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Blockchain: "Ziemlich anonym an Geld kommen"

11.06.2018

Oberstleutnant Wilhelm Seper leitet die Ermittlungen im Cybercrime Competence Center des Bundeskriminalamts. Hochspezialisierte Mitarbeiter befassen sich auch mit Kriminalität rund um die Blockchain. Sein Tipp: Nicht zu abhängig machen! 

Wenn die Blockchain negative Auswüchse schaffe, dann liege das nur am Menschen, meint Oberstleutnant Wilhelm Seper.

Wo begegnet Ihnen im Alltag die Blockchain?

Im Zusammenhang mit Kryptowährungen, besonders Bitcoin. Neben dem Bestellbetrug im Internet, der den Löwenanteil der CybercrimeDelikte ausmacht, sind Ransomware-Angriffe, also Erpressungstrojaner, stark gestiegen: Es gab mehr als 1.700 Fälle seit 2016. Die Erpresser, die mit Ransomware Daten ihrer Opfer lahmlegen, verlangen fast immer Bitcoin als Lösegeld.

Wie sieht es mit dem Diebstahl der Schlüssel aus, sodass Opfer keinen Zugang zu ihren Wallets mit den Bitcoins haben?

Ja, es werden auch Bitcoin-Bons und -Codes herausgelockt. Die Täter können hier ziemlich anonym an Geld kommen.

Wie schwer ist es, den Tätern auf die Spur zu kommen?

Bei Ransomware gehen die Täter sehr oft arbeitsteilig vor. Geschädigt werden meist tausende Opfer. Irgendwo fließen die erbeuteten Bitcoins wieder zusammen: Der Täter muss jemanden finden, der ihm den Betrag in reales Geld umwechselt – oft handelt es sich um sechs- oder siebenstellige Beträge. Dort kann man ansetzen. Arbeiten Sie international vernetzt? Ja, wir arbeiten stark mit Europol und Interpol zusammen, denn IT-Kriminalität hält sich nicht an Ländergrenzen. Bei Ransomware könnten wir ohne diesen Austausch keine größeren Täter erwischen.

Auch in Österreich testen Unternehmen BlockchainAnwendungen. Inwiefern bereiten Sie sich hier auf mögliche Cyberangriffe vor?

Wir sehen die Blockchain als neue Technologie mit wahnsinnig vielen positiven, noch ungeahnten Möglichkeiten. Wenn es negative Auswüchse gibt, dann liegt das nur am Menschen und was er mit der Technologie macht. Wenn überhaupt Gefahren von der Blockchain-Technologie ausgehen, dann die, dass sich der Mensch davon abhängig macht. Im Bereich Kryptowährungen haben wir hochspezialisierte Mitarbeiter, teils Kriminalbeamte, teils IT-Techniker und -Forensiker. Wir arbeiten auch mit zugekaufter Software, die lange Ermittlungsarbeiten einsparen hilft.

Die Blockchain ist dezentral, es gibt im Fall von Kriminalität keinen zuständigen Ansprechpartner. Macht es das schwierig für Ermittler?

Dass die Blockchain dezentral ist, ist ermittlungstechnisch sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil. Die Blockchain ist eine riesige Datenkrake, die mit jeder Transaktion größer wird. Dass die Daten dort zu 100 Prozent gespeichert bleiben, ist für uns gut. Auch die Ermittlungsmethoden verbessern sich. Ich bin sicher, dass wir Täter, die wir heute nicht ausforschen, in fünf oder zehn Jahren finden – selbst, wenn diese nur 100 Euro erbeutet haben.
 

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