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WKW Präsident Walter Ruck ist sicher: "Umweltschutz wird immer dort groß geschrieben, wo auch Wohlstand ist."

"Das kann nicht im Interesse Wiens sein"

21.03.2017

Wirtschaftskammer Wien Präsident Walter Ruck glaubt noch an den Bau der dritten Piste am Flughafen Schwechat. Warum er noch hofft und wie er den Standort auf das nächste Level heben will, erklärt er im Interview.

Das Bundesverwaltungsgereicht hat aus ökologischen Gründen den Bau einer dritten Piste am Flughafen Schwechat gekippt. Welche Konsequenzen hat das für den Wirtschaftsstandort Wien?

Gravierende Konsequenzen. In Zeiten einer angespannten Arbeitsmarktsituation braucht die Wirtschaft investitionsfördernde Rahmenbedingungen, um wachsen und damit positiv auf Arbeitsplätze und Kaufkraft wirken zu können. Die mit der dritten Piste verbundene Kapazitätssteigerung würde zu einer Aufwertung des Wirtschafts-, Tourismus- und Kongressstandortes Ostösterreich führen. Dadurch würden tausende Arbeitsplätze in der Region entstehen. Das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts verhindert diese positive Entwicklung. Spätestens im Jahre 2025 erreicht der Flughafen seine Kapazitätsgrenzen. Die Absage an den Ausbau des Flughafens würde daher mittel- bis langfristig zu einer Verlagerung von Verkehrsströmen zu anderen, nahegelegenen Flughäfen, wie insbesondere Bratislava oder München, führen. Das kann nicht im Interesse Wiens sein. Diese Entwicklung schwächt den Wirtschaftsstandort Wien und seine Headquarterfunktion.

Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung generell auf zukünftige Infrastrukturprojekte? Man denke etwa an den Lobautunnel. Ist damit einer Ökokeule Tür und Tor geöffnet?

Davon gehe ich nicht aus, denn sonst könnten wir den Wirtschaftsstandort gleich zusperren. Emissions- und Umweltschutz sind ganz wichtige Ziele, zu denen sich Österreich auch verpflichtet hat. Es gibt aber viele Möglichkeiten ökologisch zu agieren. Aus meiner Sicht funktioniert Umweltschutz am besten, wenn wir den Standort weiterentwickeln, neue Technologien erforschen und die Wirtschaft generell wächst. Denn Umweltschutz wird immer dort groß geschrieben, wo auch Wohlstand ist.

Wenn es nun bei der Entscheidung bleibt: Wie könnte die Wirtschaft das Manko kompensieren?

Ich bin positiv eingestellt und wir gehen nach wie vor davon aus, dass die dritte Piste gebaut wird. Es gibt eine breite Allianz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die den Flughafenausbau befürwortet. Warten wir die Letztentscheidung ab.

Welche Maßnahmen forcieren Sie darüber hinaus aktuell, um den Standort für Industrie und KMU gleichermaßen attraktiv zu machen?

Es gibt eine Fülle an Projekten und Initiativen, die wir in jüngster Zeit als Wirtschaftskammer Wien angestoßen haben. So bemühen wir uns gerade intensiv um die Ansiedlung der European Medicines Agency in Wien. Diese muss nach dem Brexit aus London absiedeln. Gelingt uns dieser Coup, wird Wien mit einem Schlag zum Pharmazentrum Europas. Das hebt den Standort auf das nächste Level und schafft Arbeitsplätze und Wertschöpfung. In Sachen Rechtssicherheit für Unternehmer hinsichtlich Dienstvertrag/Werkvertrag haben wir unlängst ein eigenes Modell präsentiert. Das wurde vom Bund aufgegriffen und soll demnächst Gesetz werden. Künftig wird es keine überraschenden Umqualifizierungen der Gebietskrankenkassen und entsprechende Nachforderungen mehr geben. Damit erleichtern wir den unternehmerischen Alltag für zehntausende österreichische Unternehmer.

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