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Harvard Business School:  die Topwahl, wenn Geld keine  Rolle spielt.

Bosse unter sich

29.08.2016

Wohin gehen CEO, Vorstände und Aufsichtsräte, wenn sie etwas dazulernen wollen? Das hängt ganz von ihren Wünschen ab.

Entdeckt ein Normalsterblicher an sich eine Wissenslücke, bucht er den nächsten Kurs. Nicht so ein Spitzenmanager. Er darf sich schließlich keine Blöße geben. Daher gilt es zu klären, wem man dort begegnen könnte. Denn es wäre peinlich, mit Untergebenen die Schulbank zu drücken.

In manchen Fällen sind Begegnungen aber auch explizit gewünscht. Vielleicht will der Big Boss gezielt Seinesgleichen treffen, sich mit ihnen matchen und Kontakte knüpfen. Dann geht es weniger um Wissenslücken, sondern um den Zugewinn von zukunftsträchtigem Prestige-Know-how, das signalisiert: Seht her, ich bin auf der Höhe der Zeit!  

Beginnen wir in der Luxuskategorie. Im Konzernumfeld und wenn Geld keine Rolle spielt, wird unser Spitzenmanager in die Ferne schweifen. Schreckt ihn auch der Jetlag nicht, wird es ihn an die Harvard University in Boston ziehen. Will er lieber in Europa bleiben, geht er etwa an die Insead Business School im französischen Fontainebleau, an die London School of Economics (trotz Brexit), an die Mailänder Università Commerciale Luigi Bocconi oder, wenn es noch näher sein soll, an die Universität St. Gallen in der Ostschweiz.

Symptomatisch für diese Kaderschmieden ist das verschämte Verstecken ihrer Preise. Man findet sie erst nach längerer Suche. Für Harvard etwa müssen elitäre Senior Executives mit mindestens 20 Jahren Führungserfahrung schlappe 78.000 US-Dollar (71.000 Euro) auf den Tisch blättern, um das achtwöchige „Advanced Management Program“ zu besuchen. Für General Manager sind es immer noch 66.000 US-Dollar (60.000 Euro) für vier Wochen, für Eigentümer 40.500 US-Dollar (37.000 Euro) für drei Wochen. Jedoch: Die genannten Preise gelten nur mehr für die Herbsttermine. 2017 gehen sie im Schnitt um 2000 US-Dollar nach oben. 

Heimat, süße Heimat 

So viel Luxus kann und will sich nicht jeder leisten. Wozu also in die Ferne schweifen? Auch die heimischen Bildungseinrichtungen genießen einen hervorragenden Ruf. Wem der nicht genug ist, dem hilft ein Blick auf die jeweilige Akkreditierung als Qualitätsgarant.

Diese zu entschlüsseln, ist allerdings nicht selbsterklärend. Dabei ist es recht einfach: Es gibt vier wichtige Akkreditierungen. AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business) ist die größte amerikanische und gilt dort als Goldstandard. AMBA (Association of MBA) stammt aus London, EQUIS (European Quality Improvement System) aus Brüssel. Beide beurteilen nach ähnlichen Kriterien, ihr Zertifikat genießt auf dem europäischen Markt hohes Ansehen. Eine FIBAA-(Foundation for International Business Administration Accreditation)-Akkreditierung bedeutet, dass sich das Institut auf den deutschsprachigen Markt konzentriert. 

Einen Unterschied gibt es doch: AACBS und EQUIS akkreditieren Institutionen, AMBA und FIBAA einzelne Programme. So ist etwa die gesamte Wirtschaftsuniversität Wien AACBS und EQUIS akkreditiert, aber nicht alle Programme der zur WU gehörigen Executive Academy tragen das AMBA- und FIBAA-Siegel. Doch Hand aufs Herz: Wer braucht schon vier Akkreditierungen? 

Bleiben wir gleich an der WU. Die Executive Academy empfiehlt sich aus drei Gründen. Erstens, wer Kontakte in China, Indien, Russland und den USA knüpfen will, ist beim „Global Executive MBA“ richtig. Hier sind Zusammenarbeit mit und gegenseitige Besuche bei den Partneruniversitäten angesagt. Mit 45.000 Euro plus Reisekosten bewegt man sich in der lokalen preislichen Oberklasse. 

Zweitens, wer Affinität zu Osteuropa hat, findet hier passende Programme (etwa den „Executive MBA Bucharest“, 35.200 Euro) und passende Studienkollegen. Bildungshungrige Osteuropäer, allen voran aus Russland, zieht es geradezu magisch zur Ost-West-Drehscheibe Wien.

Drittens, wessen Abschluss schon ein paar Jahre zurückliegt und nach einer Frischzellenkur schreit, der trifft im „Executive MBA PGM“ (Post Graduate Management, 28.500 Euro) sicher Gleichgesinnte. 

Bundesländer rüsten auf 

Die Wiener WU hat übrigens ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen. An der Linzer LIMAK Austrian Business School etwa – um nur eine herauszugreifen – kostet der vergleichbare „Global Executive MBA“ nur mehr zarte 27.900 Euro. Dazu kommen Reisekosten für die Study Trips nach China, die USA, Russ­land, Großbritannien und Liechtenstein. Der „MBA Strategic Management and Corporate Entrepreneurship“ wiederum richtet sich an Führungskräfte, die ihre unternehmerischen Kompetenzen weiterentwickeln wollen. Er schlägt mit 19.900 Euro zu Buche. 

Dann gibt es an der LIMAK noch die Seminarreihe „Senior Executive Essentials“. Sie befasst sich an jeweils zwei Tagen mit Themen wie „Sales Management Excellence“, „Strategy and Corporate Entrepreneurship“ oder „Innovation and Corporate Venturing“ (Kosten jeweils 1.990 Euro). Solche Kurzseminare greifen den Trend auf, fundamentales Wissen über neue Geschäftsmodelle, Innovationen und Prozesse kompakt zu vermitteln – wie es Chefs so gerne mögen. 

Den klassischen MBA gibt es sogar noch günstiger. An der Donau-Universität Krems kostet er nur mehr 16.900 Euro. Wer statt der veranschlagten sechs Semester nur vier Semester Zeit hat, weicht auf den Master of Science in Leadership and Management (12.900 Euro) aus. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass sich diese Programme eher an jene richten, die den großen Sprung nach oben noch vor sich haben. 

Die Webster Private University Vienna, Ableger des amerikanischen Campus, ließ kürzlich mit dem Rücktritt ihres prominenten Leiters Bernd Marin aufhorchen. Auch sie bietet neben dem klassischen MBA (26.640 Euro) zeitgeistige Zertifikate in „Change Leadership“ und in „Cybersecurity“ (je 6.480 Euro). 

Und dann gibt es noch klassische Trainingsanbieter wie das Hernstein Institut. Auch hier gibt es einen nicht näher ausgepreis­ten „Master in Leadership“. Hernsteins Schwerpunkt liegt auf Leadership Excellence (Nachhilfe für Fortgeschrittene) und Leadership Essentials (Basics für Einsteiger). Doch die Basics haben unsere Spitzenmanager bestimmt schon lange im kleinen Finger. 

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