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CEO Norbert Schrüfer kann mit klassischen Stempeln noch lange wachsen. Etwa in China oder Indien.

Der Welt den Stempel aufgedrückt

11.05.2018

Gummistempelhersteller Franz Just gründete 1912 mit einem Lehrling und einem Gesellen sein Gewerbe in Wien. Heute ist Trodat Weltmarktführer in Sachen Stempel und Stempelproduktion. Eine Zeit ohne Papier müssen die Welser übrigens nicht fürchten.

TRODAT IN KÜRZE

Die Trodat Trotec Group mit Firmensitz in Wels erwirtschaftet aktuell einen Gesamtumsatz von mehr als 249 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 1500 Mitarbeiter in mehr als 35 Konzerngesellschaften – rund ein Drittel davon in Österreich. Die Gruppe ist in mehr als 150 Ländern der Welt präsent. Die Exportquote beläuft sich auf insgesamt mehr als 98 Prozent. Ursprünglich war Trodat nicht der Name der Firma, sondern nur der eines Produkts: Der Name des Unternehmens setzt sich aus den Wortteilen „Tro“ (für Trolitul, jenes Material, aus dem der Stempel gefertigt war) sowie „dat“ (steht für „Datumstempel“) zusammen.

Als es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs so richtig losgegangen ist, war der heutige Weltkonzern Trodat noch ein kleiner Stempelhersteller. Die Söhne des Firmengründers, Walter und Herbert Just, übernahmen nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam das Geschäft. Und 1947 wurde er erstmals hergestellt: der Kunststoff-Datumsstempel mit der Bezeichnung Trodat. Es folgten der Vertrieb an andere Stempelhersteller in Österreich und erste Exporte nach Deutschland und in die Schweiz. Bald jedoch gingen die Brüder getrennte Wege: Herbert blieb Stempelmacher in Wien, und Walter Just übersiedelte mit der Stempelproduktion nach Wels, wo 1951 die Produktion – und der Export – startete. Walter Just produzierte ein Produkt, das jeder brauchte und das millionenfach verkauft werden konnte. Von Anfang an war damit klar, dass Österreich als Markt viel zu klein war und immer noch ist.

MIT WEITBLICK ZUM WELTMARKTFÜHRER

Unter Walter Just wuchs das Unternehmen zunächst vom kleinen Stempelhersteller zum größten Stempelproduzenten in Europa heran, die nachfolgenden Führungsgenerationen machten aus dem einstigen Kleinbetrieb sogar den größten Stempelproduzenten der Welt. Freilich ging das nicht ohne entsprechenden Weitblick, Mut und Unternehmergeist. Um in mehr als 150 Ländern langfristig und nachhaltig präsent und Marktführer mit einem vermeintlich nicht sehr zeitgemäßen Produkt wie einem Stempel zu werden und zu bleiben, bauen die Welser von jeher auf wichtige Säulen: Da ist einerseits der technische Vorsprung als Basis und andererseits die Kreativität und Systematik im Vertrieb, die den globalen Erfolg bringt. Diese Formel bewährt sich mittlerweile seit Jahrzehnten.

