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C-3PO lässt grüßen

08.09.2017

Sie schlafen nicht und machen keinen Urlaub. Dafür schrauben, heben und transportieren sie: Roboter werden uns in allen möglichen Lebensbereichen zur Hand gehen. Und zwar schon sehr bald!

Hoch entwickelte, selbstlernende Roboter werden laut Alexander Barth schon bald Teil unseres Alltags.
Cobots arbeiten Seite an Seite mit Menschen. Sensoren verhindern ungewollte Kollisionen.

Wenn es um Roboter geht, schwingt oft auch ein wenig Angst mit. Sie können viele Tätigkeiten einfach schneller und günstiger erledigen als Menschen und kosten damit Jobs. Doch nicht alle Roboter haben es auf die Arbeit ihrer menschlichen Kollegen abgesehen. Kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, arbeiten vielmehr Seite an Seite mit Menschen. Allein in der deutschen Industrie kommen auf 10.000 Beschäftigte bereits 290 multifunktionelle Roboter – Tendenz steigend. Was sie von herkömmlichen Industrierobotern unterscheidet ist, dass sie in unmittelbarer Nähe und ohne trennende Schutzvorrichtungen im Kontakt zu Menschen stehen. Mittels Sensoren registrieren sie Bewegungen und sind damit sicher genug, um ihren Kollegen aus Fleisch und Blut zu assistieren. Vorreiter ist die Automobilindustrie, wo bereits seit Jahren unterschiedliche Cobots am Werk sind. Sie bauen Dichtungen ein oder reichen den Facharbeitern Werkzeuge.

RISE OF THE MACHINES

So weit, so gut, doch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Eher der Beginn, wie Alexander Barth erklärt. Barth berät Firmen dabei, wie sie kollaborierende Roboter einsetzen können und hat selbst Systeme zur medizinischen Rehabilitation von Menschen sowie diverse Anwendung in der produzierenden Industrie entwickelt. Beim Blick in die Zukunft sieht er neben der Industrie ganz klar die Consumerwelt als Hauptanwender. Von dort erwartet er auch die größten Impulse zur Weiterentwicklung. Denn so praktisch es auch für Unternehmen wie Magna und Infineon ist, Cobots im Reinraum oder in der Fertigung einzusetzen – wenn die Idee des mechanischen Helferleins erst in jedem Haushalt ankommt, gehen die Anwendungen weit über Assistenzarbeiten hinaus. Doch dafür müsse sich zuerst die Software weiterentwickeln, meint Barth. Zwar befinden sich schon heute Cobot-Varianten wie Rasenmäher und Staubsauger in vielen Haushalten, die automatisch ihren Job erledigen. Wirklich spannend werde es aber, wenn selbstfahrende Autos zum Standard werden. Denn aufgrund der hohen Stückzahlen wird sich eine rasche Weiterentwicklung und Verbesserung der Systeme ergeben. Dabei ist übrigens weniger die Hard- als die Software spannend. Den großen Quantensprung sollen neuronale Netze bringen. Sie sind imstande, sich weiterzuentwickeln und zu lernen und könnten den Robotern schon bald jede Menge „Leben“ einhauchen. Vor allem die Bedienung wird mit ihnen wesentlich einfacher: Man zeigt einem Roboter etwas ein paar Mal vor, er macht es nach und lernt. Zukunftsmusik? Barth winkt ab. Es ginge längst nicht mehr um Jahrzehnte, sondern nur mehr um wenige Jahre.

I’LL BE BACK

Dass man Roboter dann natürlich auch optimal für kriegerische Einsätze trainieren und einsetzen kann, hat auch das Militär sehr rasch auf den Plan gerufen. So hat etwa das Unternehmen Boston Dynamics, das zunächst vorwiegend für die US-Army tätig war, mittlerweile beeindruckende autonome Laufroboter entwickelt, die Hindernisse überwinden, springen, laufen und rollen können. Auf Youtube finden sich Videos der unterschiedlichen Systeme, die zwischen beeindruckend und erschreckend rangieren und den Terminator nicht mehr wie eine reine Utopie wirken lassen.

