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An der Wissensgrenze lehren

27.02.2020

Wissen ist zum Entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Unternehmen geworden. Entsprechend wichtig ist die Frage, wie Unternehmen die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter organisieren. Welche Skills gerade besonders gefragt sind, warum Wissenschaft die Sprache der Praxis sprechen muss und wieso die Nachhaltigkeitsziele der UN in allen Studiengängen eine Rolle spielen werden, erklärt Armin Mahr, Geschäftsführer der Fachhochschule Wiener Neustadt. 

"Die Innovationskraft der Mitarbeitenden versichert den Unternehmenserfolg", meint  Armin Mahr, Geschäftsführer der Fachhochschule Wiener Neustadt.

Sie bieten Ausbildungen in unterschiedlichen Bereichen an. Wie hält man als Bildungseinrichtung Stand mit den immer rascher werdenden Veränderungen in Technologie und Wirtschaftsalltag?

Vorne zu bleiben, voran zu gehen, ist in der Tat unsere tägliche Herausforderung als Hochschule. Die Antwort liegt im sogenannten Wissensdreieck aus eigener Forschung, nie endender Weiterbildung unserer Lehrenden und Innovation, das heißt Marktnähe. Wir stehen in ständigem Austausch mit der Praxis, viele unserer Lehrenden kommen von dort, gehen dorthin zurück oder sind unternehmerisch tätig. Die innovative Lehrdidaktik der FHWN wurde im letzten Jahr mit dem Staatspreis Ars Docendi ausgezeichnet, wir forschen gemeinsam mit Unternehmen und Universitäten, bringen internationales Wissen an den Standort und denken mit unseren Partnerunternehmen und -organisationen über kommende Qualifikationsprofile nach. Mit dem City Campus im Herzen der Neustädter Altstadt verbindet sich nicht nur das historische Karmeliterkloster mit einem neuen Wissensturm zur veritablen Sehenswürdigkeit, unsere Wirtschaftsfakultät bietet ihren Studierenden damit eine hochattraktive Umgebung, zu der auch die erste gemeinsame Stadt- und Hochschulbibliothek im deutschsprachigen Raum gehört. Mit ultramodernen Zubauten gibt es auch in Wieselburg und bald in Tulln genug Platz für Neues. Ohne unsere öffentlichen Erhalter von Stadt und Land wäre dies nicht möglich. Auch Partnerunternehmen unterstützen uns auf Stand zu bleiben, wenn ich an unser nagelneues Neustädter Robotik-Lab denke. Wir sind Österreichs erste Fachhochschule, im 26. Lebensjahr im besten Alter, um der Zukunft ins Auge zu sehen.

Unternehmen müssen das Knowhow ihrer Mitarbeiter auf dem letzten Stand halten, um im Wettbewerb bestehen zu können. Welche Skills sind gerade besonders gefragt? Wo erwarten Sie wachsendes Interesse in den kommenden Jahren?

An der Wissensgrenze zu lehren ist ein hoher Anspruch; Kompetenzen zu vermitteln geht noch einmal darüber hinaus, weil die Persönlichkeit in den Mittelpunkt rückt. Der digitale Wandel verlangt nach mutigen Informatikerinnen, die über den Tellerrand des Programmierens die Anwendung der Technologien in den Blick nehmen, aber ebenso nach Wirtschaftsprofis, die mit technischer Grundkompetenz neue Vertriebsmöglichkeiten erschließen. In den kommenden Jahren werden die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen an der FHWN in allen Studiengängen eine Rolle spielen, weil sie international als wettbewerbsrelevant verstanden werden. Die Wandeldynamik betreffend Demographie, Klima oder Digitalisierung wird künftig nicht abflachen. Wesentliche Philosophie an der Fachhochschule Wiener Neustadt ist es daher, unsere Studierenden von Betroffenen zu verantwortungsbewussten Mitgestaltenden des Wandels zu machen, heute und auch noch übermorgen. Skills wie das Arbeiten in internationalen Teams, unternehmerisches Denken oder das wissenschaftliche Bewerten von Information und Risiken sollen Neustädter Alumni aller Fakultäten und Standorte in ihrem Berufsleben unterstützen.

Wie gut lässt sich das Thema Aus- und Weiterbildung heute in den unternehmerischen Alltag integrieren?

Mittlerweile ausgezeichnet, würde ich meinen: Die Innovationskraft der Mitarbeitenden versichert den Unternehmenserfolg. Erfolgreiche Unternehmen setzen auf eine Tripelpartnerschaft – mit motivierten Mitarbeitenden und mit professionellen Bildungspartnern, von der Berufsschule über das WIFI bis zur Hochschule des Vertrauens. Die FHWN bietet zahlreiche Studiengänge berufsermöglichend oder berufsbegleitend an. So sind die Präsenzphasen am Campus oft auf Freitage und Samstage konzentriert, was für Unternehmen wie Mitarbeitende Gestaltungsräume schafft; digitale Möglichkeiten erhöhen Effizienz und Flexibilität zusätzlich. Studierende können Praxisphasen und wissenschaftliche Arbeiten in den eigenen Unternehmenskontext stellen. Wir entwickeln auch auf Unternehmen und Standorte und deren Qualifikationsbedürfnisse maßgeschneiderte Hochschullehrgänge zur Weiterbildung.

Welche Rolle spielt der Bereich Forschung in Zusammenarbeit mit heimischen KMU für Ihre FH?

Österreichs Fachhochschulen haben in den letzten zehn Jahren zwischen Universitäten und Unternehmen ein eigenständiges Forschungsprofil entwickelt. Für KMU sind wir mittlerweile Partner erster Wahl, auch dann, wenn der Betrieb keine eigene Forschungsabteilung hat. Von der niederschwelligen Beratung über die Auftragsforschung bis hin zu gemeinsamen Entwicklungen, an der Fachhochschule Wiener Neustadt spricht Wissenschaft die Sprache der Praxis. Die Begleitung von Digitalisierungsmaßnahmen in Unternehmen gewinnt hier an Bedeutung, für unsere Neustädter Wirtschafts- und Technikfakultäten ebenso wie in Spezialisierungen wie Bio Data Science am Campus Tulln oder der Wieselburger Agrartechnologie und im Rahmen des niederösterreichischen Hauses der Digitalisierung. Unser Forschungsunternehmen FOTEC kooperiert nicht nur weltweit bei Satellitentechnologie, heimische KMU schätzen FOTEC-Kompetenz auch bei der Entwicklung von Oberflächeneigenschaften, in der Medizintechnik und beim 3D-Druck; wir sind aber auch im Bankenmonitoring, in der Marktforschung sowie in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Sport mit und für KMU tätig, unser Campus Wieselburg wurde gerade für seine Nachhaltigkeits-Kompetenz mit dem Umweltzeichen prämiert, forscht rund um Marketing und Bioenergie, Tulln steht für Biotech und Nahrungsmittelsicherheit. Unser Startup-Center begleitet Ideen in den Markt, die an der Hochschule entwickelt wurden. Ein herzliches Dankeschön allen regionalen Partnerfirmen für ihr Mentoring. Wussten Sie, dass ausgezeichnete Ideen wie Helpsole, die innovative Schuheinlage für Parkinson-Patienten, an der FH Wiener Neustadt entwickelt wurden?

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