Die Erdgas-Revolution | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
Gegenüber Benzinern reduziert sich bei Erdgasautos der CO2-Ausstoß um 35 Prozent und die Stickoxid- Belastung sogar um 67 Prozent.

Die Erdgas-Revolution

12.10.2017

Da ständig alle über Elektromobilität reden, vergisst man rasch, dass es seit Jahrzehnten eine ausgereifte, weitgehend umweltneutrale und vor allem alltagstaugliche Art der Mobilität gibt – den Antrieb mit Erdgas.

Unsere mobile Zukunft ist elektrisch – nur weiß derzeit niemand so genau, wie, wann und warum das eigentlich so sein sollte. Fakt ist, dass der Verbrennungsmotor noch lange kein Auslaufmodell darstellt. Sein hauptsächlich von der Politik herbeigeredeter Abschied ist derzeit noch nicht absehbar. Zu viel Entwicklungspotenzial steckt noch immer in dieser Technologie. Fakt ist auch, dass sich Otto- und Dieselmotoren zukünftig den Platz im Auto mit alternativen Antriebstechniken und Treibstoffen teilen müssen. Nicht nur Elektromotoren oder Brennstoffzellen sind da gemeint.

Eine bewährte und saubere Alternative, die nicht an Reichweiten-, Ladedauer oder fehlender Infrastruktur laboriert, gibt es schon seit langem: den Erdgasmotor. Der hat seine Kinderschuhe bereits vor einigen Jahrzehnten abgelegt und zeichnet sich vor allem durch seine hervorragende Umweltbilanz und eine nicht zu leugnende Alltagstauglichkeit aus. Gerade für den Dieselantrieb ist Erdgas „auf der letzten Meile“ eine reizvolle Alternative. Und auch bei den Kosten und Umweltwerten schlägt Erdgas oder kurz CNG (Compressed Natural Gas) seine Konkurrenten deutlich. Ein Kilogramm Erdgas entspricht dem Energiegehalt von 1,28 Liter Diesel, 1,44 Litern Benzin oder zwei Litern Autogas (LPG).

UMWELTFREUNDLICHE ALTERNATIVE

Gegenüber Benzinern reduziert sich der CO2-Ausstoß um 35 Prozent und die Stickoxid-Belastung sogar um 67 Prozent. Im Vergleich zu Dieselmotoren gehen Stickoxid um 96 Prozent und der CO2-Ausstoß um 23 Prozent zurück. Diese Werte wurden vom deutschen ADAC im Rahmen der im Eco-Test gemessenen Realemissionen ermittelt. Mit zukünftigen innerstädtischen Fahrverboten hätten CNG-betriebene Fahrzeuge somit keine Probleme. Sogar gegenüber Elektrofahrzeugen könnten sich die mit CNG angetriebenen Fahrzeuge behaupten, denn angesichts des europäischen Energiemix ist der CO2-Fußabdruck der E-Mobile nur geringfügig kleiner als bei den CNG-Modellen. Erdgas gilt von Natur aus als besonders reiner Kraftstoff. Sein Hauptbestandteil ist Methan, welches pro Molekül lediglich ein Kohlenstoff-Atom enthält. Außerdem verbrennt CNG nahezu feinstaubfrei und mit deutlich geringeren Schadstoffemissionen als Benzin- oder Dieselkraftstoff.

Die vergleichsweise saubere Verbrennung im Erdgas-Motor ist die eine Seite der Medaille, die Tatsache, dass es sich um einen fossilen – also endlichen – Treibstoff handelt jedoch die andere. Doch auch in dieses Thema ist Bewegung geraten. Seit mehreren Jahren testet beispielsweise das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, wie die Technologie der Umwandlung von Elektroenergie in Gas in den Verkehr eingebunden werden kann. Durch Windkraft erzeugter Strom wird dabei zunächst zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff eingesetzt. In einem zweiten Schritt wird dem Wasserstoff Kohlendioxid zugeführt und es entsteht Methan, welches die Techniker synthetisches Erdgas oder e-Gas nennen. Dies kann dann als Treibstoff für Erdgas-Motoren verwendet werden.

HERSTELLER SETZEN AUF CNG-ZUG

Einer der Pioniere bei Erdgas-Fahrzeugen ist Fiat. Bereits zwischen 1939 und 1943 rollte in Turin der 508 C mit Erdgasantrieb von den Bändern und nutzte das in Norditalien geförderte Erdgas. Heute bieten die Italiener eine vollständige Modellpalette mit dem umweltschonenden Antrieb an, die vom kleinen Panda bis zum Ducato bei den leichten Nutzfahrzeugen alle Bedürfnisse befriedigt. Den Vorteil des Erdgasantriebs entdecken inzwischen auch immer mehr Unternehmen und Handwerker, die eine „grüne Unternehmenspolitik“ verfolgen.

Jetzt hat sich auch der VW-Konzern vehement auf das Thema CNG eingeschossen. Derzeit findet man bei fast jeder Konzern- Marke CNG-Modelle. Und da sind Bestseller wie VW Golf, VW Up, Skoda Octavia, Seat Leon oder Audi A3 dabei. Allesamt Lieblinge der österreichischen Autokäufer. Und dem ist noch lange kein Ende gesetzt: Audi legte soeben Erdgas-Varianten des A4 und A5 auf Kiel, und das neue Seat-Arona-SUV wird es erstmals mit einem 90 PS leistenden Dreizylinder-CNG-Motor geben. Dies ist aber erst die Spitze des VW-Erdgas-Eisbergs. Zahlreiche weitere Modelle sind in der Pipeline. Auch von anderen Herstellern, wie zum Beispiel Opel (Astra).

„Ergasmotoren haben ihre Kinderschuhe längst abgelegt“

WAS SPRICHT NUN FÜR EIN ERDGASAUTO?

Die hervorragende CO2-Bilanz im reinen Erdgas-Betrieb und wahrscheinlich auch die Tatsache, dass man kaum einen Unterschied zu einem herkömmlich betriebenen Automobil bemerkt. Eine zweite Tankanzeige, ein weiterer Tankstutzen – das war’s. Der Laie wird’s nur an der Typenbezeichnung erkennen (TGI, G-Tec, G-Tron, CNG ...). Die zusätzliche Technik wird durch leicht erhöhte Listenpreise erkauft – das ist auch bei einem Dieselfahrzeug nicht anders. Ein Erdgas-Auto zu fahren, bedeutet in der Regel bivalent unterwegs zu sein. Soll heißen, ist der Gastank leer, switcht das Fahrzeug automatisch auf Benzinbetrieb um. Gesamtreichweiten von über 1.000 Kilometern sind machbar. Keiner braucht also Angst haben, irgendwo liegen zu bleiben oder nicht gleich eine Erdgas-Tankstelle zu finden. Obwohl auch da tut sich schon einiges – vor allem in den Ballungsräumen gibt es die fast schon flächendeckend. Aktuell kann Erdgas in Österreich an knapp 170 Tankstellen getankt werden. Tendenz ist steigend. Der erhöhte Anschaffungspreis lässt sich übrigens noch bis Ende 2017 umgehen, wenn man seinen alten Diesel (bis EURO 3) im Rahmen der allerorts angebotenen Verschrottungsaktionen eintauscht. Dann gibt es bis zu 5.500 Euro Prämie, wenn man beispielsweise auf einen Seat Leon ST TGI umsteigt.

Autor
Oliver Weberberger

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