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Die grünste Seife der Welt

17.03.2019

Der Vorarlberger Familienbetrieb Uni Sapon setzt mit Erfolg auf eine ökologische und puristische Produktpalette. Und gehört damit zu den sehr wenigen Herstellern, die beim Thema Ökologie wirklich tun, was sie versprechen.

Mischen und Abfüllen per Hand: Uni Sapon ist bis heute eine echte Manufaktur.
Marion Reichart, Uni Sapon

Text: Peter Martens

Beim Gespräch für diesen Artikel sitzt Marion Reichart gerade in einem Hotel in Hamburg. Davor war sie in Husum und Kiel an der Nordseeküste. Eine kleine, persönliche Promotiontour der Firmenchefin bei ihren Kunden im hohen Norden Deutschlands. Danach fährt sie weiter nach Bremen, Potsdam und Berlin. „Wir sind heute bei über 70 Händlern im Sortiment. Und wir bekommen zwei, drei neue Anfragen pro Woche“, sagt die zierliche Frau mit der scharf geschnittenen Ponyfrisur und lächelt. Es läuft gut für Marion Reicharts kleinen Vorarlberger Familienbetrieb Uni Sapon. Die Firma stellt im Industriegebiet in Feldkirch Reinigungsmittel für den Haushalt her und beliefert damit Einzelhändler und Hotels von der Nordsee bis Zürich, Bern und Wien. Mit zehn Mitarbeitern, acht davon Frauen und einige in Teilzeit, erwirtschaftet die Firma einen niedrigen siebenstelligen Umsatz im Jahr, und der wächst jedes Jahr stabil weiter. Beim Blick in die Geschäftsstrategie fällt eine klare Dreiteilung auf: Es ist die radikale Ausrichtung auf ökologische Materialien in der Herstellung. Gleichzeitig eine radikal puristische Produktpalette. Und vor allem ein radikales Null-Müll-Konzept, das komplett ohne Wegwerfverpackungen auskommt.

EINE FLASCHE UND EIN LASTWAGEN STATT 125

Genau das macht Uni Sapon einzigartig, auch unter den zahlreichen großen Herstellern, die sich in den letzten Jahren das Label „Öko“ groß auf die Fahnen schreiben. Die Produktpalette besteht im Kern aus einem Baukastensystem aus genau vier Konzentraten, die man vor Ort je nach Bedarf zusammenmischt und dann mit Wasser verdünnt – und so die unterschiedlichsten Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel bekommt. Marion Reichart nennt ein Beispiel: „Wasser ist für jeden verfügbar. Beim Allzweckreiniger ergeben 500 Milliliter Konzentrat bis zu 125 Flaschen gebrauchsfertiges Reinigungsmittel. Wir verkaufen also das Gegenteil von teurem Wasser mit ein wenig Wirkstoff in dicken Plastikflaschen, die alle paar Wochen auf dem Müll landen. Man kann sich ausrechnen, was das für ein Hotel bedeutet. Für Haushalte natürlich auch. Es bedeutet auch, dass statt 125 Lastwagen nur einer fährt.“

EIN BAUKASTEN FÜR JEDEN BEDARF

Als Marion Reicharts Vater Franz Reichart Ende der 1970er-Jahre seine erste Geschäftsidee hat, ist das alles bestenfalls für eine Handvoll Umweltschützer in selbst gestrickten Pullovern ein Thema. Franz Reichart arbeitet zu der Zeit in Vorarlberg im Vertrieb eines großen Reinigungsmittelherstellers. Gerade in dieser Region stößt er auf große Skepsis: Jahrhundertelang waren es Frauen in Vorarlberg gewohnt, sich ihre Schmierseife selbst einzukochen. Franz Reichart fängt an, die Produktionsweise und Vielfalt seiner Produkte zu hinterfragen, erkundigt sich bei den Frauen im Bregenzer Wald, wie die Herstellung früher war, hantiert mit Reagenzgläsern. „Seine Idee war, eine universelle Seife für den gesamten Haushalt zu produzieren, daher auch der Name Uni Sapon. Während die Industrie auf eine ständig neue, riesige Produktpalette setzt, hat er auf Altbewährtes gesetzt – denn Schmierseife wird schon seit Jahrtausenden gekocht“, sagt Marion Reichart.

1984 gründet Franz Reichart in Bludenz die Firma, ein Jahr später steht das Konzept mit dem Baukastensystem. Unter den ersten Kunden sind Adeg-Märkte, Hotels und sogar Tunnelreiniger. Von Anfang an setzt Uni Sapon ausschließlich auf wiederbefüllbare Gebinde. 1989 lädt der ORF den Unternehmer in die Sendung „Argumente“ ein, wo Franz Reichart eindringlich warnt: „Irgendwann werden wir im Plastikmüll ersticken.“ Trotzdem bleiben die meisten skeptisch: Öko sei ja nett, aber in der Reinigung funktioniere das nicht – und Verbraucher sind viel zu bequem, um auf Wegwerfpackungen zu verzichten. In den folgenden Jahren verlegt sich Uni Sapon zunehmend auf die Auftragsfertigung für größere Hersteller. Die Eigenmarke tritt in den Hintergrund.

