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Die Lehren aus #quarantinehair

30.04.2020

Die Spitzen spröde, die Haare zu lang, die Strähnchen ausgebleicht  – so sah für viele der Haar-Alltag in den letzten Wochen aus. Geschlossene Salons dürften bei vielen Österreichern für mehr Angstgefühle gesorgt haben, als das Coronavirus selbst, meint Karin Ekengren, Geschäftsführerin von Kasa Beauty Trade und KM Hair Academy. Sie beschwört die Auferstehung des Coiffeur-Handwerks und zieht in einem Kommentar Lehren aus DIY und Preisdumping.

Hofft auf bewussteren Konsum und mehr Wertschätzung für die Friseur-Branche: Karin Ekengren, Geschäftsführerin bei Kasa Beauty Trade und KM Hair Academy

Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten Wochen haben sich so viele Menschen wie selten mit dem Thema „Haare“ befasst. Google-Suchanfragen wie „Haare schneiden Anleitung“ explodierten förmlich und im Onlinehandel führen Haarschneidemaschinen Bestseller-Listen an. Die ungepflegte, unfrisierte Haarpracht ist unter dem Hashtag #quarantinehair längst zum Kult geworden. Nicht zuletzt zeigten sich erste Friseure in der Not erfinderisch und boten ihrer Kundschaft kurzerhand Videositzungen an, wo etwa eruiert wurde, wie man die Haare in Zeiten von Social Distancing richtig pflegt.

Die Renaissance des Coiffeurs

Mit 2. Mai dürfen Salons wieder öffnen – die Einhaltung strenger Regeln vorausgesetzt. Da sich viele der Kunden in Do-it-Yourself-Haarschnitten geübt haben und durch kostengünstige Colorationen ihre Haarstruktur zerstörten, sind Friseure nun als Retter in der Not gefragt. Der Friseurberuf wird in Zeiten wie diesen von vielen Kunden nahezu als systemrelevant angesehen und erfährt neue Wertschätzung. Vor der Krise war der Friseurbesuch für viele eine bloße Notwendigkeit, um die Mähne unter Kontrolle zu behalten. Nun wird der Haarkünstler fast schon als neuer „Beauty-Doc“ gesehen, nach dessen Besuch man sich wie neugeboren fühlt. Die letzten Jahrzehnte waren in der österreichischen Friseurbranche durch einen Boom der Budget-Salons geprägt: Schneller Schnitt, kleines Geld und wieder bei der Tür raus. Das Geschäftsmodell zielt nicht auf Qualität ab, sondern auf Quantität – von Nachhaltigkeit kann keine Rede sein.

Öko kann High Heels tragen

Zukunftsforscher rund um die Welt prognostizieren durch den Shutdown nun einen Vormarsch der Nachhaltigkeit quer durch alle Wirtschaftszweige. Für die Friseurbranche wäre dies mehr als begrüßenswert – in vielerlei Hinsicht. Gewisse Budget-Salons zwingen sich durch Preisdumping quasi selbst dazu, kostengünstige Produkte am Kunden zu verwenden. Hochwertig und umweltbewusst hat natürlich seinen Preis. Bereits vor Corona haben wir beobachtet, dass Kunden in diesem Zusammenhang zunehmend weniger preissensibel reagieren und durchaus auch höherpreisige Artikel erwerben. Die Produkte müssen klar tierversuchsfrei sein und ohne Sulfate, Erdöle, Parabene sowie Reduktion des Plastikmülls auf ein Minimum. Aber trotzdem cool. Ich sage immer, Öko auf High Heels. Die Glasflaschen der Marke OWAY sind etwa zu 99 Prozent plastikfrei. KEVIN.MURPHY setzt bei Verpackungen gänzlich auf recycelte Meereskunststoffe – und entnimmt dafür pro Jahr rund 300 Tonnen Plastik aus dem Ozean.

Die Lehren aus DIY und Preisdumping

Sollte die Pandemie nun indirekt zu bewussterem Konsum führen, wirkt sich das nicht nur auf die Bereitschaft aus, für bessere Produkte mehr zu bezahlen, sondern auch auf die Friseurleistung an sich. Durch „Do-it-Yourself“-Debakel haben viele bemerkt, dass hinter dem Beruf des Figaros mehr steckt als nur „Schnipp-Schnapp-Haare-ab“. Die Haare sind die Umrahmung des Gesichts und haben wesentlichen Einfluss auf das gesamte Erscheinungsbild. Trägt man eine typgerechte Frisur – in Hinblick auf Schnitt, Farbe und Styling – wirkt das Wunder. Um hier individuelle qualifizierte Beratung zu bieten, gehört allerdings einiges an Knowhow dazu, das erst einmal erlernt werden muss. Zusätzlich möchte der Kunde natürlich auch wissen, was gerade „en vogue“ ist. Hierfür sind Weiterbildungen unabdinglich, die sich aber auch aufs Geldbörserl niederschlagen und schlussendlich auf den Preis für die Frisur. Der Coiffeur wandelt sich einmal mehr vom bloßen Dienstleister hin zum geschätzten Berater – Ansätze dafür sind bereits sichtbar. Wenn die neue Wertschätzung für den Berufsstand also dazu führt, dass der Preis vom Kunden aus zwei Perspektiven betrachtet wird, kann das die Branche nur nachhaltig positiv beeinflussen.

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