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The Day After

17.03.2019

Trockenheit, Stürme, Fluten und Massenmigration – der Klimawandel ist real und seine Folgen werden Gesellschaft, Politik und Wirtschaft vor enorme Herausforderungen stellen. Auch in Europa. Wie sich KMU den Folgen des Klimawandels stellen und warum die Veränderungen auch wirtschaftlich Chancen bieten.

Leo Hillinger
Ernst Gugler
KLIMARISIKEN – KATASTROPHE ODER CHANCE?

Wir haben gemeinsam mit Marketagent.com bei Österreichs KMU nachgefragt:
MARKETAGENT.COM
Digitale Markt- und Meinungsforschung

Erwarten Sie, dass sich der Klimawandel mitsamt seinen Folgen in den nächsten Jahren negativ auf Ihr Unternehmen auswirken wird?  

Setzt Ihr Unternehmen gezielt konkrete Maßnahmen, um Ursachen des Klimawandels (CO2- Emissionen, Energieverbrauch usw.) zu reduzieren?
18% Nein   82% Ja

 

An der Onlineumfrage haben 33 Unternehmer teilgenommen.

Könnten sich aus den Herausforderungen des Klimawandels neue Geschäftschancen für Ihr Unternehmen ergeben?
45% Nein  55% Ja

 

 

Text: Stephan Strzyzowski

„Die Globale Erwärmung wurde von und für die Chinesen erfunden, um die US-Produktion wettbewerbsunfähig zu machen.“ Eine Aussage, die niemand Geringerer als der amerikanische Präsident Donald Trump getätigt hat. Nun ist der Republikaner weder für seine feine Klinge, noch für besonders diplomatische Statements bekannt; trotz allem ist er der mächtigste Mann der Welt und entscheidet über den Kurs einer Wirtschaftsmacht, die einen enormen Hebel in der globalen Klimafrage besitzt. Theoretisch. Doch von seiner Seite ist wohl keine ökologische Trendwende zu erwarten. Er setzt lieber auf den Abbau von Kohle und auf Fracking. Auch in anderen Teilen der Welt entwickelt sich die Lage aus Umweltsicht in die falsche Richtung. Während in Indien, China und Afrika die Bevölkerungsexplosion voranschreitet, werden laufend neue Kohlekraftwerke errichtet, um den enormen Energiehunger von Industrie und Menschenmassen zu decken. Anstatt zu sinken, steigt der Ausstoß von Treibhausgasen und damit die Erderwärmung. Eine Negativspirale mit unabsehbaren Folgen. Was kann da schon der Einzelne ausrichten? Doch wissen Unternehmer überhaupt um die drohenden Gefahren für ihre Geschäftsmodelle? Planen manche vielleicht bereits voraus oder sehen die Entwicklung sogar als Chance, um neue Geschäftsmodelle aufzuziehen?

ZAHLEN, ZAHLEN, ZAHLEN

Zunächst ein paar nüchterne Fakten vom Umweltbundesamt. Eine Institution, die mit ihren Arbeiten explizit Entscheidungsgrundlagen liefern soll, um den Herausforderungen an der Schnittstelle von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft vorausschauend zu begegnen, Risiken zu erkennen und Chancen zu nutzen – abseits ideologischer Grabenkämpfe. Die Experten stellen auf ihrem Informationsportal im Netz allen alternativen Fakten zum Trotz ausdrücklich fest, dass der Klimawandel "kein Zukunftsszenario mehr ist, er findet vielmehr bereits statt." Und zwar nicht irgendwo, sondern auch bei uns. Der Alpenraum sei sogar besonders stark betroffen: Hier stieg die durchschnittliche Jahrestemperatur in den letzten 170 Jahren belegbar um rund 2 °C an. Eine Erhöhung, die deutlich über dem weltweit verzeichneten Temperaturanstieg von 0,85 °C liegt. Die Folgen sind laut den Experten vermehrt auftretende Hitze- und Dürreperioden, schmelzende Gletscher- und Permafrostflächen, zunehmende Starkniederschläge, Änderungen in den Vegetationsperioden und die Zuwanderung wärmeliebender Arten.

