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Der Herzensbrecher

10.11.2014

Eine Kärntner Agentur beendet gegen Bares Beziehungen und schafft damit gleichzeitig neue Kunden. Wie das? Unternehmer Peter Treichl ist auch als Partnervermittler tätig.

Text: Magdalena Vachova

 

Als Peter Treichl vergangenes Jahr im Kino sitzt und die deutsche Komödie „Der Schlussmacher“ ansieht, ist ihm eigentlich gar nicht zum Lachen. Denn der adrette Mann auf der Leinwand, der ehemals Liebende mit seinem Besuch, einer knappen Botschaft und einer Geschenkbox trennt, macht gerade Treichls außergewöhnliche Geschäftsidee der breiten Masse bekannt. „Mein einziger Gedanke war damals nur: Wie viele Schlussmacher werden aufgrund dieses Films jetzt aus dem Boden sprießen?“, erzählt er. Seine Sorge war unbegründet. Er sollte bis heute der einzige Betreiber einer Trennungsagentur in Österreich bleiben.

 

Der Anfang vom Schlussmachen fällt schwer
Die Idee, über die im Film gelacht wird, ist bei Treichl ernstes Business. Der Kärntner trennt Beziehungen. Das Skurrile daran: Im Brotberuf ist der 47-Jährige seit mehr als 20 Jahren eigentlich Partnervermittler. Auf die Idee, eine Trennungsagentur zu gründen, bringt ihn ein Kunde 2009. Doch die Resonanz lässt zunächst auf sich warten, das Geschäft will nicht so recht anlaufen. Vergangenes Jahr erst – nach dem Filmerfolg – ist für Treichl der richtige Zeitpunkt, sich nicht nur als Amor, sondern auch als Schlussmacher in Szene zu setzen. „Es war total verrückt – von vorne bis hinten. Ich hab gewusst: Diese Idee wird jetzt Wellen schlagen.“ Und tatsächlich wurde seine ungewöhnliche Leistung jetzt nachgefragt. Wie viele Paare er bis heute getrennt hat, weiß er nicht mehr. Meist würden ihn ältere Damen und lang verheiratete Ehepaare buchen, aber auch Jugendliche sind dabei. „Einer – das war ein richtiger Casanova – wollte von mir sogar mal ein Monats-Abo zum Schluss-
machen.“

Die käufliche Abfuhr
Das Konzept ist simpel: Der Kunde wählt auf Treichls Homepage www.trennungs-agentur.at eine von drei Leistungen, die je nach Aufwand zwischen 79 und 129 Euro kosten: die sogenannte gelbe Karte warnt den Partner vor, bei der zweiten Leistung wird schriftlich oder telefonisch Schluss gemacht und schließlich gibt’s die persönliche Trennung. Bei dieser statten Treichl und seine neun Mitarbeiter Hausbesuche ab. „Ich mache das immer in der Früh, wenn die Personen ein wenig im morgendlichen Stress sind. Ich läute an der Tür und erkläre ihnen, dass ich eine Botschaft von ihrem Partner überbringe. Die meisten ahnen dann ohnehin schon, was kommt, und nehmen’s gelassen.“ Die Reaktionen fallen manchmal aber auch anders aus: Die Verlassenen geraten in Rage, verzweifeln am Verlust, brauchen Rat. „Es passiert manchmal, dass ich noch zwei, drei Stunden bei ihnen bleibe und sie trösten muss.“ Dabei hilft ihm die Geschenkbox, die Teil des Schlussmacher-Pakets ist. In ihr drinnen: ein Fläschchen Obstler oder Sekt, Pralinen, Taschentücher und ein 300-Euro-Gutschein für seine Partnervermittlung.

Dass Treichl in den eben Verlassenen gleich den nächsten Geschäftsfall sieht, findet er übrigens nicht weiter moralisch verwerflich. „Ich mache aus einem unglücklichen Paar zwei glückliche Singles. Und es ist nun mal so, dass man mit einem neuen Partner leichter den alten vergisst, nicht?“, lächelt er. Es sei schlicht ein rundes Konzept – und so rollt seine Geschäftsidee. Ob er bei all dem Business mit der Liebe selbst noch an sie glaubt? „Die Liebe ist mein Leben. Ich bin ein hoffnungsloser Romantiker“, behauptet er.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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