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Der Weg in eine bessere Welt

02.05.2016

Im September 2015 wurden neue UNO-Entwicklungsziele beschlossen. Hunger und extreme Armut sollen in den nächsten 15 Jahren beseitigt werden. Welche Rolle die Wirtschaft dabei spielt? Gar keine geringe.

September 2015, New York: Bei der UNO-Generalversammlung in New York werden im Rahmen der Agenda 2030 neue Entwicklungsziele verabschiedet: Mit den sogenannten Sustainable Development Goals (SDG) oder nachhaltigen Entwicklungszielen will die internationale Staatengemeinschaft bis Ende 2030 Armut beseitigen, die Gleichstellung von Frauen vorantreiben, die Gesundheitsversorgung verbessern und dem Klimawandel entgegensteuern. Die SDGs folgen den Millennium Development Goals (MDG) nach, die 2015 ausliefen. Anders als die Millenniumsentwicklungsziele, die nur für Entwicklungsländer galten, nehmen die neuen Ziele auch die Industriestaaten in die Pflicht. Das gilt für den schonenden Umgang mit Ressourcen, die Verantwortung für Sozialstandards oder den Ausstoß klimaschädlicher Gase. An erster Stelle steht weiterhin die Überwindung von Armut und Hunger, ebenso bleiben Gesundheit und Bildung auf der Agenda. Dazu kommen gesellschaftspolitische Ziele wie Gleichheit der Geschlechter, eine gerechte Steuerpolitik oder die Verringerung der Ungleichheit zwischen Staaten. Die Umsetzung ist freiwillig, und jeder Staat entscheidet selbst über die Maßnahmen zur Erreichung der Ziele. Allerdings soll der Erfolg anhand fester Kriterien regelmäßig überprüft werden.

Die Aufgabe von Unternehmen

Eine wichtige Rolle bei der Implementierung der Ziele spielen Unternehmen: Ohne ihre Unterstützung können die Sustainable Development Goals nicht umgesetzt werden. Umgekehrt ergeben sich für Firmen Chancen, Zukunftsmärkte zu entwickeln und gleichzeitig die Bedeutung ihres nachhaltigen Handelns zu vergrößern. respACT, Österreichs führende Unternehmensplattform für Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltige Entwicklung, ist maßgeblich an der Implementierung der SDGs in Unternehmen beteiligt. Gemeinsam mit dem UN Global Compact, der weltweit größten CSR-Initiative, unterstützt respACT die Umsetzung der SDGs durch die Privatwirtschaft. „Wir nutzen unsere internationalen Kontakte, um dem österreichischen Privatsektor Know-how und Good-Practice-Beispiele aus der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen“, erklärt Ines Sturm von respACT. Das 17. SDG-Ziel sei in diesem Zusammenhang besonders wichtig: „Dieses Ziel widmet sich den Partnerschaften zur Umsetzung der Ziele, die nur erreicht werden können, wenn Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten.“ 
Als Positivbeispiel nennt Sturm etwa die Firma Gugler. „Das Unternehmen zeichnet sich durch eine herausragende Kooperationsbereitschaft aus: Es hat einem dänischen Partner ihr Know-how zur Herstellung von Öko-Druckprodukten weitergegeben, um den Kreislaufgedanken zu verbreiten.“ Weitere Partner sollen hinzugeholt werden und damit eine Print-the-Change-Community entstehen. Orientierung bietet Unternehmen der SDG-Kompass: „Er beinhaltet einen Managementprozess sowie erste Indikatoren, die noch laufend ergänzt werden“, so Sturm. Die SDGs wurden mit GRI G4, einem der wichtigsten Berichtsrahmen in der Nachhaltigkeitsberichtserstattung, verknüpft. Damit können Unternehmen analysieren, welche ihrer bestehenden Maßnahmen zu welchem SDG beitragen. „Die Ziele bilden außerdem wichtige Potenziale ab: Wo werden für die Zukunft neue Lösungen gebraucht?“, ergänzt Sturm. In Österreich wurde ein Stocktaking Prozess vonseiten der Regierung durchgeführt. Dabei wurde analysiert, zu welchen Zielen bereits Maßnahmen bestehen und wo es noch Lücken gibt.  

Ziele für Österreich

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergab, dass die meisten Industriestaaten der OECD noch weit davon entfernt sind, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. „Die größten Defizite weisen die Indus­triestaaten dabei in ihrem wenig nachhaltigen Produktions- und Konsumverhalten auf“, so die Studie. „Außerdem verschärfen ihre Wirtschaftssysteme vielfach den Trend zur sozialen Ungleichheit.“ Österreich belegt Platz zwölf von insgesamt 34 untersuchten Ländern. Angeführt wird die Liste von skandinavischen Ländern. Besonders gut schneidet Österreich bei den Themen Erneuerbare Energie und Abwassermanagement ab, weniger gut bei Bildung, Luftverschmutzung und Materialverbrauch. Insgesamt waren 34 Indikatoren – darunter Umweltschutz und Wachstumsaussichten, aber auch Kriminalität und Sozialsystem – für die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung ausschlaggebend. 
„In der Studie wurden nur OECD-Länder miteinander verglichen, und es gibt lediglich zwei Indikatoren pro Überziel“, hält Sturm entgegen. „Die Indikatoren, die Fortschritte bei der Umsetzung der SDGs messen, werden gerade erst ausgearbeitet“, ergänzt Peter Launsky-Tieffenthal, Leiter der Sektion VII für Entwicklung im Außenministerium und in die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele mit eingebunden. Er betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit bei der Umsetzung der SDGs: „Die jeweiligen Ressorts tragen die Hauptverantwortung, aber Wirtschaft und Wissenschaft, die Bundesländer sowie die Zivilgesellschaft sind ebenso 
gefordert.“

Autor: Susanne Wolf

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