WER HAT DIE HEIZUNG ANGEDREHT?

Nun wenden Kritiker gerne ein, dass es immer wieder natürliche Schwankungen des Klimas gab. So weit korrekt. Doch die heute beobachtete globale Erwärmung hat es in der Geschichte laut Umweltbundesamt zuvor noch nie gegeben. Das Klima habe sich erst seit Beginn der Industrialisierung so stark erwärmt. Erklärbar sei dies nur durch die vom Menschen verursachten Treibhausgase in der Atmosphäre. Diese lassen kurzwellige UV-Strahlung der Sonne ungehindert durch, halten aber die langwellige Infrarotstrahlung der Erde zurück. Seit der industriellen Revolution steigt nun die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre an und verursacht eine globale Erderwärmung. So viel zur Physik.

Auf der Suche nach den Schuldigen wird man rasch fündig. Hauptverantwortlich sind Treibhausgase aus der Nutzung fossiler Energien für Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Energie und Industrie. Kurz gesagt: Es ist die Art,wie wir leben. Eine Information, die nicht gerade neu ist. Problem erkannt, Gefahr gebannt? Im Gegenteil. Die Treibhausgasemissionen in Österreich sind von 2016 auf 2017 sogar um 3,3 % gestiegen und liegen bei 82,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, wie die Treibhausgasbilanz des Umweltbundesamtes für das Jahr 2017 belegt. Die ausschlaggebenden Faktoren für diese nachteilige Entwicklung sind die Steigerung des Einsatzes fossiler Energieträger im Energie- und Industriebereich sowie die Steigerung bei der Nachfrage nach Gütertransport. 2017 ist es also nicht gelungen, das Wirtschaftswachstum vom Einsatz fossiler Energieträger zu entkoppeln. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, weswegen für die Zukunft immer wieder ambitionierte Ziele mit weniger ambitionierten Budgets und noch weniger ambitionierten Sanktionen festgelegt werden. Eines dieser Ziele lautet: Bis 2030 soll Österreich seine Emissionen um 36 % gegenüber 2005 außerhalb des Emissionshandels reduzieren. Dafür wären allerdings weitreichende Transformationsschritte zur Verminderung des Einsatzes fossiler Energie erforderlich. Ob es dazu kommt, steht noch mehr oder weniger in den Sternen. Noch brennt ja nicht der Hut. Zumindest nicht in Europa. Während die Industrieländer ungeschoren am meisten zum Klimawandel beigetragen haben, leiden Menschen in Ländern des globalen Südens bereits jetzt unter dessen Folgen. Eine neue Studie der NGO Oxfam unterstrich dies nun mit Zahlen: So mussten in den Jahren 2008 bis 2016 pro Jahr durchschnittlich 14 Millionen Menschen aus ärmeren Ländern ihre Wohnorte wegen Unwetterkatastrophen verlassen. 2018 mussten laut dem Bericht 23,5 Millionen Menschen wegen des Klimawandels flüchten. Diese Zahl könnte in Zukunft noch weit höher werden. Und das logische Ziel der Bewegung ist der Norden.

EIN THEMA – AM RAND

Angesichts dieser Fakten müsste doch eigentlich Alarmstimmung herrschen. Müsste. Doch noch läuft bei der überwiegenden Zahl der Unternehmen das business as usual. Zu wenig sind die Auswirkungen im täglichen Leben und im Geschäftsalltag bei uns zu spüren. Noch. „Der Klimawandel ist aktuell tatsächlich nur ein Thema am Rande“, meint der Nachhaltigkeitsexperte Prof. René Schmidpeter. Viele Betriebe befassen sich zwar bereits intensiv mit Energiefragen oder stellen den Fuhrpark um, aber die Tragweite für ihr Kerngeschäft hätten erst wenige erfasst, meint der Direktor des Center for Advanced Sustainable Management der Cologne Business School.

