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Des Kaisers neue Werte

22.11.2010

Jetzt hat eine Wirtschaftskrise stattgefunden, die ganze Staaten ruiniert, unzählige Firmenpleiten nach sich gezogen und vor allem eines hinterlassen hat: einen miesen Nachgeschmack.

Stephan Strzyzowski, stellvertretender Chefredakteur

Dabei kann sich die österreichische Wirtschaft eigentlich stolz auf die Schulter klopfen. Der heimische Mittelstand hat souverän durch die Wogen gerudert. Wendig, nachhaltig, regional – mit diesen Attributen ausgestattet, konnte sogar so mancher melden, dass er von der Krise kaum etwas mitbekommen hat. Und doch. Da war was! Auch der österreichische Staat musste tief in die Tasche greifen und sich bis über beide Ohren verschulden, um das Schlimmste zu verhindern. Die Suppe dürfen wir in den kommenden Jahren kollektiv auslöffeln. Weil es nun immer dann, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll, auch einen Sündenbock geben muss, wurde eifrig die Schuldfrage gestellt. Und erfreulich genug, der Schlamassel hat in den USA seinen Ausgang genommen und nicht bei uns. Natürlich haben die gewissenlosen Ratingagenturen Schuld und die bösen Banker, die herumspekuliert und noch nicht einmal verstanden haben, was sie denn da taten und dann gerettet werden mussten.

Nach so einem Dilemma muss man sich fragen: Rennen wir den falschen Idealen nach? Was ist uns wirklich wichtig? Ein überfälliger Ruf nach neuen Werten wird nun laut. Und das ist gut so! Nicht weil es unrecht wäre, Geschäfte zu machen und zu prosperieren, sondern weil es in diesem System, das nun erstmals ernsthaft zur Frage steht, nicht mehr üblich ist zu hinterfragen, auf wessen Kosten und zu welchen Bedingungen wir das tun. Leider ist aber auch die Suche nach neuen Werten tückisch. Nämlich dann, wenn Werte nur gefunden werden sollen, um sie für das CSR-Zertifikat marketingmäßig zu verwerten. Hier ist Vorsicht geboten. So schön es ist, wenn sich Staaten, Interessenvertretungen und Unternehmen neue Werte erarbeiten wollen – sie müssen dabei glaubwürdig sein und ihre Basis, die Mitarbeiter
und Bürger miteinbeziehen, sonst bleibt davon nicht mehr übrig als von des Kaisers neuen Kleidern: ein beschämendes
Gefühl!

(Redaktion: Stephan Strzyzowski, stellvertretender Chefredakteur)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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