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"Die Digitalisierung bringt nicht mehr Sicherheit"

05.11.2019

Ein Gespräch mit Herbert Maté, dem Vorsitzenden der Fachgruppe Mechanik im VSÖ, über den digitalen Wandel im mechatronischen Bereich sowie gewiefte Einbrecher und Cybercrimes.

Herbert Maté, Vorsitzender der Fachgruppe Mechanik im VSÖ, Abteilungsleiter Business Solutions Management bei EVVA Sicherheitstechnologie GmbH

Herr Maté, mechatronische Sicherheitssysteme werden digital. Der Bereich Zutritt wird beispielsweise per Handy-App erledigt. Welche Vorteile bringt das? Grundsätzlich muss hier zwischen Smart Home und Smart Building unterschieden werden. Im Bereich Zutritt verbunden mit Smart Home sind viele Start-ups in die Branche gedrängt. Viele dieser Produkte sind aber „Convenience-Produkte“, d. h. sie unterstützen den smarten Zutritt im Bereich des Komforts durch Verwendung von mobilen Geräten und durch ihre neue Usability, jedoch nicht im Bereich von Sicherheit.

Gibt es sicherheitstechnische Bedenken? Ja, auch Einbrecher werden digital und können mit einer gehackten App Zutritt zum Eigenheim bekommen oder sich einfach den Zutritt über ein nicht gesichertes Heimnetzwerk verschaffen. Hier fehlt noch die Aufklärungsarbeit und die Sensibilität der Anwender. Vor ein paar Jahren hat man die Eingangstür noch zugesperrt und war sicher, heute ist es wichtig, die App am Handy oder sein Heimnetzwerk zu schützen, damit es zu keinem ungewollten „Einbruch“ kommt.

„MIT EINZUG DER DIGITALISIERUNG UND VERNETZUNG GEHT DIE GEFAHR VON CYBERCRIME EINHER.“ Herbert Maté, Vorsitzender der Fachgruppe Mechanik im VSÖ, Abteilungsleiter Business Solutions Management bei EVVA Sicherheitstechnologie GmbH

Und wie sieht es bei Smart Buildings, also Bürogebäuden oder größeren Firmengebäuden, aus? Hier wird der Bereich Zutritt und Zutrittssicherheit nicht mehr als eigenständiges System angesehen. Digitalisierung heißt hier, wie unterschiedliche Bereiche der Gebäudetechnik wie Zutrittskontrolle, Personenleitsysteme, Videosysteme, Evakuierungssysteme, Brandmeldesysteme etc. zusammenspielen können. Dies wird über – heute leider nicht genormte – Schnittstellen versucht. Für den Betreiber eines Bürogebäudes oder Krankenhauses ist es besonders wichtig, über Schnittstelleninformationen den Status des Gebäudes zu monitoren. Ein System greift lenkend in andere Systeme ein. Diese Systeme sind vernetzt und kommunizieren miteinander. Im Falle einer offenen Außentür meldet das Zutrittskontrollsystem den Status der „Unsicherheit“ über eine Schnittstelle an das Alarmsystem, gleichzeitig wird die Videoüberwachung gestartet. Die Weiterleitung des Alarms erfolgt automatisiert an die Alarmzentrale eines Sicherheitsdienstleisters. Digitalisierung heißt hier Vernetzung von Systemen untereinander.

Betriebs- und Bewirtschaftungskosten können gesenkt werden. Aber bringt diese Entwicklung mehr Sicherheit? Mit Einzug der Digitalisierung und Vernetzung geht auch die Gefahr von Cybercrime einher. Wenn wir unser Smart-Building- System inklusive Zutritt und anderen gebäuderelevanten Gewerken in die Cloud stellen, dann muss uns bewusst sein, dass wir Angriffe von dort erwarten müssen. Es ist ein Umdenken notwendig über mögliche Gefahren und Risiken, denen wir uns stellen müssen. Was passiert bei einem Ausfall, bei Datenverlust, bei Missbrauch, wie „sicher“ ist mein System gegen solche Szenarien? Wie gehe ich bei einem Nutzungsausfall meines Gebäudes vor, wenn frühmorgens niemand ins Gebäude kommt, weil die Zutrittskontrolle gehackt wurde? Von Gebäuden oder Zutritt in kritischer Infrastruktur ganz abgesehen – diese muss weiter funktionieren, mit oder ohne Digitalisierung.

Autor/in:
Daniel Nutz
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