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Georg Kapsch schwört auf konsensuale Führung.

DIE KRISE ALS CHANCE

14.04.2019

Unzählige Unternehmen beweisen, dass in Krisen eine Chance stecken kann, so richtig durchzustarten. Das ist die Geschichte vom Turnaround von Kapsch.

DIE KRISE:

Die Firma Kapsch ist ein Unternehmen mit Geschichte. Vor 127 Jahren gegründet, durchgehend in Familienbesitz und entsprechend wandelbar. Was 1892 als feinmechanische Werkstätte für Morse- und Telegrafenapparate in Wien begann, ist heute ein global agierender Technologiekonzern mit mehreren Tausend Angestellten und führender Anbieter von Mobilitäts- und Kommunikationslösungen. Dass die einzige Konstante im Unternehmen die Veränderung ist, kann auf der Seite des Weltmarktführers nachgelesen werden. So häufig der Spruch auch strapaziert wird – bei Kapsch ist er gelebte Haltung und mehr als nur eine leere Worthülse. Denn das Unternehmen hatte auf dem Weg zur globalen Spitzenposition auch echte Krisen zu bewältigen. Tatsächlich um nicht weniger als das Überleben des Betriebs ging es im Jahr 2001. Es war Georg Kapsch, der heutige CEO, der das Ruder herumreißen musste – und zwar rasch. „Als wir das Unternehmen übernommen haben, war es praktisch insolvenzreif“, erinnert sich der Manager. Doch wie war es überhaupt so weit gekommen? Erst im Jahr davor hatten Georg, Kari und Elisabeth Kapsch die Anteile der zweiten Eigentümer- Familie Wilhelm Kapsch übernommen. Ein dringend nötiger Schritt. Waren sich die beiden Familien in wesentlichen Fragen uneins gewesen, weswegen wichtige Entscheidungen nicht getroffen werden konnten. Während ein Teil Ausschüttungen wollte, wünschte sich der andere Investitionen in neue Geschäftsfelder. Streit und Führungsstillstand hatte das Unternehmen gefährlich gelähmt.

Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da sich in der Telekom-Branche der Wettbewerb massiv zu verschärften begann. Es war der Beginn der Dot.com-Blase. Und genau diese traf mit voller Wucht auf ein Unternehmen, das aufgrund der vorherigen Blockade im Vorstand noch nicht zeitgemäß aufgestellt war. Erschwerend kam hinzu, dass die Post – bislang ein wesentlicher Partner – geradezu paralysiert von der Entwicklung am Markt war, wie sich Alf Netek, Kommunikationschef von Kapsch, erinnert. Die Folge waren horrende Verluste und der Verkauf des Werkes in Fürstenfeld sowie die Reduktion der Fertigung im Stammwerk.

DER WENDEPUNKT:

Es stand also Spitz auf Knopf. Doch die Übernahme hatte zu klaren Verhältnissen geführt. Und aufgrund des festen Bestrebens des Managements zusammenzustehen, konnte ein Turnaround eingeleitet werden. In seinem Zentrum stand eine neue Struktur für den Konzern. Kapsch wurde in drei Gesellschaften aufgeteilt, die marktnäher, effizienter und vor allem rascher agieren sollten. Es waren Kapsch CarrierCom mit Telekommunikationssystemen, Kapsch TrafficCom mit Verkehrstechnik und intelligenten Transportsystemen sowie Kapsch BusinessCom als Servicepartner für Informations- und Kommunikationstechnologie. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig herausstellen sollte. Als das Unternehmen 2002 bei der Vergabe des Mautsystems in Österreich zum Zug kam, war das Unternehmen aus dem Gröbsten heraus. Struktur und Strategie waren aufgegangen.

DAS LEARNING:

Genauso wichtig wie die organisatorischen Weichenstellungen war eine tiefgreifende Veränderung in der Unternehmenskultur. Zwist und Hader wichen einem Wertesystem und einer konsensualen Führungsstruktur. Probleme wollte man nur mehr gemeinsam lösen. Alf Netek fasst die wesentlichen Veränderungen so zusammen: „Werte, Strategie, Ausrichtung“. Sie waren die wesentlichen Hebel, um die Krise zu überwinden. Gepaart mit Konsequenz und raschen Handlungen. Anstatt lange innezuhalten, wurde es Usus, bei Rückschlägen schnell wieder aufzustehen. Wesentlich für die Überwindung der Krise war es, diesen Spirit auch bei den Mitarbeitern zu verankern. Keine leichte Übung, hatte es doch einen nicht unerheblichen Personalabbau gegeben. Doch dem Führungsteam gelang es, glaubhaft zu vermitteln, dass die Einschnitte notwendig waren und dass der Betrieb eine echte Zukunft hat. Ein Versprechen, dass mit der Entwicklung zum Technologieführer voll eingelöst wurde. Heute ist Kapsch etwa mit Hochsicherheitsübertragungslösungen für Zugkontrollsysteme sowie bei Maut- und Verkehrssteuerungssystemen im absoluten Spitzenfeld platziert. Dafür wurde mit eigenen Entwicklungen auf Kernkompetenzen von Kapsch aufgesetzt, aber auch Akquisitionen sorgten für Expertise. Stets nach dem Motto: Das Gute durch das Bessere ersetzen. Ein Ansatz, der wohl manche zukünftige Krise verhindern wird.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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