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China kann kaum ersetzt werden

07.04.2020

Die Corona-Krise hat in China ihren Ausgang genommen. Jetzt scheint das Land das Schlimmste überstanden zu haben. Doch wie geht es heimischen Unternehmen vor Ort und welche Rolle wir die Region in der Zukunft spielen? Wir haben bei Martin Glatz, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Peking, nachgefragt.

"Die Angst vor einer zweiten Ansteckungswelle ist in China groß", berichtet der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte Martin Glatz.

Die chinesische Regierung setzt bereits Maßnahmen, um wieder zurück zur Normalität zu gelangen und um die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Wie klappt das Wiederhochfahren Ihrer Beobachtung nach?

Erste wirtschaftliche Kennzahlen für März zeigen, dass der Motor wieder anspringt, aber noch stottert. Der Einkaufsmanagerindex im produzierenden Gewerbe ist überraschend auf einen expansiven Wert von 52 gestiegen, von knapp 35,7 im Februar. Während nahezu alle große Unternehmen ihre Produktion wieder aufgenommen haben, hat sich die Nachfrage nicht im selben Ausmaß erholt. Konsumenten sind nach wie vor zurückhaltend, vor allem größere Anschaffungen, z.B. für Wohnungen und Autos, werden hinausgeschoben. Gleichzeitig brechen nun wichtige Überseemärkte in Europa und in den USA weg, wo Maßnahmen zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie gerade ihren Höhepunkt erreichen.

Wie wirken sich die Lockerungen auf die Infektionsraten aus? 

Die Angst vor einer zweiten Ansteckungswelle ist tatsächlich groß. Reisebeschränkungen im Inland werden nur schrittweise aufgehoben. In vielen Städten wie Peking gilt immer noch eine zweiwöchige Quarantänepflicht für Personen, die aus anderen Provinzen ankommen. In den letzten Wochen sind allerdings mehr Infektionen aus dem Ausland eingeschleppt worden als im Inland nachgewiesen worden sind. Auch wenn es sich dabei selbst nach offiziellen Angaben zu 90% um zurückkehrende Chinesen gehandelt hat, gilt nun eine Einreiseverbot für Ausländer.

Laut einer Umfrage, die Sie unter österreichischen Betrieben in China gemacht haben, hofft ein Großteil der Firmen auf Normalisierung im Mai. Wie realistisch ist das?

Die Umfrage des AußenwirtschaftsCenters Peking unter Niederlassungen österreichischer Firmen in China spiegelt den Optimismus wider, der zuletzt – wie gerade erwähnt - in der Industrie und in industrienahen Branchen in China zu beobachten ist. Dieselbe Umfrage zeigt aber auch, dass die Erwartungen für das Jahr 2020 kräftig zurückgeschraubt worden sind. Drei Viertel der Firmen erwarten z.B. einen Rückgang der Umsätze um mindestens 20%.

Gibt es Maßnahmen, die in China gesetzt wurden, die sich Österreich abschauen könnte?

Die schrittweise Öffnung des Geschäftsbetriebs wird in China von einer Reihe von Maßnahmen begleitet, die ein neuerliches Aufflammen von Covid-19-Infektionen verhindern sollen, offensichtlich mit einigem Erfolg. Dazu gehören etwa Reisebeschränkungen, das Messen von Körpertemperaturen, eine Maskentragepflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen, das Abstandhalten z.B. in Restaurants und beim Friseur und die Senkung von maximalen Passagierzahlen in Zügen, Bussen und Flugzeugen. Wenn auch nicht alles eins zu eins übernommen werden kann, geben die Erfahrungen in China Einblick in die Wirksamkeit möglicher nächster Schritte in anderen Ländern.

Logistik und Lieferketten sind durch die Krise beeinträchtigt. Glauben Sie, dass China auch in Zukunft ein wesentlicher Produktionsstandort für Systemkritische Güter bleiben wird? Oder wird manches rückverlagert werden?

China ist und bleibt ein ganz wichtiger Faktor und kann kaum ersetzt werden. Wir haben die Niederlassungen österreichischer Unternehmen in China nach ihren Strategien zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Krise befragt. Mehr als ein Drittel will seine Lieferketten diversifizieren, um sie krisensicherer zu machen, nur für 5% ist die Verlagerung von Kapazitäten aus China eine Option. Das Reshoring der Produktion von systemkritischen Gütern ist in erster Linie eine politische Entscheidung.

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