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Clubhouse - Was Unternehmen jetzt wissen sollten

13.02.2021

Nach Monaten der sozialen Isolation sehnen sich viele Menschen nach inspirierenden Inputs, nach Austausch und neuen Kontakten. Genau das bietet Clubhouse. Ein Überblick zu den dos and don'ts vom Online-Marketingexperten Hannes Kirchbaumer.

Wer es richtig anstellt, kann auf Clubhouse fruchtbare Kontakte knüpfen und seine Themen positionieren, meint Onlinemarketing-Experte Hannes Kirchbaumer.

Was passiert auf Clubhouse?  

Clubhouse ist eine App, die zu 100 Prozent auf das Format "Drop-in-Audio" setzt. Öffnen, zuhören, sprechen. Keine Bilder, keine Texte. Ähnlich wie bei einer Konferenz können Gesprächsrunden eröffnet werden, die von Moderatoren betreut werden. Verschiedene Speaker befinden sich auf der virtuellen Bühne. Zu Gesicht bekommt man sie allerdings nicht. Die App überträgt nur die Stimme. Wer am Wort ist, erkennt man anhand von Profilbildern. Zuhörer können sich melden, um mitzureden oder Fragen zu stellen. Sie können vom Moderator aufgerufen, oder auf die Bühne geholt werden.

Wer sind die Mitglieder?

Auf Clubhouse diskutieren unterschiedlichste Menschen über alle erdenklichen Themen. Mitunter sind die Panels durchaus prominent mit Persönlichkeiten besetzt, die man sonst nur auf exklusiven Konferenzen hören könnte. Und als Zuhörer stehen die Chancen, um mit ihnen in Kontakt zu treten aktuell noch sehr gut. Darüber hinaus lebt die Lösung von der Flexibilität. Die User können jederzeit in verschiedene Diskussionen reinhören und sich einbringen. Was mitunter Menschen in Austausch bringt, die sich ansonsten vermutlich nicht begegnen würden. So finden Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft beinahe mühelos zusammen. 

Ist Clubhouse ein soziales Netzwerk?

User können anderen Usern folgen, wodurch sich Netzwerke und Communities ausbilden. Zudem können Mitglieder, die öfters selbst Events gehostet haben, auch eigene Clubs beantragen. Ihre Follower bekommen eine entsprechende Einladung. Auch wenn Clubhouse auf klassisches Messaging verzichtet, ist die Vernetzung ein ganz bestimmendes Element. 

Warum der Hype?

Ein wesentlicher Faktor für die hohe Aufmerksamkeit ist sicher die Tatsache, dass man bislang eingeladen werden muss, um Teil des Netzwerks werden zu können. Die Verknappung schafft Begehrlichkeiten. Ein weiterer Grund für die aktuell sehr hohe Aktivität liegt darin, dass zwei LinkedIn-Influencer die App mit einer Einladungskette angestartet haben. Dadurch ist sehr rasch ein affines Netzwerk an Startups, Digital-Marketern und Influencern entstanden, das Clubhouse in Österreich mit Leben gefüllt und rasch Prominenz aus Politik, Kultur, Medien und Wirtschaft involviert hat. Da jeder User wiederum zwei weitere Personen einladen kann, wächst das Netzwerk exponentiell weiter.

Wie gut funktioniert das Networking auf Clubhouse?

Wer sich Zeit für die Teilnahme an verschiedenen Talks nimmt und sich aktiv einbringt, kann auf Clubhouse jede Menge neue Kontakt knüpfen. In ihrem Profil können User auch ihre Social Media-Accounts verlinken, und so für bleibende Verbindungen sorgen.   

Welche Schwachstellen hat die Lösung?
Clubhouse läuft nach wie vor auf einer Betaversion. Es gibt also immer wieder kleine Ausfälle. Zudem ist die Art, wie die App nach möglichen Kontakten sucht, nicht DSGVO-konform. Müssen doch dafür alle Kontakte mit der App geteilt werden. Dass die App bislang nur auf Apple-Geräten läuft, ist ebenfalls suboptimal. Fraglich ist auch noch, wie sich Clubhouse entwickeln wird, wenn die Betreiber der App den Erfolg zu Geld machen wollen. Denn bislang gibt es noch kein Geschäftsmodell.

Wie viel Zeit muss man aufwänden?  

Wer sich auf Clubhouse wagt, sollte durchaus Zeit einplanen. Seine Kontakte zu aktivieren, neue Räume zu finden und Panels zu folgen, dauert. Zudem hat die App Suchtpotenzial. Fast rund um die Uhr gibt es Talksessions zu den unterschiedlichsten Themen. Allerdings kann Clubhouse auch wie eine Radiosendung nebenbei konsumiert werden. Und wenn Wichtigeres ansteht, verlässt man einfach heimlich, still und leise wieder den Raum.

Wie gut lässt sich Clubhouse in die Kommunikationsstrategie von Unternehmen integrieren?

Grundsätzlich verbietet die App den Auftritt von Marken. Die Privatnutzung soll im Vordergrund stehen. Doch sind die Aushängeschilder von Unternehmen auf vielen Panels hoch willkommen.

Kann man auf Clubhouse Werbung machen?

Bislang nicht. Wer sich präsentieren will, muss Zeit mitbringen und Talkrunden veranstalten oder sich in andere Gespräche einklinken.

Ein Tipp für neue Mitglieder?

Man sollte sich bei Talkrunden lieber nur zu Wort melden, wenn man wirklich etwas zu sagen hat. Dadurch bleibt, mit ein wenig Glück, die aktuell sehr faire und offene Art der Kommunikation erhalten. Zudem ist es erwünscht, dass User ihre echten Namen angeben. So bleibt der Austausch authentisch und auf Augenhöhe.

Welche Relevanz wird die App in ein paar Jahren haben?

Das Format Audio-drop-in wird sich mit Sicherheit etablieren. Es ergänzt den Austausch von LinkedIn und Twitter perfekt. Ob die App selbst mittelfristig erfolgreich sein wird, hängt letzten Endes davon ab, wie sich das Geschäftsmodell auf die Nutzung auswirken wird.   

Worauf man achten sollte?

Im Profil jeder Person ist und bleibt dauerhaft ersichtlich, wer sie eingeladen hat. Deswegen sollte man seine Einladungen mit Bedacht wählen. Würde sich jemand unpassend verhalten, könnte das auch auf denjenigen zurückfallen, der ihm die Pforte geöffnet hat – wie im echten Offline-Leben. 

 

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