Auch Prof. Reinhard Altenburger befasst sich seit Jahren mit dem Themenkreis CSR und Innovation, allerdings an der IMC Fachhochschule Krems. In seinen Gesprächen mit Unternehmen beobachtet er mittlerweile eine sehr intensive Auseinandersetzung mit Klimafragen. Allerdings wüssten viele Unternehmen noch nicht, wie etwaige Konsequenzen des Klimawandels für sie aussehen könnten. Doch die Betroffenheit sei grundsätzlich hoch. Treiber sind laut Altenburger die mittelständische Werte-Orientierung und eine sensible Auseinandersetzung mit der eigenen Region. Wie feinfühlig Unternehmer reagieren, hängt seiner Beobachtung nach auch immer von der jeweiligen Branche ab. Landwirte hätten solche Veränderungen etwa seit jeher auf der Agenda.

ES RAPPELT IM KARTON

Aktuell herrscht in unseren Breiten scheinbar noch Frieden, doch die Lage ist trügerisch. Viele Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle befinden sich nämlich bereits in einem tiefgreifenden Wandel – und zwar auf globaler Ebene. Heimische Unternehmen mischen etwa in führenden Positionen der Autoindustrie als Zulieferer mit. Doch wie lange diese „alte Industrie“ noch so bedeutend sein wird, sei laut Prof. Schmidpeter fraglich. Immer stärker greifen mittlerweile Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit ineinander. Gerät eine Industrie erst in den Umbruch, weil die Konsumenten sich neu orientieren oder weil der Gesetzgeber stärker eingreift, werden auch Lieferketten neu strukturiert. Eine Situation, in der Mittelständler, die von großen Playern abhängen, unter die Räder geraten könnten.

Hier müssten sich laut Prof. Altenburger heimische Unternehmer zeitgerecht Gedanken machen, wie Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen könnten. Verschiedene Szenarien durchzuspielen könne kein Fehler sein.

Davonlaufen ist nicht der richtige Ansatz, Leo Hillinger

KEIN LICHT OHNE SCHATTEN

So groß die Herausforderungen, so tiefgreifend die Umbrüche auch sein mögen – zeitgleich entstehen auch neue Geschäftsfelder und Chancen. Österreich ist die Heimat vieler Technologieführer aus den unterschiedlichsten Bereichen. Und manche ihrer Spezialisierungen können in einer veränderten Umwelt enorm an Bedeutung gewinnen. Prof. Schmidpeter nennt exemplarisch Kompetenzen im Bereich der Wasseraufbereitung. Doch man muss nicht einmal an Dürren in fernen Ländern denken. Schon jetzt und vor allem auch hierzulande finden sich Geschäftschancen, die auf der Hand liegen. Laut Prof. Altenburger zeichnet sich etwa eine gesteigerte Nachfrage nach Klimaanlagen, Beschattungstechnik und Pools infolge der Hitzerekorde ab.

WO DIE MUSIK SPIELEN WIRD

Während es bei uns noch um Abkühlung geht, werden Umweltverschmutzung und Klimawandel in Asien schon jetzt zum echten Problem. Viele der Megacitys mit Abermillionen Einwohnern versinken im Smog. Entsprechend groß ist der Druck, Lösungen zu finden. Auch vonseiten der Politik, die immer restriktivere Vorgaben stellt. So hat China etwa ein Plastikimportverbot erlassen und das Thema der Elektromobilität genießt aufgrund der Luftverschmutzung ebenfalls einen höheren Stellenwert. Mehr als 50 Autounternehmen befassen sich alleine in China mit dem Thema. Herausforderungen, bei denen europäische Firmen mit ihrem Know-how mitmischen können. Doch sie müssten auch darauf achten, nicht den Anschluss zu verlieren und dürften sich nicht nur nach Europa orientieren, meint der Experte. Klar ist: Der Wettlauf um Ressourcen und geostrategische Vormachtstellungen geht trotz aller Probleme unverdrossen weiter, wie auch die Positionierung von China in Afrika zeigt. „Und während die Chinesen und Amerika Geopolitik machen, befasst sich Europa mit dem Brexit“, kritisiert René Schmidpeter.

