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Betriebliche Gesundheitsförderung

15.05.2017

Wenn Betriebliche Gesundheitsförderung wirklich funktionieren soll, braucht sie das volle Commitment der Unternehmensleitung, erklärt Martin Block vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Dafür steigt die Leistungsbereitschaft, während Krankenstände sinken.

"Ein klarer Aufwärtstrend ergibt sich weiterhin für die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen", erklärt Martin Block von der Abteilung für Gesundheitsförderung und Prävention.

 

Die Dynamik im Arbeitsalltag nimmt stetig zu und viele Betriebe mussten auch Krisenbedingt bei den Personalressourcen einsparen. Wie steht es aktuell um die Gesundheit in Österreichs Durchschnittsunternehmen?

Die Arbeitswelt ändert sich ständig und wird komplexer. Durch die erhöhte Komplexität der Arbeitsprozesse und die Verwendung vielfältiger Kommunikationsmittel steigen die Gefühle von Zeitdruck und Stress. Wir müssen den Blick daher verstärkt auf unsere Ressourcen richten und den Anforderungen einer dynamischen Arbeitswelt Rechnung tragen. Schließlich geht es um eine reflektierte Nutzbarmachung neuer Arbeitsmittel und -prozesse im Sinne einer gesunden und sicheren Arbeitswelt, bei welcher es zu keinen negativen Folgen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommen darf.

Welche Krankheitsbilder sind besonders häufig, welche nehmen zu?

Krankenstände werden heute vor allem von den Krankheiten des Atemsystems und jenen des Muskel-Skelett-Systems geprägt. Zusammen verursachen diese Erkrankungen gut 50% der Krankenstandsfälle und gut 40% aller Krankenstandstage. Der Anteil der Verletzungen an den Krankenstandsdiagnosen nahm dagegen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ab. Er betrug 2015 gut 16%, 2004 waren es noch 21% und 1994 fast 23%. Ein klarer Aufwärtstrend ergibt sich weiterhin für die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen, die, von einem geringen Niveau ausgehend, sowohl absolut als auch relativ zu den restlichen Krankheitsgruppen deutlich zunehmen. Dieser starke Aufwärtstrend dürfte aber zumindest teilweise auf eine Veränderung des Bewusstseins für und der diagnostischen Erfassung von psychisch bedingten Gesundheitsproblemen zurückgehen.

Mit welchen Maßnahmen können Unternehmen Abhilfe schaffen?

Mit Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und einer damit verbunden fundierten Diagnose der individuellen Situation im Unternehmen, einer systematischen Planung der BGF-Aktivitäten und einem darauf aufbauender Mix aus verhältnis- und verhaltensorientierten Maßnahmen. Das Ziel verhaltensorientierter Maßnahmen, wie z.B. gesunde Ernährung, Gesundheitschecks, Zeitmanagement, etc. betrifft die individuelle Ebene. Bei verhältnisorientierten Maßnahmen dagegen geht es um die Arbeitsbedingungen, z.B. um die Optimierung von Arbeitsabläufen, Arbeitsplatzgestaltung und Führungskräfteentwicklung. 

Wie aufwändig ist es Betriebliche Gesundheitsförderung nachhaltig im Unternehmen zu verankern?

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von BGF ist, dass sie auch als Aufgabe und Verantwortung des Managements und der Führungskräfte gesehen wird. Ohne deren Commitment kann BGF nicht nachhaltig in der Organisation verankert werden. Ziel ist die langfristige Integration der BGF in die bestehende Prozesse. Hierfür braucht es zunächst eine professionelle Begleitung und gleichzeitig Ressourcen, mit denen die Prozesse individuell angepasst werden können.

Wie rasch sieht man Ergebnisse? Welche Vorteiler ergeben sich aus dem Engagement?

BGF kann Krankenstände reduzieren, die Fluktuation verringern, eine größere Arbeitszufriedenheit schaffen und das Betriebsklima verbessern. Damit verbunden steigt das Potenzial zu einer größeren Leistungsbereitschaft. Jedoch darf man qualitätsvolle BGF nicht mit Maßnahmen verwechseln, die in Österreich vielfach als BGF angeboten und vermarktet werden. Nicht überall wo BGF draufsteht, ist auch BGF drin! Die Effekte von Obstkörben und punktuellen individuumsbezogen Maßnahmen allein verpuffen, wenn sie nicht Teil der Unternehmenskultur sind und ganzheitlich gedacht werden.

Mehr Informationen zur Betrieblicher Gesundheitsförderung unter: www.netzwerk-bgf.at

 

 

 

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