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Bitcoin: CHANCE ODER BLASE?

23.11.2017

Die Kryptowährung Bitcoin polarisiert. Während ihr manche eine große Zukunft voraussagen und zum Investieren raten, wollen sich andere lieber nicht die Finger daran verbrennen. Wer recht behält, wird erst die Zukunft zeigen. Inzwischen haben wir drei unterschiedliche Meinungen eingeholt.

Atanas Pekanov
Richard Blöss
Christian Halper

TEXT: STEPHAN STRZYZOWSKI

ATANAS PEKANOV, WIFO-FINANZMARKTEXPERTE

WAS SPRICHT AUS IHRER SICHT FÜR EINE POSITIVE ZUKUNFT VON KRYPTOWÄHRUNGEN WIE BITCOIN?
Kryptowährungen wie Bitcoin sprechen Personen an, die an die Möglichkeit einer systematischen Verfehlung der Geldpolitik seitens der Zentralbank glauben und sie als Auslöser finanzieller Krisen sehen. Somit stellen Kryptowährungen eine Möglichkeit zur Wertaufbewahrung außerhalb der Kontrollmöglichkeit und Steuerung von zentralen Institutionen dar. Die Befürworter von Kryptowährungen glauben, dass sie sich in der Öffentlichkeit durchsetzen und damit zu herkömmlichen Währungen in Konkurrenz stehen könnten. Die Anzahl an Menschen, die Kryptowährungen besitzen, ist weltweit noch nicht übermäßig groß. Einige Zentralbanken diskutieren über eine Einführung eigener Kryptowährungen. Das Wachstumspotenzial der Kryptowährungen ist daher möglicherweise noch nicht ausgeschöpft.

WO LIEGEN IHRER MEINUNG NACH DIE ZENTRALEN RISIKEN?
Wegen des Mangels an Kontrolle stellen Kryptowährungen auch Gefahren für das finanzielle System dar. Bitcoin verzeichnete extreme Wertgewinne in letzter Zeit, was viele Experten mit einer reinen Spekulationsblase vergleichen. Eine der wichtigsten Funktionen jeder Währung ist die Garantie einer gewissen Preisstabilität. Ohne zentrale Kontrollstelle sind Kryptowährungen höchst volatil und weisen keine Beständigkeit auf. Diese Volatilität untergräbt den impliziten Wert einer Währung als Zahlungsmittel. Falls Investoren den fundamentalen Wert der Kryptowährungen nur als Investitionsaktiva und nicht als echte Währung neu überdenken oder falls Zentralbanken straffere Regulierungen einführen, kann dies zu rapiden Preisabstürzen und großen Verlusten im Finanzsystem führen.

RICHARD BLÖSS BANKKAUFMANN, VERSICHERUNGSFACHMANN UND EXPERTE ZUM THEMA BLOCKCHAIN UND KRYPTOWÄHRUNGEN

WAS SPRICHT AUS IHRER SICHT FÜR EINE POSITIVE ZUKUNFT VON KRYPTOWÄHRUNGEN WIE BITCOIN?
Mit der Blockchain-Technologie eröffnen sich technisch völlig neue Möglichkeiten. Die breite Masse hat die Tragweite noch nicht realisiert. Bitcoin stellt hier die erste und besondere Anwendung dar. Es ist keine dritte Instanz notwendig, das Vertrauen wird durch die Technologie gewährleistet: Dadurch ist am Ende des Tages keine Bank mehr notwendig. Bitcoin ist gerade dabei, gesellschaftsfähig zu werden und wird nachhaltig Bestand haben. Bitcoin ist nicht nur als Anlageinstrument interessant, sondern auch als internationales Transaktionsmittel, was vieles erleichtert. Wenn ich Hochsprungtechnik mit Währungstechnik vergleiche, sind Kryptowährungen der Fosbury-Flop im Vergleich zum Straddle. Der Flop wurde zu Beginn auch belächelt und ist erwiesenermaßen die bessere Alternative.

WO LIEGEN IHRER MEINUNG NACH DIE ZENTRALEN RISIKEN?
Kryptowährungen unterliegen extremen Marktschwankungen, was viele abschreckt und andererseits durch ICOs Glücksritter anlockt; dem Beginner fehlt das Know-how, fundierte Entscheidungen zu treffen. Kryptowährungen werden mit Kriterien aus dem bekannten Aktienmarkt bewertet und analysiert, was, meiner Ansicht nach, viel zu kurz greift. Nach meinen Vorträgen und in meinen Workshops stelle ich immer wieder fest, dass erhebliche Defizite rein im technischen Umgang mit dieser Thematik bestehen, so werden vermeidbare Fehler gemacht, die richtig Geld kosten. Das Thema Sicherheit und Backup wird nicht intensiv genug bedacht. Dazu kommt, dass viele Halbwahrheiten im Umlauf sind und es Gruppen gibt, die den Bitcoin bekämpfen.

CHRISTIAN HALPER, SELFMADE-MILLIONÄR, SUPERFUND-MITGRÜNDER, BETREIBER DES TIAN IN WIEN

WAS SPRICHT AUS IHRER SICHT FÜR EINE POSITIVE ZUKUNFT VON KRYPTOWÄHRUNGEN WIE BITCOIN?
In der digitalen Welt gab es bis zur Erfindung von Bitcoin eine wesentliche Aufgabe, die niemand lösen konnte. Es ist nämlich sehr einfach, digitale Informationen zu kopieren, jedoch ein digitales Original zu haben, das wirklich niemand verändern kann, das gab es vor Bitcoin nicht. Durch die Blockchain- Technologie mit „Proof of Work“ und deren erster Anwendung – nämlich die Währung Bitcoin selbst – ist dies möglich geworden. Mit dem Grundbaustein solcher digitalen Originale lassen sich auch noch viele andere Themen digital lösen, z. B. digitale Verträge, digitale Identitäten, digitale Aktien usw. Wir sind erst ganz am Anfang dieser neuen Möglichkeiten. Im Grunde ist es die ganz logische Weiterentwicklung des dezentralen, offenen, weltweiten Internet.

WO LIEGEN IHRER MEINUNG NACH DIE ZENTRALEN RISIKEN?
Damit diese Technologie sicher funktionieren kann, braucht sie eine sehr hohe Rechenleistung, welche bei Bitcoin vorhanden ist, jedoch nicht bei allen anderen Kryptowährungen. Dieser Faktor wird derzeit oft unterschätzt, wenn man von der Blockchain-Technologie spricht. Ein zweites Risiko besteht für Kapitalanleger darin, dass die Kurse stark schwanken und es sich noch um eine sehr junge Technologie handelt, daher sollte man nicht sein ganzes Vermögen in diese Technologie investieren, sondern nur einen kleinen Teil von zum Beispiel ein bis fünf Prozent. Der Umgang mit digitalen Währungen erfordert ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Vorsicht, denn wenn man z. B. den privaten Schlüssel zu seinen digitalen Werten verliert und kein Backup hat, dann sind diese Werte auf ewig verloren. Jedoch ist es sehr einfach, so ein Backup zu erstellen.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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