WERTE ALS EXPORTSCHLAGER Seiner Ansicht nach wäre jetzt der Moment für Europa gekommen, um richtig aufzuzeigen. „Wir sind die Erfinder der ökosozialen Marktwirtschaft“, pocht der wissenschaftliche Leiter des CSR Dialogforums auf europäisches Know-how. Dieses Wissen müsse jetzt in Geschäftsmodelle und Produkte einfließen und ein Exportmodell werden. „Jetzt könnte Europa einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft liefern und eine in Wirtschaftsmodelle gegossene Werthaltung exportieren. Das wäre unser Beitrag für die Welt“, gibt sich Prof. Schmidpeter visionär. „Die Asiaten wollen sich nachhaltig entwickeln. Sie wollen von uns lernen, wie eine soziale, ökologische Marktwirtschaft funktioniert.“

Ein Gedanke, der hoffen lässt. Doch schon in Österreich selbst gibt es jede Menge Hausaufgaben zu erledigen und von ökologischer Marktwirtschaft ist auch die Alpenrepublik noch weit entfernt.

KATASTROPHE ODER WACHSTUMSFELD?

Welchen Stellenwert das Thema im Alltag heimischer Unternehmen hat und wie sie selbst Chancen und Risiken bewerten, wollen wir von den Betroffenen selbst erfahren und fragen zunächst online bei heimischen KMU nach (siehe Kasten Seite 12). Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Österreichs Unternehmer sind sich der Herausforderungen durchaus bewusst und sie stellen sich auf Probleme ein. 42 Prozent erwarten, dass sich der Klimawandel mitsamt seinen Folgen in den nächsten Jahren negativ auf ihr Unternehmen auswirken wird. 45 Prozent meinen aber auch, dass sich aus den Herausforderungen des Klimawandels neue Geschäftschancen für ihr Unternehmen ergeben könnten und beachtliche 82 Prozent setzen aktiv Maßnahmen, um den Klimawandel einzudämmen.

AWARENESS IM PRAXISCHECK

Woran konkrete Befürchtungen, aber auch Maßnahmen geknüpft sind, erfahren wir von einem Unternehmer, dessen Geschäftsmodell von Wetterkapriolen sehr unmittelbar betroffen ist. Der burgenländische Starwinzer Leo Hillinger nimmt sich sofort Zeit, um über seinen Zugang zum Klimawandel zu sprechen. Das Thema sei ihm wirklich wichtig, meint er. Und zu leugnen gäbe es da nichts mehr. „Der Klimawandel ist da! 1997 war ein Jahrgang, der im Rotweinbereich alles umgeworfen hat“, sagt Hillinger und zählt auf. „1999, 2000, 2003, 2006, 2009 und 2011 – das waren alles super heiße Jahre.“ Im Rotweinbereich wäre die Hitze positiv, die Trockenheit sei aber auch ein Problem, wenn man nicht bewässern will, erklärt Hillinger. Aus Sicht des Winzers sind heiße Jahre gleichzeitig Segen und Fluch. Weißwein müsse man jetzt in den Nordhang pflanzen. Trockenheit und Hitze hätten für den Weinbau allerdings auch positive Seiten: weniger Pilze. Dafür müsse man die Weinreben beschatten. Sonst gäbe es Sonnenbrand. Wirklich prekär sei die Lage dagegen bereits international, in Südafrika etwa, wo der Wassermangel immer größer wird. Auch in Südeuropa macht sich diese Entwicklung laut Hillinger bemerkbar. Er selbst behält einen kühlen Kopf und versucht sich optimal auf die neuen Verhältnisse einzustellen. „Ich habe meine Schäfchen im Trockenen. Bei der Auspflanzung muss ich halt intensiver überlegen, welche Sorten ich in welche Lagen setze.“