ERFOLGSREZEPT 1: AM PULS DER ZEIT

Alle Stempelgenerationen – vom ersten „Printy“ aus dem Jahr 1976 bis zum klimaneutralen „Printy 4.0“ von 2011 – passten sich immer den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden an. Aber auch ganze Geschäftsfelder wurden aufgrund aktueller Marktchancen im Unternehmen implementiert. So geschehen mit dem mittlerweile zweiten wichtigen Standbein des Konzerns, dem Laserbereich Trotec, der 1997 aus einem Forschungszweig von Trodat hervorgegangen ist. Diese neue Lasertechnologie revolutionierte die Produktion von Textplatten. Sie wurde durch das internationale Trodat-Vertriebsnetz weltweit verbreitet. Gleichzeitig konnte so der erste Schritt in Richtung „One-Shop-Supplier“ gesetzt werden. Als Teil der nunmehrigen Trodat Trotec Group entwickelt, produziert und vermarktet Trotec Lasergeräte zum Beschriften, Schneiden und Gravieren sowie Gravurmaterialien. Heute ist Trotec ein ebenfalls weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Lasertechnologie. Mittlerweile sind die beiden Bereiche – Stempel und Laser – umsatzmäßig annähernd gleich. Im Laser-Business wurde 2017 sogar erstmals in der Unternehmensgeschichte mehr Umsatz als im angestammten Stempelgeschäft erzielt. Am Puls der Zeit blieb der Welser Konzern auch danach. Ab 1998 wurden die Chancen des Internet erkannt: Erste Shop-Lösungen gingen Mitte 2000 in den USA und Ende 2002 in Europa online.

ERFOLGSREZEPT 2: DER RICHTIGE FOKUS

Weltweit funktioniert jeder Markt anders. Eine der Stärken von Trodat besteht darin, die Märkte und Kunden punktgenau und bedarfsgerecht zu bearbeiten. Das heißt im Klartext: In strategisch wichtigen Hauptmärkten ist der Konzern mit eigenen Niederlassungen und lokalem Management mit genauen Marktkenntnissen, in kleineren Märkten durch Generalvertreter bzw. teilweise auch direkt vor Ort vertreten. Den Fokus bei Produkten und Geschäftsfeldern setzt Trodat verstärkt auf den wachsenden Laserbereich einerseits und auf neue Wachstumsmärkte andererseits, um sich zukunftsfit zu halten. Aktuell werden gut drei Viertel des Umsatzes auf europäischen Märkten und in den USA erwirtschaftet. Das globale Wachstum im Stempelbereich liegt aber zusehends außerhalb Europas, vor allem durch den steigenden Bedarf in Emerging Markets, wie zum Beispiel in China oder Indien. Dort wird der Bedarf an Stempeln durch täglich zigtausende Neugründungen von Firmen begünstigt, weshalb hier auch die künftigen Zielmärkte von Trodat liegen, wie der seit März wirkende CEO Norbert Schrüfer bestätigt: „Das klassische Stempelgeschäft hat trotz Digitalisierung nach wie vor seine Berechtigung. In vielen Ländern wird immer noch der klassische Stempel eingesetzt.“ Wegen der stark um sich greifenden Produktpiraterie, die vor allem Markenunternehmen weltweit betrifft, macht sich Neo-CEO Schrüfer keine Sorgen. Im Gegenteil, er scheint dies als Qualitätsauszeichnung zu verstehen: „Nur gute Produkte werden kopiert.“

ERFOLGSREZEPT 3: UNTERNEHMENSWERTE

Apropos gute Produkte: Ein Produkt kann nur gut sein, wenn die Qualität der Rohstoffe, Werkzeuge und Produktteile stimmt. Deswegen setzt Trodat bei seinen Lieferantenbeziehungen auf Langfristigkeit und Qualität. Für potenzielle Trodat-Lieferanten hält das Unternehmen ein eigenes Zertifizierungsverfahren bereit: Dieser Katalog beinhaltet eine ISO-Zertifizierung, die Notwendigkeit und Bereitschaft, flexibel, terminsicher und just in time auf entstehende Bedarfe zu reagieren. Aber nicht nur im Einkauf, auch in Produktion und Technik legt Trodat die Latte hoch: Technologievorsprung und Energieeffizienz gelten für den gesamten Produktionsprozess. Innovationsführerschaft unterstreicht beispielsweise auch die Anwendung von Hochleistungsfolien zur Oberflächengestaltung. Auch die neueste Generation an vollautomatischen Fertigungsanlagen wurde von der Konstruktion über den Aufbau bis hin zur Inbetriebnahme vollständig im Haus durchgeführt.

Autor:
Erika Hofbauer

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