgrößen zusammen, die als Alternativen vorgeschlagen werden: Gute Schulen oder die öffentliche Sicherheit sind in Ländern mit einem höheren BIP verbreiteter." Wohlstand und Geld seien daher „untrennbar miteinander verbunden", so Schellhorn.

 

Ähnlich geldkritisch wie Sam Smith klingen seine britische Kollegin Jessie J und der amerikanische Rapper B.o.B. Doch während Smith beim Unterzeichnen des Vertrags lediglich Bauchweh hat, verzichten sie in ihrem Song „Price Tag" von 2011 gleich ganz auf die Kohle und singen „Vergiss das Preisschild": „Wir brauchen dein Geld nicht, wir wollen nur die Welt zum Tanzen bringen." Warum jeder so besessen davon sei, fragt Jessie J, um klarzustellen: Mit Geld kann man kein Glück kaufen. Deshalb: „Can we all slow down and enjoy right now. Guarantee, we’ll be feelin’ all right." Das drückt sicher ein Grundbedürfnis vieler aus, die das Gefühl haben, dass sie immer mehr Geld gar nicht zufriedener macht. Daher formen sich seit einigen Jahren Gegenbewegungen wie Urban Gardening, Slow Food oder die Share-Economy. Laut Verfechtern des Postwachstums müssen entwickelte Volkswirtschaften nicht mehr wachsen, es reicht, den Wohlstand zu halten und besser zu verteilen. Einer der Kritiker des Ist-Standes ist Christian Felber, der den Begriff „Gemeinwohl-Ökonomie" geprägt hat. Auch Geld sollte dem Gemeinwohl dienen und sogar als „öffentliches Gut", als „uns allen dienende Infrastruktur" begriffen werden. In seinem Buch „Geld – Die neuen Spielregeln" schlägt er vor, dass der Souverän, also das Volk, eine Bewegung in Gang bringen sollte, an deren Ende ein alternatives Geld- und Finanzsystem stehen sollte. Kleine Veränderungen wie etwa das Ende von Bankgeheimnis und Hochfrequenzhandel, hält er schon bald für wahrscheinlich. Felber initiierte sogar die Gründung der Bank für Gemeinwohl, die „ausschließlich sinnvolle Projekte" finanzieren werde, die „eine ethische Bonitätsprüfung bestanden haben". Finanzgewinne würden nicht ausgeschüttet werden und die Sparkunden würden zum Verzicht auf den Sparzins eingeladen, was über Bildungsangebote und eine Geld-Akademie systemisch gut begründet würde.

 

Apropos Geld-Akademie: Einer der Gründe, warum manche so viel und andere so wenig Geld haben, liegt darin, dass sich nur wenige mit der Materie befassen wollen. Wie ein Computer, der einfach funktionieren soll, aber dessen Funktionsmechanismen man nicht verstehen müssen will, soll das Geld einfach da sein, ohne dass wir uns genauer damit befassen müssen. Wer weiß schon, wie sich der Zinseszins errechnet, wie Bar- und vor allem Buchgeld in die Welt kommt oder wie Börsen funktionieren? Es wäre ein guter Anfang, die Scheu vor dem „Scheiß-Geld" abzulegen und sich mit dem Geldsystem auseinanderzusetzen. Denn Wissen – nicht zuletzt über Geld – ist eben Macht.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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