ANALYSIEREN, ADAPTIEREN, VORAUSPLANEN

Herausforderungen, mit denen man sich auch bei der Brau Union konfrontiert sieht. Gabriela Maria Straka, Leitung Kommunikation & CSR, erwartet in den nächsten Jahren vor allem auf die Rohstoffseite Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäftsmodell. Kälte, Hitze und Trockenheit beeinflussen Wachstum und Qualität der Braugerste. Nun ginge es darum, die richtigen Sorten zu verwenden. Sowohl Anbau als auch Sortenauswahl hätten sich bereits stark gewandelt. Da sei Qualitätssicherung gefordert. Gemeinsam mit Lieferanten und Partnern gilt es, Optimierungen vorzunehmen, damit heißeres Wetter die Gerste nicht benachteiligt. Vor allem, weil Getreide der wichtigste Rohstoff von Bier ist und die Brau Union davon aus Oberösterreich bezieht. Davon wolle man nicht abgehen. Regionalität und hohe Qualität aus Österreich stehen im Zentrum. „Wenn sich das Klima ändert und sich auf die Ernten auswirkt, muss man sich zeitgerecht Gedanken machen“, erklärt Straka. Neben diesen Herausforderungen sieht sie auch neue Chancen. Wenn es immer öfter heiß ist, greifen die Menschen öfter zu alkoholfreien Getränken, was alkoholfreiem Bier und Radler zu ordentlichen Wachstumsraten verholfen hat. „Vor zehn Jahren war das kein Thema. An den Radler hat niemand geglaubt“, erzählt Gabriela Maria Straka. Heute liegt er bei 10 Prozent. Man müsse einfach auf die Wünsche und Vorstellung der Konsumente reagieren.

Mit einer CO2- Steuer würde sich das Spiel schnell ändern, Ernst Gugler

ANPASSUNGSFÄHIGKEIT GEFRAGT Auch Leo Hillinger reagiert und stellt sich darauf ein. Er will sich biologische und technische Maßnahmen ausdenken. In Zukunft wird er mit Beschattungsnetzen arbeiten, die auch vor Hagel schützen. Sein Ansatz lautet ebenfalls: „Auf die Veränderungen einstellen. Davonlaufen ist nicht der richtige Ansatz.“ Die Menschheit habe sich schließlich immer angepasst. Seine Produktion in den Norden zu verlagern könne er sich nicht vorstellen. „Da lüge ich mich an“, sagt Hillinger. „Ich bin kein Deutscher.“ Auf Süditalien und Spanien sieht er massive Probleme zu- Mit einer CO2- Steuer würde sich das Spiel Ernst Gugler schnell ändern kommen. Dafür ist sich Hillinger sicher, dass es auch in Holland und Schweden Weinbau geben wird.

AB IN DIE LUFT

300 Kilometer von den sonnigen Hügeln im Burgenland entfernt liegt Ried im Inkreis – der Heimatort von FACC. Das Unternehmen ist weltweit führend in Design, Entwicklung und Fertigung von Komponenten und Systemen für die Aerospace-Industrie. Wer in einem Flugzeug sitzt, hat gute Chancen, mit Produkten der Rieder Firma in Kontakt zu kommen. So erfolgreich das Hightechunternehmen auch ist, die gesamte Branche kann ihren Anteil am Klimawandel nicht leugnen.

Entsprechend groß ist das Engagement bei FACC, seinen Teil beizutragen. „Wir befürworten und unterstützen als Technologiepartner der globalen Aerospace-Industrie alle Aktivitäten der Flugzeug- und Triebwerkshersteller, um den Klimaschutz im Flugverkehr zu erhöhen“, erklärt CEO Robert Machtlinger. Die Luftfahrtindustrie hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 bei einer prognostizierten Verdreifachung der Passagiere den CO2-Ausstoß zu halbieren. FACC will dazu einen Beitrag leisten und Flugzeuge umweltfreundlicher machen. Dabei steht die Treibstoffreduktion im Zentrum. Eine verbesserte Aerodynamik und geringere Fertigungstoleranzen in der Oberfläche bringen höhere Effizienz und ermöglichen geringeren Treibstoffverbrauch. Ähnliches gilt auch für das Gewicht der Komponenten. Effiziente und leichte Bauteile reduzieren nicht nur den Treibstoffverbrauch, sondern liefern auch einen wesentlichen Beitrag zur Minderung des CO2-Ausstoßes im Flugverkehr. Eine wirtschaftliche Win-win-Situation.