STÄRKEN DER FIRMA IN DEN VORDERGRUND

Als Marion Reichart die Firma 2009 nach dem Tod ihres Vaters übernimmt, ist sie gerade 30, und entscheidet sich wieder ganz auf die Produktion für die Eigenmarke zu setzen – und sich einen größeren Kundenstamm zu suchen. „Damals war Uni Sapon nicht viel mehr als nur der Name mit einer Handvoll Kunden in direkter Belieferung“, sagt sie. Als Erstes rückt sie die genuinen Stärken der Firma in den Vordergrund: Die ausschließlich auf natürliche, biologisch abbaubare Materialien setzende Produktion bekommt strenge Biozertifizierungen. Der Marke wird ein komplettes Redesign und neue, aber weiterhin wiederbefüllbare Verpackungen und ein neues Logo verpasst, dessen einfaches Blatt mit einem Wassertropfen Frische und Umweltfreundlichkeit signalisiert. „Wir haben dafür den renommiertesten DeFotos: beigestellt signer Vorarlbergs geholt, ein ziemliches Risiko damals, weil die Firma ja kaum Umsatz gemacht hat“, erzählt Reichart.

Die junge Unternehmerin definiert drei Säulen der Firmenphilosophie: Nicht jeder Fleck braucht ein eigenes Putzmittel; Konzentrate zum Selbermischen sind viel effizienter und umweltfreundlicher; ein striktes Null-Müll-Konzept. Gleichzeitig werden eine neue Homepage und ein eigener YouTube-Kanal mit kurzen Erklärfilmen gestartet, die sich Kunden heute direkt am Regal über QR-Codes abrufen können. „Das war notwendig, weil in der Zeit meines Vaters alles mündlich funktioniert hat, aber das Baukastensystem für neue Kunden nicht immer selbsterklärend ist“, so Reichart. Zusammen mit ihrem Mann Peter Metzler, der heute Gesellschafter ist und mit ihr die Firma führt, bringt sie die Produktpalette in ihre heutige Form. Im Wesentlichen ist das ein Allzweckreiniger, ein Kalklöser, eine Schmierseife und eine Scheuerpaste – die kombiniert sämtliche Bereiche eines Haushalts inklusive Gartenmöbel und Autofelgen abdecken.

Das Gegenteil von teurem Wasser mit ein wenig Wirkstoff in Plastikflaschen Marion Reichart, Uni Sapon

EIN WICHTIGER ANRUF AUS WIEN

In den folgenden Jahren geht die Rechnung langsam auf. 2010 nimmt die Vorarlberger Handelskette Sutterlüty die Produkte auf. Weitere Biosupermärkte und Hotels folgen. Der eigentliche Durchbruch passiert aber 2014, als Marion Reichart einen Anruf aus Wien bekommt. Dort stellt eine andere junge Unternehmerin gerade ihre Lieferanten zusammen: Andrea Lunzer, die mit ihrer „Maß-Greißlerei“ einen rein verpackungsfreien Supermarkt eröffnet (vgl. DIE WIRTSCHAFT 02-2017). Es ist einer der ersten seiner Art überhaupt, und Andrea Lunzer wird zusammen mit zwei anderen Läden in Deutschland zur Wegbereiterin einer ganzen Szene, die auf verpackungsfreien Lebensmittelhandel setzt. Und Uni Sapon ist praktisch immer mit dabei – weil der kleine Vorarlberger Familienbetrieb schon seit Jahrzehnten ohne Verpackungen arbeitet. „Es sind in kaum einem anderen Bereich inhabergeführte Geschäfte aus dem Boden geschossen wie bei den Unverpackt-Läden. Allein in der Schweiz wollen in den nächsten zwei Monaten sieben neue eröffnen. Es ist wie eine Lawine“, erzählt Marion Reichart. Schließlich werden auch andere auf die Firma aufmerksam. Vor drei Jahren gewinnt Uni Sapon den „Green Brands Austria Award“ als grüne Lieblingsmarke. Anfang 2019 ist Reichart beim Unternehmerinnen-Award in der Kategorie „Innovation“nominiert. Werden nun milliardenschwere Konzerne wie Henkel nervös? „Nein“, meint Marion Reichart. „Wir bewegen uns trotz allem in der Nische einer Nische. Aber wir werden weiter wachsen, organisch und solide.“

 

Autor/in: 
Peter Martens

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