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„Das Nichtstun habe ich verlernt.“

05.09.2013

Disziplin: Warum diese für Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler-Mauthner ein Erfolgsrezept ist und sie erst gar nicht auf Idee kam, sich gehen zu lassen.

Interview: Stephan Strzyzowski

Sie leiten das Sacher, die Spanische Hofreitschule, sitzen im Generalrat der Nationalbank, organisieren die Fete Imperial: Verdanken Sie diese Positionen Ihrer Rolle als perfekte Grande Dame?

Ich glaube nicht, dass es eine Rolle ist, die ich hier spiele. Man kommt vielmehr zu solchen Positionen, weil man ist, wie man ist. Und ich bin in einem großbürgerlichen Haus erzogen worden, wo Disziplin und absolute Pünktlichkeit großgeschrieben wurden. Auch in der Schule wurde Wert auf Haltung und Disziplin gelegt. Als ich Dressur geritten bin, musste ich ebenfalls Haltung bewahren. Durch die Ehe mit Peter Gürtler kam ich ins Hotel, wo genauso Disziplin erwartet wurde. Mein Leben verlief so, dass ich gar nicht auf die Idee kam, dass es anders sein könnte.

 

Ist Haltung für Sie heute ein Erfolgsrezept?

Haltung nein, Disziplin ja! Wenn man sich gehen lässt, wird man nicht erfolgreich sein. Die Umwelt erwartet von jedem, dass er die Leistung erbringt, die mit seiner Position und seiner Rolle einhergeht. Da bleibt einem fast nichts anderes übrig. Nicht nur, um erfolgreich zu sein, sondern auch deshalb, weil man nicht negativ auffallen will.

 

Läuft man da nicht Gefahr, sich zu stark an die Vorstellungen anderer anzupassen und konformistisch zu werden?

Sich nicht gehen zu lassen heißt nicht, angepasst
zu sein! Angepasst zu sein bedeutet, sich als eigene Person zu verleugnen. Die Persönlichkeit hat aber nichts damit zu tun, wie ich mich gerade fühle. Sie ist etwas in sich Stabiles, sie ist das, was einen ausmacht. Aber die Tagesverfassung, wie man sich fühlt und dann verhält, das hat mit Disziplin zu tun.

 

Empfinden Sie es als anstrengend, dass Sie immer funktionieren müssen, dass Sie permanent in der Auslage stehen?

Nein, anstrengend ist für mich, dass ich viele verschiedene Sachen mache, die sich mitunter zeitlich überschneiden. Ich versuche sie immer unter einen Hut zu bringen. Wenn es sich dennoch nicht ausgeht, dann entsteht Stress. Es ist für mich ein großes Problem, damit fertigzuwerden. Denn ich will in jeder Situation ruhig sein und mich auf sie einstellen, dem anderen zeigen, dass er jetzt gerade am wichtigsten ist.

 

Klingt, als wären Sie sehr perfektionistisch.

Total. Ich komme dann aus meinem Komfortbereich, wenn ich meine Aufgaben nicht mehr optimal erledigen kann.

 

Warum tun Sie sich dann so viele Aufgaben an?

Alles, was ich mache, empfinde ich als spannend und mache ich wirklich gerne. Ich bin eine begeisterte Hoteliersfrau! Seit ich fünf Jahre alt war, wollte ich mit Pferden und Hunden leben, jetzt habe ich die Chance, mich bei der Hofreitschule einzubringen und mein Hobby als Beruf auszuüben. Es interessiert mich auch sehr, in der Nationalbank zu sein. Ich mache alles mit Begeisterung. Aber mit zunehmendem Alter merke ich, dass ich mir schwerer tue, die Ruhe zu bewahren, dass ich leichter nervös werde, wenn sich etwas nicht ausgeht.

 

Wann können Sie denn ausspannen?

Das fällt mir sehr schwer. Es gibt Messgeräte, die
den Stresslevel anzeigen. Man sollte einen Wert unter 100 haben, und ich habe über 1.000. Das hat mich schon nachdenklich gemacht. Immer mehr Leute brauchen Fachleute, um runterkommen zu können. Ich kann es alleine nicht mehr. Das Nichtstun habe ich einfach verlernt.

 

Haben Sie ein Mantra für Stresssituationen?

Bleib ruhig! Mach aus der Situation das Beste! Eines nach dem anderen.

 

Muss man als Frau noch tougher und disziplinierter sein, um Erfolg zu haben?

Na ja, als Frau will man auf keinen Fall, dass jemand sagen kann: „Wie ist das Tschapperl dazu gekommen?"

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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