Direkt zum Inhalt
Gregor Deix

Das Thema Kreditklemme haben wir hinter uns gelassen

23.05.2016

Gregor Deix ist Leiter des Segments Firmenkunden bei der Erste Bank. Warum er Mitbewerber immer ernst nimmt, sich vor Fintech-Startups nicht fürchtet und warum KMU nicht immer nur an klassische Kredite denken sollten, erklärt er im Interview.

Innovation und verändertere Rahmenbedingungen - Wie müssen die KMU ihre Finanzen an die neuen Gegebenheiten anpassen?

Die Finanzplanung unterliegt deutlich kurzfristigeren Zyklen. Die Märkte sind aufgrund der Globalisierung und Technologisierung deutlich schnelllebiger geworden und Unternehmen müssen das auch in ihrer Planung berücksichtigen.

Liquidität ist der Schlüssel, um rasch auf aktuelle Gegebenheiten reagieren zu können. Wie sollte man vorgehen?

Gerade in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gilt „cash is king“. Ein gutes Cash-Management ist gerade für KMU Pflicht, um nicht ungewollt in Zahlungsschwierigkeiten durch veränderte Marktgegebenheiten zu schlittern. Aber auch die Sicherstellung termingerechter Zahlungen durch Kunden und die Optimierung der Zahlungskonditionen bei Lieferanten sind wichtig, um die Liquidität des Unternehmens zu schonen.

Wer nicht in Innovation oder die Optimierung von Prozessen investiert, verliert heute rasch den Anschluss. Wie können sich KMU zeitgerecht den Zugang zu Investitionskapital sichern?

Kredite sind günstig wie nie und auch die Mittel sind ausreichend vorhanden. Wichtig ist aber auch, dass die Finanzkennzahlen und Aussichten der Unternehmen stimmen, dann ist eine klassische Finanzierung von Investitionen kein Problem. Das Thema Kreditklemme geistert zwar noch immer durch die Medien, aber diese haben wir schon seit Jahren hinter uns gelassen. Zudem sollte man bei Unternehmensfinanzierungen nicht immer nur an Kredite denken, hier gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten, die von Leasing, Factoring über Mezzanin-Kapital bis hin zu Anleihen oder Beteiligungen reicht. Was die beste Möglichkeit ist, lässt sich aber nur im Einzelfall entscheiden.

Disruptive Geschäftsmodelle konkurrieren mit vielen klassischen Unternehmen, auch mit Banken. Wie sieht Ihr Rezept aus, um auch noch in zehn Jahren mitzuspielen?

Ein Unternehmen muss immer in Bewegung bleiben und darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, dann behauptet man sich auch am Markt. Die Erste Bank Österreich wurde 1819 gegründet, wir haben also bald 200 Jahre Markterfahrung und dabei sind uns schon einige disruptive Geschäftsmodelle begegnet. Wir nehmen Mitbewerber immer ernst und stellen uns auch mit eigenen Innovationen darauf ein. Das hat uns die vergangenen Jahrhunderte so erfolgreich gemacht und wird auch in Zukunft unseren Erfolg gewährleisten.

Sind Fintech-Startups, die klassische Banken ablösen wollen, eine Konkurrenz?

Es gibt einige sehr innovative Startups in dem Bereich, die wirklich gute Einzellösungen bieten. Wir beobachten den Markt sehr genau und entwickeln uns ebenfalls weiter. Wir haben schon vor einigen Jahren unser „Corporate Startup“ gegründet um hier am Ball zu bleiben. Mit dem Erste Hub konnten  wir digitales Banking in Österreich revolutionieren und haben bei George bereits über eine halbe Million Nutzer.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Meldungen
13.08.2019

Warum die meisten Arbeitnehmer kleinere Unternehmen bevorzugen – und ihnen treu bleiben und wie KMU diesen Vorteil nützen können.  

Meldungen
29.05.2019

Die EU benötigt pro Jahr zusätzliche 180 Mrd. Euro zur Finanzierung ihrer Umweltpläne. Weil die Steuereinnahmen nicht reichen, sollen private Gelder in nachhaltige Anlagen umgelenkt werden. 

Meldungen
29.04.2019

Erste Bank und Sparkassen bieten ihren Kunden ab sofort Apple Pay. Damit soll mobiles Bezahlen nicht nur einfach und sicher sein, sondern auch schnell und bequem. Egal ob iPhone, Apple ...

„70 Prozent der Unternehmen sehen in der Digitalisierung eine Chance", sagt Stefan Dörfler, CEO der Erste Bank Oesterreich.
Meldungen
27.03.2019

Die Erste Bank hat gemeinsam mit dem  Meinungsforschungsinstitut IMAS eine KMU-Umfrage gemacht und nach Investitionsvorhaben, Stimmung und Entwicklungen wie dem Brexit gefragt. 

Wolfgang Eder, Voestalpine
Stories
26.02.2019

Die Beteiligung der Mitarbeiter am ­Unternehmen kann für KMU lohnend sein – doch weil sie anders sind als Aktiengesellschaften, gibt es auch andere Nachteile.

Werbung