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Cyberwar-Kolumne: Du bist, was du nutzt

16.09.2020

Hinter der Technik, die wir nutzen, stehen Unternehmen, die immer öfter ins geopolitische Kreuzfeuer geraten. Als Nutzer unterstützt man somit immer eine bestimmte Haltung – ob bewusst oder nicht.

Haben Sie ein Huawei-Smartphone? Schau an. Nutzen Ihre Kinder TikTok? Ui. Haben Sie den Tor-Browser heruntergeladen? So was aber auch. Durchsuchen Sie das Internet mit Startpage oder DuckDuckGo? Interessant. Und verwenden Sie alternative Messenger-Dienste wie Signal oder das russische Telegram? Hmmm.

Schon damit unterstützen Sie, ob bewusst oder nicht, gewisse politische Haltungen. Denn immer öfter sind Tech-Anbieter wahlweise Akteure oder Spielbälle in geopolitischen Verwicklungen – oder gleich beides zusammen. Jedenfalls können Technologieunternehmen heute kaum noch „einfach so“ ihre Technik anbieten – Sie müssen zwangsweise Stellung beziehen, indem sie zum Beispiel gewisse Inhalte von Usern erlauben oder verbannen.

So lebt etwa der Gründer des russischen Messengers Telegram, Pawel Durow, schon eine Weile nicht mehr in Russland, wo er gar nicht gern gesehen ist. Schließlich weigert er sich hartnäckig, mit den Geheimdiensten zu kooperieren und bestimmte Gruppen zu sperren. Durow unterstützt zum Beispiel die Proteste in Weißrussland und teilte via Twitter mit, dass Telegram seine Anti-Zensur-Tools für Belarus aktiviert hat. So ist die App für die Protestierenden oft die einzige Möglichkeit, sich zu organisieren, denn in Belarus gibt es weitreichende Internetsperren. Auf der anderen Seite gilt Telegram als eine Art alternatives Darknet, wo­ auch kriminelle Machenschaften wie Drogen- und Waffenhandel sowie rassistische oder rechtsradikale Inhalte von den Betreibern nicht blockiert werden.

Schauplatzwechsel. Wenn Sie Huawei oder TikTok nutzen, sind Sie womöglich ein Amerika-Kritiker. Nun gut, das muss nun wirklich nicht sein, schließlich überzeugen die Geräte von Huawei mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, und TikTok gibt es ja auch kein zweites auf der Welt. Doch indirekt setzen Sie ein Statement, denn die USA bekämpfen diese beiden chinesischen Anbieter massiv mit der Begründung, dass der chinesische Staat diese Technologien für Spionage einsetzt. US-Außenminister Mike Pompeo hat sogar uns Österreichern bei seinem jüngsten Wien-Besuch ins Gewissen geredet, dass wir bitteschön die Finger von Huawei – in dem Fall von 5G – lassen sollen. Und TikTok wollen sich die USA gleich selbst einverleiben, indem sie die Plattform verbieten wollen, es sei denn, ein amerikanischer Anbieter würde sie kaufen. Nun dürfte es keinen Kauf geben, doch es sieht so aus, als würde Oracle der „Technologie-Partner“ in den USA werden.

Und welche politischen Handlungen setzten die guten alten US-Konzerne zuletzt? Googles Videokanal YouTube löschte etwa zwischen April und Juni rund 2500 Kanäle, die im Zusammenhang mit China stehen sollen. Laut YouTube sei dies im Rahmen der laufenden Untersuchung über koordinierte Maßnahmen zur Einflussnahme im Zusammenhang mit China erfolgt und um Falschinformationen auf der Plattform zu verhindern. Es sei vor allem „Spam mit unpolitischen Inhalten“ gelöscht worden, doch in einem kleinen Teil der gelöschten Kanäle soll es auch um politische Inhalte gegangen sein.

Es ist nicht leicht, die „richtige“ Technik zu wählen. Meiner Ansicht nach müsste sie genau die Dienstleistung anbieten, die ich brauche. Meine Inhalte müssten vor Spionage, Überwachung und Datenklau sicher sein. Dahinter müssten Werte stehen, die ich vertreten kann. Und es wäre auch noch ganz praktisch, wenn ich für die Nutzung nicht automatisch auf den schwarzen Listen diverser Staaten auftauchen würde, die ich lieber nicht zum Feind haben möchte. Nun ja, ich fürchte, solche supersauberen Angebote, sozusagen die eierlegenden Wollmilchsäue unter den Tech-Dienstleistern, werden immer schwerer zu finden sein.

Autor/in:
Alexandra Rotter

berichtet von den aktuellen Cyberwar-
Schauplätzen über Angreifer und deren Strategien,
Schäden sowie Rettungs- und Schutzmaßnahmen.

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