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Der Karriere-Paternoster

03.10.2014

„Die Karriere ist ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten!“ Im leicht abgewandelten Bonmot des Ökonomen John K. Galbraith wird deutlich: Karrieren gleichen vielfach einer Hochschaubahn von Euphorie und Depression, Erfolgsgefühl und Zweifel, Öffentlichkeit und Einsamkeit. Karrieren sind wohl per se keine dauerhaft friktionslosen Laufbahnen, sondern eher rastlose Reisen auf unsicherem Terrain.

Welche Faktoren sind nun mitverantwortlich für einen langfristig erfolgreichen, sicher(er)en Weg? Vier Beispiele könnten als verlässlicher Kompass bzw. „sturmsichere“ Anker dienen.

4 vitale Karriere-Anker

1. Sinn: d.h. die subjektiv erlebte Sinnhaftigkeit dessen, was ich tue
Sinn ist vor allem mit der Verwirklichung von Werten verknüpft. Die Erfahrung von Sinn ist immer auch ein Spiegelbild der persönlichen Wertelandschaft. Umso mehr stellt sich die Frage: Welche Werte sind es mir wert, dafür (Lebens-)Zeit, Liebe, Geld etc. „auszugeben“? Woraus beziehe ich meinen Selbstwert?

2. Anerkennung: d.h. die Wertschätzung, die ich für meine Leistung erfahre
Menschen können ohne Wertschätzung langfristig nicht gedeihen. Sie brauchen ein Echo und wollen wahrgenommen werden. Positive Rückkoppelung ist somit ein substantieller Treibstoff für das menschliche Energiesystem. Anerkennung heißt auch, jemand in seiner Besonderheit erkennen. Und schätzen.

3. Selbstwirksamkeit: d.h. die Möglichkeit, zu verändern und Spuren zu hinterlassen
Menschen möchten etwas bewegen, in Bewegung setzen, schöpferisch sein. Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist essentiell für ein gesundes Selbstwertgefühl und (re-)kreative Kräfte. Konkrete Spuren hinterlassen heißt auch: sich selbst spüren, lebendig sein.

4. Verortung: d.h. eine sichere Basis, die als Ruhepol und Kraftquelle wirkt
Eine gesicherte Rückzugs- bzw. Ausgangsbasis sorgt für Ausgleich und Kraftstoffzufuhr. Und sie ist ein verlässlicher Haltegriff – im Alltag, aber vor allem bei lebens- oder karrieregeschichtlichen Brüchen (Rückschläge, Krankheit, Trennung, Kündigung etc.). Innerlich wie äußerlich, d.h. seelisch wie physisch, gut verortet zu sein bedeutet Stabilität. Umso mehr stellen sich Fragen wie: Wo bin ich wirklich ganz zu Hause? Wann bin ich ganz bei mir? Wohin kann ich mich zurückziehen? Worauf kann ich bauen?

Selbstcoaching-Fragen
Wo auf einer gedachten Zufriedenheitsskala von 0 bis 10 würden Sie sich in Bezug auf die vier Faktoren derzeit sehen? Was ist ein erstrebenswerter Zielwert? Was könnte ein kleiner, aber konkreter Schritt dorthin sein?
Vertiefend dazu bieten sich weitere Selbstcoaching-Fragen an, auf die es sich lohnen könnte, individuelle Antworten zu finden.

Zu 1: Erlebe ich das, was ich tue, als sinnvoll – materiell / immateriell?
Zu 2: Erfahre ich durch das, was ich tue, eine positive Rückkoppelung?
Zu 3: Erlebe ich das eigene Tun auch als schöpferischen, gestalterischen Prozess?
Zu 4: Verfüge ich über eine verlässliche (innere, äußere) Basis, auf die ich vertrauen kann?

Aufsteigen durch Aussteigen. Von Zeit zu Zeit.
Es ist wohl reizvoll, mit dem Karriere-Paternoster weit oder ganz hinaufzufahren. Man muss nur damit rechnen, dass die Luft dünner wird und es auch einmal abwärts geht. Umso wichtiger sind Selbstreflexion und Dialog. Von Zeit zu Zeit. Denn sie minimieren die Gefahr, sich in der Karrierebahn zu verlaufen. Und sie maximieren die Chance, die Karriereleiter an der richtigen Mauer aufzustellen – und vor allem auf stabilem Untergrund.
Auch hier ist eine wohldosierte Balance von gezieltem Gasgeben und rechtzeitigem Bremsen, von Aktion und Reflexion, erfolgversprechend. Um sich neu zu kalibrieren und Klarheit auf wichtige Fragen zu bekommen. Oder um aus der Ruhe frische Kraft zu schöpfen. Ganz im Sinne einer alten Lebensweisheit, die auch besonders Karrierepfade berührt: „Wer nie vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke.“

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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