Doch die Cobots können auch anders. Am entgegengesetzten Ende der Skala werden Roboter Menschen schützen und pflegen. So kommen etwa schon heute in Japan Systeme zum Einsatz, die alten Menschen bei der Bewältigung täglicher Aufgaben helfen. Sie transportieren und bewegen schwere Gegenstände, helfen beim Setzen oder wieder Aufstehen. Auch im Spitalsbereich kommen bereits Cobots zum Einsatz, die Pflegekräfte dabei unterstützen, Patienten aus dem Bett zu heben, aber auch solche, die mit ihnen kommunizieren. Treiber hinter der Entwicklung sind Firmen wie Amazon und Google, aber auch alle namhaften Softwarehersteller. Sie tüfteln mit hohem Mitteleinsatz an „lernender Software“, die ein massiver Beschleuniger für die Einsetzbarkeit der Cobots sein wird.

NEUE TECHNIK, NEUE REGELN

Doch wie sicher ist unsere Welt, wenn sie erst mit laufenden, springenden und sprechenden Robotern, die sich unsere Verhaltensweisen abschauen, bevölkert wird?

Schwer abzusehen. Denn es werden noch viele neue Gesetze notwendig sein, die festlegen, ob Maschinen – zum Beispiel selbstfahrende Autos – juristisch betrachtet Unfälle bauen können, gibt Alexander Barth zu bedenken. Es brauche Regeln, die bestimmen, wer haftet und wie man verhindert, dass uns lernende Systeme irgendwann verletzen. Ein Beispiel, wie ein selbstlernendes System die falschen Schlüsse ziehen könnte, ist rasch gefunden: Fährt etwa ein Auto einfach schneller auf einen Passanten zu, anstatt zu bremsen und der Mensch springt weg, käme es nicht zum Unfall. Wird dieser Zusammenhang gelernt, kann das sicher nicht lange gut gehen. Dass solche Fragen nicht mehr nur theoretischer Natur sind, beweisen diverse Unfälle, die mit selbstfahrenden Autos bereits passiert sind. Von der Vorstellung unfehlbarer Maschinen wird man sich also wohl oder übel verabschieden müssen. Garantiert werden Fehler passieren. Den Verkehr wird die Technik aber in Summe trotzdem sicherer machen.

TESTEN ODER ABWARTEN?

Doch zurück in die Gegenwart. Für Unternehmer stellt sich die Frage, ob und wann für sie der Einsatz von Cobots sinnvoll sein kann. Unbestritten sind schon heute die Vorteile beim Einsatz in der Fertigung. Einzelne Straßen, die langwierig programmiert werden müssten, können dank Cobots und neuronalen Netzen deutlich rascher angepasst werden. Cobots sind auch überall dort perfekte Assistenten, wo Flexibilität gefragt ist, aber trotzdem relativ einfache und immer wieder ähnliche Handlungen durchzuführen sind, meint Barth. Aber auch dort, wo der Mensch etwa durch hohe Gewichte oder Chemikalien körperlich stark belastet wäre.

Die Empfehlung des Experten lautet deshalb: Unternehmer sollten sich lieber frühzeitig mit dem Thema beschäftigen und die eigenen Prozesse auf Eignung für Cobots prüfen. Denn nur wer sich mit der Technologie auseinandersetzt, kann sie auch für sich nutzen.

Die Anschaffung will aber natürlich wohlüberlegt sein. Schließlich schlagen die Systeme heute noch mit 150.000 bis 200.000 Euro zu Buche. Die Tendenz ist aber stark fallend. Die Preise der Roboter und auch der nötigen Sensorik entwickeln sich rasch nach unten. Künftig werden Systeme nur mehr zwischen 20.000 und 100.000 Euro kosten. Und wenn man bedenkt, dass Roboter weder schlafen, noch auf Urlaub fahren, kann sich die Investition doch relativ rasch amortisieren.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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