Doch das Unternehmen denkt bereits weiter und arbeitet an Mobilitätstechnologien von morgen, die auch Faktoren wie Luftverschmutzung und Verkehrschaos in großen Metropolen berücksichtigen. FACC entwickelt Lösungen für den individuellen Luftverkehr der Zukunft und erforscht neue Technologien und Konzepte für autonome Luftfahrzeuge. Grundlage sollen umweltfreundliche Elektroantriebe sein. Prognosen zufolge wird 2030 rund eine Milliarde Menschen mehr in urbanen Regionen leben als heute. Auch infolge klimatischer Veränderungen. Laut einer Studie von Roland Berger besteht in den nächsten Jahren ein Bedarf von Lufttaxis im Wert von 32 Milliarden Euro – so sehen Wachstumsmärkte aus.

WENN DER KUNDE ÖKO FORDERT

Zurück auf ebener Erde, nur einen Steinwurf vom Stift Melk entfernt, befindet sich die Firma Gugler. Ernst Gugler ist ein echter Nachhaltigkeitspionier und auch ein ökologischer Vordenker. Für den Gründer der Druckerei, die zum Kommunikationshaus mutiert ist, steht fest: „Der Klimawandel wird sich mit Sicherheit auf unser Unternehmen auswirken.“ Schlicht weil er für die Konsumenten schmerzhaft spürbar und damit endlich sichtbar werden wird. Das wiederum werde zu einem rapiden Bewusstseinswandel führen, hofft Gugler. Konsumenten werden vermehrt nachhaltig, klimafreundlich und fair produzierte Produkte nachfragen und genau hinsehen, inwiefern die Unternehmen dahinter auch wirklich nachhaltig handeln. Das werde natürlich auch seine Kunden betreffen, meint der Unternehmer. Wer sich auf diese Nachfrageverschiebung frühzeitig vorbereite, habe gute Überlebenschancen am Zukunftsmarkt „Nachhaltigkeit“. Vor allem, wenn Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit der Absichten gegeben sind. Indizien für diesen Wandel sieht der Niederösterreicher etwa im Schritt der Verlagsgruppe Random House, die vor Kurzem bekanntgegeben hat, die „ökologische Wende“ einzuleiten. 2018 hat sie das erste Cradle to Cradle-produzierte Buch herausgegeben. Printed by gugler, wie der Unternehmer stolz berichtet. Nun sollen weitere Titel in Cradle to Cradle produziert werden. Cradle to Cradle-produzierte Druckprodukte sind für den biologischen Kreislauf optimiert und damit unschädlich für Mensch und Natur.

ÖKOLOGIE MUSS SICH LOHNEN

„Derzeit ist Umweltschutz, wie wir ihn seit nunmehr 30 Jahren betreiben, leider nur eine freiwillige unternehmerische Leistung“, kritisiert Gugler. Weder das Steuersystem noch der Markt würden ökologisches Handeln von Unternehmen belohnen. „Mit einer CO2-Steuer würde sich das Spiel jedoch schnell ändern. Dann würde eine Partnerschaft mit einem klimapositiven Betrieb nicht nur Umwelt-, Image- und Glaubhaftigkeitsvorteile mit sich bringen, sondern auch monetären Benefit, weil unsere positive CO2-Bilanz automatisch die Scope-3-Bilanz aller gugler-Kunden verbessert“, erklärt der Niederösterreicher. Doch noch dominiere „billiger, billiger“ das Einkaufsverhalten. Aber das steigende Bewusstsein der Konsumenten werde den Nachfragedruck auf B2C-Unternehmen empfindlich erhöhen und diese werden den ökologischen Druck wiederum an ihre B2B-Zulieferer weitergeben. Eine Aufwärtsspirale, die sich bereits zu drehen beginnt – wenn auch recht langsam. Was die Beispiele der Betriebe zeigen: Selbst wenn die Herausforderung global erdrückend zu sein scheint, finden heimische Unternehmer konstruktive Ansätze, sie leisten ihren Beitrag und passen sich an. Eine Fähigkeit, die in Zukunft wohl immer öfter gefragt sein könnte.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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