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„In Österreich wollen wir 100.000 Tonnen Karton und Kunststoff pro Jahr in Rohstoff verwandeln“ , berichtet Daniel Schneiber.

Die Dreckskerle aus Linz

02.05.2017

Eine Linzer Firma hilft Unternehmen, ihre Entsorgungskosten in Entsorgungseinnahmen zu verwandeln und dabei auch noch die Umwelt zu schonen.

„Es ist irgendwie geil, aus Abfall Geld zu machen“, lacht Christoph Haider. Er ist Wertstoffvermarkter – so auch der Name der Linzer Firma – und zeigt Firmen, wie sie aus Entsorgungskosten, die bislang für den Abtransport von Verpackungsmaterial bezahlt werden mussten, Entsorgungseinnahmen machen können. „Abfall ist nicht Endstation“, sagt Firmengründer Daniel Schneiber, „in jeder Mülltonne und jedem Müllcontainer liegen Wertstoffe, die letztendlich nur verbrannt oder deponiert werden. Vieles davon kann ressourcenschonend wiederverwertet werden. Eine Mülldeponie ist die Goldmine der Zukunft“.

Abfall als Wertstoff. Mülldeponie als Goldmine. Fragt sich nur, wer dieses Gold schürft. Bislang haben Firmen für die Abholung ihrer Verpackungsabfälle bezahlt. Ein Entsorgungsunternehmen hat die Kartonagen und das Plastik abgeholt und dem Unternehmen eine Rechnung gestellt. Die Wertstoffvermarkter GmbH stellen nun dieses System auf den Kopf, zur Freude der Unternehmer. „Wir machen Quellsortierung“, erklärt Haider, „sortieren also den Müll dort, wo er anfällt – beim Kunden.“ Die Sache ist eigentlich simpel. Die Firma bekommt Müllpressen in den Hinterhof gestellt, die man bloß richtig zu befüllen hat. In dem Moment, wo etwas weggeschmissen wird, wird es auch schon zu einem handlichen Rohstoffpäckchen gepresst. Diese sortenreinen Päckchen werden abgeholt und siehe da: die Firma bekommt plötzlich Geld für etwas, für das sie früher bezahlen musste.

VERMARKTEN STATT ENTSORGEN

Derzeit verwandeln die Wertstoffvermarkter 8000 Tonnen Müll pro Jahr in Rohstoff, womit sich die Firmen bis zu 10.000 Euro jährlich ersparen. „Durch die Umstellung von Entsorgung auf Vermarktung ersparen sich unsere Kunden derzeit insgesamt mehr als eine Million Euro jährlich“, rechnet Christoph Haider vor, „diese Einsparung entsteht aus dem Wegfall der Entsorgungskosten plus den Einnahmen über die Vermarktung der Wertstoffe“. Durch die Verdichtung vor Ort und die direkte Vermarktung können auch mehr als 80 Prozent der schweren Lkw-Transporte eingespart werden.

Christoph Haider, Wertstoffvermarkter Durch die Umstellung von Entsorgung auf Vermarktung ersparen sich unsere Kunden derzeit insgesamt mehr als eine Million Euro jährlich.

Die „Dreckskerle aus Linz“, so die launige Eigendefinition der Wertstoffvermarkter, kommen und prüfen den Materialfluss: „Wo und wie fällt Abfall an, wie wird er zum Container transportiert? Wie könnten wir den Materialfluss optimieren? Wo stellen wir die Presse auf, damit die Laufwege kurz sind?“

Nach Klärung dieser Fragen werden die Mitarbeiter des Kunden geschult. Sobald ausreichende Mengen angefallen sind, werden die Rohstoffe abgeholt. Einen eigenen Fuhrpark für diese Transporte haben die Wertstoffvermarkter nicht. „Wir haben eine Lösung, und dafür setzen wir die Komponenten zusammen“, erklärt Haider das moderne Konzept.

Heute zählen einige Standorte von Hartlauer, Lagerhaus, Ringana und einige Intersport-Händler zu den Kunden. Das Potenzial seines Konzepts ist für Daniel Schneiber noch lange nicht ausgeschöpft: „In Österreich wollen wir 100.000 Tonnen Karton und Kunststoff pro Jahr in Rohstoff verwandeln.“ Und dann gibt es ja auch noch das benachbarte Ausland.

Nur die eingesessenen Entsorgungsunternehmen freuen sich nicht und finden, dass die Wertstoffvermarkter einfach nur „Dreckskerle aus Linz“ sind.

Autor/in:
Harald Koisser
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