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Daten sind das Öl der Zukunft

05.06.2019

Das Potenzial der Digitalisierung ist für die fertigende Industrie enorm. Neben der Vernetzung von technischen Abläufen kann damit auch der Fachkräftemangel eingedämmt werden.

Wolfgang Rathner, Geschäftsführer Fill
Martin Berger, Geschäftsführer Eplan

Vor allem international tätige Unternehmen kennen die Situation: An einem Produktionsstandort – sagen wir in Schanghai – tritt ein Problem in der Fertigung auf. Eine Maschine funktioniert plötzlich nicht mehr ordnungsgemäß, ein Produkt ist fehlerhaft oder es tauchen Unregelmäßigkeiten im Produktionsablauf auf. Ein Stillstand der Produktion, um sich auf Fehlersuche zu begeben, ist richtig teuer. Und auch wenn die Ursache des Fehlers rasch gefunden wird: Die internationale Kommunikation zwischen Produktionsstandort und Headquarter frisst nicht nur weiter wertvolle Zeit – sie ist ebenso anfällig für Fehler, Missverständnisse und Verzögerungen.

„Früher haben wir Protokolle und Pläne auf Papier hin- und hergeschickt.“

Wolfgang Rathner, Geschäftsführer Fill

„Früher haben wir Protokolle und Pläne auf Papier hin- und hergeschickt, die Fehler dokumentieren und ausbessern sollten. Verschiedenes konnte dabei aber vergessen werden oder die Kommunikation hat zum Teil nicht funktioniert“, sagt Wolfgang Rathner. Er ist Geschäftsführer des oberösterreichischen Maschinen- und Anlagenherstellers Fill, der im Bereich der Ski- und Snowboardproduktionsmaschinen sowie in der Aluminium-Entkerntechnologie als Weltmarktführer gilt. Ein Zustand, der nach Optimierung verlangt hat. Weswegen das Unternehmen die Vorteile der Digitalisierung nutzen wollte – in der Konstruktion und bei der internationalen Zusammenarbeit.

Dokumentation auf Papier hat ausgedient

Als einer der ersten Pilotuser testet Fill dafür eine neue Softwarelösung der Eplan Software & Service GmbH, die CAE-Dienste zur Optimierung von Produktentstehungsprozessen entwickelt. Grundlage dieser Software namens eView ist ein Cloudsystem, in dem sämtliche Originaldokumentationen von Schaltplänen gespeichert sind. „Derzeit wird die Dokumentation von Maschinen und Anlagen vielfach noch als Papierdokumentation im Schaltschrank abgelegt. Die Suche nach Fehlern in einer häufig mehr als 500 Seiten umfassenden Dokumentation gestaltet sich demnach schwierig und äußerst zeitaufwendig“, erklärt Martin Berger, Geschäftsführer der österreichischen Eplan-Niederlassung in Amstetten. Ziel des neuen Systems ist ein papierloser Workflow, der nicht nur kostengünstiger ist, sondern auch die Qualität steigert. „Hinzu kommt, dass Änderungen an der Maschine und an den Anlagen oftmals nicht dokumentiert wurden und im Fall einer Störung das Instandhaltungspersonal auf nicht aktuelle Daten und Dokumente zugreift“, so Berger.

Weltweite Dateneinsicht

Vor allem für Unternehmen, die an verschiedenen Standorten produzieren, ist der weltweite Zugriff auf die Daten ein wesentlicher Vorteil. Eine Anforderung, die über ein System namens eView gelöst werden kann. Künftig können Mitarbeiter von Fill darüber weltweit in die Clouddaten Einsicht nehmen und so Fehlerursachen schneller finden und beheben. Dazu Rathner: „Die Mitarbeiter schauen sich über die Cloud die Schaltpläne an und bessern den Fehler vor Ort aus. Dieser Vorgang wird gleichzeitig hier in Österreich kontrolliert und freigegeben. Damit ist das Änderungsmanagement vollzogen“.

„Die Dokumentation wird vielfach noch im Schaltschrank abgelegt.“

Martin Berger, Geschäftsführer Eplan

Ein Lösungsansatz, der auf hohe Resonanz stößt. Zu den Kunden von Eplan zählen namhafte Unternehmen aus der österreichischen Industrie genauso wie auch Klein- und mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. „Unsere Produkte sind quer durch die technische Industrie im Einsatz. Vom Kraftwerkbetreiber über Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau bis hin zur Pharmaindustrie oder auch produzierende Unternehmen nutzen unsere Software“, meint der Geschäftsführer. Eines haben die Produkte von Eplan gemein: Sie sorgen dafür, dass Daten nicht mehr verloren gehen. „Daten sind das Öl der Zukunft. Mit unseren Systemen können sie optimal genutzt werden“, erklärt Berger. Doch die Digitalisierung bietet noch weitere Möglichkeiten, vor allem für die Industrie. Denn mit ihr kann auch das aktuelle Problem des Fachkräftemangels gelöst werden.

Fachkräftemangel lösen

Wie die Studie des Beraters EY „Fachkräftemangel im österreichischen Mittelstand“ zeigt, suchen die heimischen Unternehmen weiter händeringend nach Fachkräften. Der Anteil der Betriebe, die laut eigener Aussage große Probleme bei der Rekrutierung haben, liegt seit 2018 gleichbleibend bei 30 Prozent. Zum Vergleich: Fotos: LuckyStep48 / Getty Images, beigestellt 2015 waren es noch 15 Prozent. Die Lösung dafür liegt laut Berger im Einsatz sogenannter Konfiguratoren: „Ein Unternehmen kann sich damit eine einfache Eingabemaske konfigurieren, das Engineering läuft dann im Hintergrund ab.“ Das bedeutet, dass die Aufgaben vereinfacht werden und nicht mehr ausschließlich von Ingenieuren durchgeführt werden müssen.

Cloudsysteme im Vormarsch

In welche Richtung gehen die künftigen Entwicklungen? Ein weiterer Schwerpunkt liegt für Eplan im Ausbau der Cloudsysteme – und somit auch im Teilen von Daten auf internationaler Ebene. „Wir wollen Daten, Projekte, Disziplinen sowie Ingenieure weltweit zusammenbringen. Kunden und Lieferanten können über eine digitale Plattform Projektdaten teilen und voneinander lernen“, sagt Berger.

 

Autor/in: 

MARKUS MITTERMÜLLER

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