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CO₂.Kompensation - Endlich frei

02.05.2017

Man kann sich bemühen, so viel man will, auf null kann man die CO₂-Emissionen im Unternehmen nicht senken. Doch der verbleibende Rest kann kompensiert werden. Wie das geht? Wir haben mit dem Experten Peter Friess eine kurze Anleitung erstellt.

AUF GEHT’S!

Eine gute erste Anlaufstelle in Sachen Kompensation ist die Klima- Allianz. Sie unterstützt Unternehmen dabei, eine Klima-Strategie unkompliziert und schnell umzusetzen, um dadurch einen Vorteil im Markt zu erlangen. Sie ist eine Initiative des Senats der Wirtschaft Österreich und auch Partner des Österreichischen Wirtschaftsverlages bei der CO₂-Kompensation des Verlags. www.klimaallianz.com

Warum überhaupt kompensieren?

Sobald Energie aus fossilen Energieträgern genützt wird, entsteht CO₂. Diese Emissionen können nicht gänzlich verhindert, aber an anderer Stelle eingespart werden. Etwa indem Unternehmen Klimaschutzprojekte unterstützen. Dieser Vorgang wird als CO₂-Kompensation bezeichnet. Das freiwillige Engagement von verantwortungsvollen Unternehmen, die ihre Emissionen neutralisieren, ist in hohem Maße gefragt, um den Klimawandel und seine Folgen einzudämmen.

Um welche CO₂-Mengen geht es bei KMU?

Unternehmen weisen im Schnitt Emissionen von drei bis sechs Tonnen pro Mitarbeiter und Jahr auf. Dieser Wert ergibt sich aus der benötigten Energie für Heizung und Kühlung, Fuhrpark, Strom, An- und Abreise zum Arbeitsplatz, Dienstreisen, Wasserverbrauch sowie Abfall. Bei produzierenden Betrieben kommen noch Vorprodukt, Verpackung, Produktion sowie Speditionsleistungen dazu.

Wie funktioniert die Kompensation?

Zunächst gilt es, den exakten Wert des Fußabdrucks festzustellen. Spezialisierte Dienstleister unterstützen bei der Zahlenarbeit. Sinnvollerweise kompensiert man allerdings im nächsten Schritt nicht einfach den gesamten Aufwand, sondern reduziert zuerst seine Emissionen. Etwa durch den Ersatz alter Anlagen oder die Umstellung auf Elektrofahrzeuge. Für die restlichen Emissionen kauft man Zertifikate. Im Sinne des Klimawandels wäre es allerdings wünschenswert, wenn Unternehmen gleich kompensieren und ihre schlechten Werte nicht erst über Jahre absenken.

Wo erhält man Zertifikate?

Wie bei anderen Produkten auch, gibt es viele professionelle Anbieter von Zertifikaten. Es empfiehlt sich also, mehrere Angebote einzuholen.

Welche Kosten fallen dabei an?

Der Preis pro Tonne hängt stark davon ab, welches Projekt in welchem Land gefördert wird. Österreichische Zertifikate, die an der Börse gehandelt werden, kosten rund sechs Euro pro Tonne. Diese Zertifikate entsprechen allerdings eher einer Ausgleichszahlung an den Staat, der diverse Projekte subventioniert. Es gibt aber auch inländische Zertifikate, die ganz konkret etwa den Humusaufbau fördern und bis zu 41 Euro pro Tonne kosten. Um etwa 15 Euro pro Tonne bekommt man aktuell bei der Kommunalkredit und ihrem Programm „Climate Austria“ Zertifikate. Günstiger wird es, wenn man auf Programme in Asien, Afrika oder Südamerika setzt.

Regional oder international: Welche Projekte- Regionen sind sinnvoller?

Der Kauf von Zertifikaten, die Projekte im globalen Süden fördern, ist ökologisch betrachtet effektiver, da mit derselben Summe mehr erreicht werden kann und die Gelder dorthin fließen, wo der Klimawandel am stärksten spürbar wird. Ein Entscheidungskriterium kann darüber hinaus sein, dort zu investieren, wo man als Unternehmen wächst oder global präsent ist. Auch die Technologie, in die investiert wird, kann ein Auswahlkriterium sein.

Soll man Zertifikate auf Vorrat kaufen?

Wenn es einen günstigen Preis gibt, macht es Sinn, eine größere Menge zu kaufen, da man so auch das Projekt sichert. Zudem verfallen die Zertifikate nicht; man kann sie sukzessive aufbrauchen.

Tue Gutes und rede darüber?

Wie und ob man als Unternehmen seine CO₂-Kompensation kommuniziert, ist Geschmackssache. Es gibt Betriebe, die CO₂-Freiheit als Marketingwert und als Wettbewerbsvorteil erkennen und entsprechend agieren. Da durch eine breitere Öffentlichkeit ein Dominoeffekt ausgelöst werden könnte, wäre es für die Sache hilfreich. Zudem stellt es auch für viele Kunden einen Mehrwert dar, bei einem klimaneutralen Unternehmen zu kaufen.

Wie viele Zertifikate müssten Unternehmen kaufen, um die globale Erwärmung zu stoppen?

Pariser Klimavertrag wurde beschlossen, dass die Erderwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten unter zwei Grad betragen soll. Mit den konkreten Zielen der Länder kann das aber nicht klappen. Erreicht wird dieses Ziel nur durch freiwilliges Engagement. Aktuell fallen weltweit Emissionen von 40 Milliarden Tonnen pro Jahr an. Mit 30.000 Neutralisierungs- Projekten käme man dem Ziel näher. Aktuell existiert aber erst ein kleiner Bruchteil davon.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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