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Die Buy and Build-Strategie

26.01.2005

Im Rahmen von Buy & Build-Strategien werden ganze Branchen und Märkte konsolidiert. Es werden ursprünglich zueinander im Wettbewerb stehende Unternehmen zusammengefasst, um eine bestimmende Marktposition zu erlangen.

Von Roman Göd, Unternehmensberater bei der Modern Products Corporate Finance GmbH, rgoed@modern-products.net

Die Zusammenfassung von Unternehmen zu schlagkräftigeren Einheiten kann insbesondere dann notwendig sein, wenn eine Vielzahl von Unternehmen wenigen Abnehmern gegenübersteht oder auch von wenigen Zulieferbetrieben abhängig ist.
Ein Finanzinvestor verfolgt mit einer Buy & Build-Strategie eine dreifache Zielsetzung: Wertsteigerung, Größeneffekte und EBIT-Erhöhung. Neben dem Blick auf die Auswirkungen in der betroffenen Branche gilt es vor allem, ein Unternehmen zu bilden, das über eine optimale Unternehmensgröße verfügt. Zudem umfasst die Zielsetzung oftmals auch die Nachfolgeregelung bei einzelnen einbezogenen Unternehmen.
Buy & Build-Strategien werden in der Regel durch die Gründung einer Holding-Gesellschaft umgesetzt. Unter dieser werden die einzelnen Unternehmen mit ihren Marken weitgehend eigenständig erhalten. Hierbei gilt es nicht nur auf steuerliche Optimierungsmöglichkeiten zu achten, auch der Wert der neuen Holding muss - in Relation zu den einzelnen Unternehmen - berechnet werden. Oftmals ergeben sich unterschiedliche Bewertungsvorstellungen, der Finanzinvestor muss hier oft eine Vermittlerrolle einnehmen.

Holding-Vorbereitung
Die aktive Unterstützung des Unternehmens bei der Umsetzung einer Buy & Build-Strategie und die Rolle als kritischer Counterpart mit Fingerspitzengefühl stellt für den Finanzinvestor eine zusätzliche Aufgabe neben der Bereitstellung von Kapital dar. Die Durchführung einer Buy & Build-Strategie ist überaus komplex und erfordert professionelle Planung. Wichtig ist, den betreffenden Markt, in dem die Branchenkonsolidierung erfolgen soll, nicht schon vorab zu beunruhigen.

Vorbereitung auf den Börsegang
Der Gang an die Börse erfordert neben der Erreichung einer kritischen Unternehmensgröße (etwa 300 bis 400 Millionen Euro Umsatz) unter anderem auch organisatorische und finanzwirtschaftliche Börsereife. Mittelständische Unternehmen mit expansiven Wachstumsstrategien können mit Hilfe von Private Equity-Partnern das strategische Ziel des Börsegangs rascher erreichen. Neben den verbesserten Wachstumschancen auf Grund der erweiterten Eigenmittelbasis sind Engagement und Erfahrung der Private Equity-Gesellschaft ein nützlicher Mehrwert für das Unternehmen.

Kriterien
Zur organisatorischen Börsereife zählen unter anderem:
> Qualifikation des Managements und ausreichende Managementkapazität
> Klare Aufgabenverteilung im Management
> Optimierung von Aufbau- und Ablauforganisation
> Klare Abgrenzung der Geschäftsfelder
> Bereitschaft und Fähigkeit zur Kommunikation (Investor Relations)
> Leistungsfähiges Rechnungswesen, Controlling und Berichtswesen
> Risikomanagement
Die finanzwirtschaftlichen Erfordernisse umfassen beispielsweise folgende Punkte:
> Testierte Konzernabschlüsse nach internationalen Standards (US-GAAP oder IAS) und HGB für die letzten drei Geschäftsjahre oder seit Gründung, falls dieser Zeitraum kürzer ist
> Angemessene Eigenkapitalausstattung vor dem IPO
> Strukturierte Darstellung von Ergebnis und Cash-Flow-Entwicklungen

Kapitalmarktgerecht zubereitet
Der Private Equity-Partner unterstützt mit seiner Erfahrung den Transformationsprozess zu einer modernen und transparenten Unternehmensstruktur, die den Anforderungen des Kapitalmarkts entspricht. Durch die Zusammenarbeit mit der Private Equity-Gesellschaft kann sich das Management auf die erhöhten Publizitätsvorschriften und andere rechtliche Herausforderungen, die mit der Rolle eines börsenotierten Unternehmens entstehen, vorbereiten. Beim Börsegang selbst kann die Private Equity-Gesellschaft ihre Erfahrung und ihr Know-how einbringen. Die Beteiligung eines Private Equity-Fonds kann sich vor einer erstmaligen Börseeinführung (IPO) auch dann als sinnvoll erweisen, wenn die vorbereitenden Maßnahmen ("Story-Building"), zu einem signifikanten Finanzierungserfordernis führen und gleichzeitig Kreditlinien benötigt werden oder wenn ein ungünstiges Börseklima die Verschiebung eines geplanten Börsegangs erzwingt. In diesem Fall profitiert ein Unternehmen von der Hereinnahme eines Private Equity- Partners durch die Bereitstellung der Zwischenfinanzierung und der Möglichkeit, die Erfahrung und Expertise des Finanzinvestors beim später zu erfolgenden Börsegang zu nutzen. Auf Grund ihrer Stellung als Miteigentümer sind auch die Finanzinvestoren an einer optimalen Platzierung interessiert.

Phantasievolle Geschichten
Das "Story-Building" umfasst beispielsweise Expansions- und Modernisierungsschritte, die vor Börseeinführung unternommen werden müssen. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Attraktivität des Unternehmens für die Anleger weiter zu erhöhen. Eine Börseeinführung ohne ausgereifte Strategie und Erklärung, wofür die zusätzlichen Kapitalmittel verwendet werden, wird nicht zum Erfolg führen.
(1-2/05)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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