Direkt zum Inhalt

COVID-19 und die Auswirkungen auf die Wirtschaft

17.03.2020

Stürmische Zeiten. Seit Wochen bestimmt der Coronavirus die Berichterstattung der Medien und nun auch unser soziales und wirtschaftliches Miteinander. Doch wie gefährlich ist er für die Wirtschaft und speziell für kleinere Unternehmen? Und was können Unternehmen tun, um sich vorzubereiten und zu schützen? Eine Analyse von Jonas Puck, Professor für International Business der WU und Leiter des MBA Energy Management der WU Executive Academy und Partner & Managing Director von intior.

Sieht auch eine Zeit von Innovationen auf die Weltgesellschaft zukommen: Prof. Puck von der WU Wien.

Kurz- und mittelfristige Auswirkungen

Betrachtet man die gegenwärtige Situation, sind zwei sehr unterschiedliche, aber zusammenhängende Konsequenzen der weltweiten Verbreitung von Sars-CoV-2 ersichtlich.

Direkte Konsequenzen zeichnen sich bereits deutlich ab und vor allem KMUs werden auf die Probe gestellt. Kurzfristige Ausfälle in der Nachfrage von Kunden oder Unterbrechungen der Lieferketten führen zu erheblichen Umsatzeinbußen. Da KMUs durchschnittlich stärker von einzelnen Businesspartnern abhängig sind, geringere finanzielle Ressourcen haben und seltener Ausfallsrisiken einkalkulieren, können diese Probleme ernsthafte, ja existenzbedrohende Konsequenzen mit sich bringen.

Richtet man den Blick in die Zukunft und auf die indirekten Effekte, lassen Vorhersagen und bisherige Erfahrungen ebenfalls erhebliche Auswirkungen erwarten. Angst und Unsicherheit, wie sie derzeit herrschen, führen zu einem Abwarten in Konsumentscheidungen. Das bedeutet, dass nach dem Abklingen der direkten Effekte des Virus viele Kunden Ihr Verhalten nicht sofort wieder auf ‚normal‘ umstellen werden, da Angst und Sorge zunächst bleiben werden. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass durch diese Schocksituationen ganze Gesellschaften ihr Konsumverhalten langfristig ändern können.

Den Überblick bewahren und richtig handeln

Ich rate Unternehmen daher, sich auf beide Risiken einzustellen und entsprechende Maßnahmen zutreffen. Kurzfristig empfiehlt sich ein aktives Kosten- und Risikomanagement. Durch eine Analyse der Kostenstruktur in Verbindung mit einer Szenarioanalyse lassen sich die finanziellen Konsequenzen der Situation abschätzen. Unternehmen, die durch die aktuelle Situation in finanzielle Schieflage geraten, können zudem zahlreiche Hilfsmaßnahmen in Anspruch nehmen. Sowohl österreichische als auch deutsche Institutionen haben hier bereits Unterstützungspakete entwickelt.

Langfristig zeigt die Situation deutlich, dass ein allein auf eine optimale Kostensituation fokussiertes Management der Wertschöpfungskette in diesen Situationen an seine Grenzen stößt. Kostengetriebene Unternehmen können zwar unter Umständen kurzfristig Vorteile durch günstige Lieferketten schaffen, begeben sich aber langfristig in eine potentiell gefährliche Abhängigkeit. Diese Problematik kann durch aktive Risikodiversifikation gemildert werden. Die Hebel könnten in dem Fall bei den Zulieferern, bei den Abnehmern und in der Produktion zu finden sein. Optional können sogar ganze Lieferstrukturen in beispielsweise anderen Ländern oder Regionen gedoppelt werden, um somit den Betrieb der eigenen Wertschöpfungskette zu gewährleisten.

Die Krise als Chance nutzen

Wenngleich die Verunsicherung aktuell sehr groß ist, sehe ich auch eine Zeit von Innovationen auf die Weltgesellschaft zukommen. Übliche Konsummuster und Lieferketten werden durch den Virus verändert, Menschen stellen sich heute einmal mehr die Frage, ob der Schritt vor die Tür wirklich nötig ist, physische Veranstaltungen werden (gezwungenermaßen) weniger nachgefragt und Menschen bleiben stattdessen zu Hause und schauen wieder mehr TV. Einige dieser Verhaltensanpassungen werden auch nach Abflachen der Corona-Vorfälle weiterhin bestehen bleiben. Als Unternehmen sollte man sich daher bereits heute die Frage stellen, wie man seine aktuellen Dienstleistungen und Produkte auf den sich verändernden Markt anpassen kann, oder ob die wechselnden Verhaltensmuster sogar Raum für ganz neue, wirkungsvolle Ideen bieten. Jene zeitlichen Ressourcen, die in den kommenden Wochen aufgrund der gesundheitlich relevanten Entschleunigung der Gesellschaft entstehen werden, können so entsprechend genutzt werden, um über innovative wirkungsvolle Strategien für die Zukunft nachzudenken.

 

Werbung

Weiterführende Themen

Stories
13.10.2020

Eigentümer oder Geschäftsführer sind in kleinen Unternehmen oft der Dreh- und Angelpunkt – fallen sie aus, gibt es Probleme. Fünf Tipps von der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzleien ...

Gastronomie
02.10.2020

Am 13. und 14.Oktober sollte das Hogast Symposium in Salzburg stattfinden - unter strengen Hygieneregeln. Jetzt hat sich die Geschäfrtsleitung entschlossen, das Event abzusagen.

Stories
17.09.2020

Wie wirkt sich Covid-19 auf exportierende Betriebe aus? Prof. Jonas Puck von der WU Wien hat 810 ...

Puck Jonas
Interviews
17.09.2020

Wie wirkt sich ein exogener Schock auf exportierende Unternehmen aus? Prof. Jonas Puck ist genau dieser Frage nachgegangen. Wir haben ihn um eine ...

Stories
14.09.2020

Die Angst geht um. Vor dem Virus, vor einem Systemcrash, vor der Pleite. Mit welchen Ansätzen man sich der Furcht kon­struktiv stellen kann, erklären Experten und Unternehmen.

Werbung