Der alte Mann und die Milliarden | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Der alte Mann und die Milliarden

12.10.2015

Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Bierdeckel – Warren Buffett sammelt Geld. Sein Erfolg ist seit 50 Jahren ungebrochen und erreicht inzwischen astronomische Höhen.

Text: Peter Martens

Die so viele öffentliche Gestalten Amerikas hat sich auch Warren Buffett eine hübsche kleine Public Story zurechtgelegt – und wie so oft klingt auch diese Geschichte fast zu perfekt, um wahr zu sein. Sie geht so: Statt sich als Bub an süßen Getränken zu erfreuen, macht Klein-Warren lieber mit ihnen Business. Er kauft im Supermarkt Coca-Cola im Sechserpack, zahlt dafür 25 Cent und verkauft jede Dose um fünf Cent weiter an seine Kameraden. Die Ausbeute: ein Fünftel des Kaufpreises.

Wie viel von der Geschichte stimmt, muss an dieser Stelle offen bleiben. Fest steht, dass Warren Buffett bis heute mit Coca-Cola zu tun hat, allerdings als Großaktionär. Außerdem gehören ihm Anteile an Börsenschwergewichten wie American Express, IBM, Kraft Foods, Wal Mart oder Procter & Gamble. Und mehr als ein Zehntel an dem mit Abstand größten Rückversicherer der Welt, der Münchner Rück.

 

Teuerste Einzelaktie der Welt

Das Vehikel, mit dem Buffett fremde Firmen entert, ist seine Beteiligungsfirma, die er vor genau 50 Jahren mit dem Kauf des dahinsiechenden Textilherstellers Berkshire Hathaway gestartet hat. Mittlerweile ist Berkshire Hathaway über 350 Milliarden Dollar schwer und die Aktie der Firma die teuerste der Welt, jedes einzelne Papier wird mit über 215.000 Dollar gehandelt. Warren Buffet selbst gilt nach Bill Gates und dem Mexikaner Carlos Slim, dem neuerdings auch die Mehrheit an der Telekom Austria gehört, als drittreichster Mensch des Planeten mit einem geschätzten Vermögen von 73 Milliarden Dollar.

Das ist jedoch nicht der Grund, weshalb der einstige Bursche aus der Provinz heute weltweit verehrt wird – Warren Buffett ist der absolute Superstar als Investor. Das Aktionärstreffen seines Firmenkonglomerats in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska bezeichnet er gern als „Woodstock der Kapitalisten", und tatsächlich pilgern tausende Anleger dahin und lauschen den Ausführungen des Chefs, als wäre er ein Guru. Kein Wunder: Berkshire Hathaway macht derzeit im Schnitt zwischen vier und 6,5 Milliarden Dollar Gewinn. Pro Quartal, wohlgemerkt. Ans Aufhören denkt der inzwischen 85-Jährige nicht: „Ich arbeite, bis ich 100 bin", ließ er vor wenigen Wochen verlauten.

Für viele ist der knorrige, aber durchaus selbstverliebt wirkende alte Mann so etwas wie das leuchtende Gegenteil des voll digitalisierten Hochfrequenzhandels, der allein von Algorithmen auf Computerservern gesteuert wird und praktisch jeder Kontrolle entzogen ist. Umso genauer starren weltweit Aktionäre darauf, was Buffett mit seinem Geld anstellt. Sobald von ihm eine größere Transaktion bekannt wird, löst sie an den Börsen kleine Erdbeben aus, weil andere in dieselbe Richtung zu laufen versuchen.

 

Kaufen, wenn sie niemand will

Doch der alte Fuchs lässt sich nicht gern auf die Finger schauen. Was genau er macht, erfährt die Öffentlichkeit deshalb immer nur zeitversetzt in den offiziellen Berichten der US-Börsenaufsicht SEC. Und dann ist es fürs Nachmachen meistens zu spät – denn einer der eisernen Grundsätze von Buffett lautet, Aktien und Firmen am besten dann zu kaufen, wenn sich niemand sonst für sie interessiert. Genau aus diesem Grund wird Buffett auch gern außerhalb der Börsen aktiv. So sorgt er zurzeit damit für Aufsehen, dass er systematisch Lokalzeitungen in den USA aufkauft und damit viele Millionen ausgerechnet in eine Branche investiert, die gerade in einer handfeste Krise steckt. Über 70 Zeitungsverlage gehören dem Milliardär inzwischen. Wie es heißt, hält er sich freilich aus redaktionellen Entscheidungen raus.

Eines ist Buffett allerdings nicht: ein echter Hellseher. So wollte auch der Starinvestor vom Hype in der Ölindustrie profitieren, der in den USA mit dem Aufschwung der hochgiftigen Fracking-Methode eingesetzt hat. 2013 zahlte das „Orakel von Omaha" 3,7 Milliarden Dollar für eine Beteiligung am Ölriesen Exxon. Doch dann starteten 2014 die Opec-Staaten, allen voran Saudi-Arabien, einen Gegenangriff auf den Frackingboom Nordamerikas und fluteten den Weltmarkt mit billigem Öl. Plötzlich brach der Ölpreis um die Hälfte ein, die Produktion in weiten Teilen der Frackingindustrie wurde unrentabel. Daraufhin warf Buffett alle Ölaktien wieder aus dem Depot.

Diesmal blieb für ihn der große Gewinn aus – doch einen Verlust machte der Mann, der mit der Arbeit anderer Milliarden scheffelt, bei diesem Deal auch nicht.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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