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Bankgeschäfte im Netz

16.10.2013

Direktbanken bieten aufgrund ihres fehlenden Filialnetzes günstigere Konditionen als die klassischen Institute. Doch sind die Internetbanken auch für Geschäftskonten eine Alternative?

„Wozu brauch ich eine Bankfiliale?", fragt Eva N. Die Jungunternehmerin dreht – wie viele in der Gründungsphase – jeden einzelnen Euro um. Also hatte sie eine Idee: das Geschäftskonto als kostengünstige Alternative bei einer Direktbank ohne Filialnetz zu eröffnen. Niedrige Gebühren sprechen für die Direktbanken. Bei Privatkunden erfreuen sich die Internetbanken deshalb steigender Beliebtheit. Doch wie sieht es mit Firmenkunden aus? Wir haben nachgeforscht.

 

Angebot: Businesskunden nicht im Fokus

Ein kurzer Marktcheck bei den heimischen Instituten sorgt zunächst für Ernüchterung. Auf den Websites der einzelnen Institute werden so gut wie immer nur Privatkunden angesprochen. Wir sind aber hartnäckig und versuchen dennoch, über die meist gut versteckten Servicekontakte Kommerzkundenangebote in Erfahrung zu bringen. Mit relativ wenig Erfolg. Unterschiedlich schnell wird unsere Anfrage von den meisten Direktbanken abgelehnt. Nur die Denizbank und die im Besitz der Bawag-PSK befindliche Easybank bieten ein konkretes Angebot für Geschäftskunden. Während sich die Denizbank auf Tages- und Festgeldkonten beschränkt, bietet die Easybank ein breiteres Spektrum an.

 

Kredit: Vereinbarungen über E-Mail

Dies umfasst neben Geschäftskonten auch Wertpapierkonten für Unternehmer sowie Kredite für Investitionen oder den laufenden Geschäftsbetrieb. Es wird mit uneingeschränkten Öffnungszeiten geworben. Klar, der Kunde kann seine Anfrage per Mail mitten in der Nacht absetzen. Doch wie schnell bekommt er eine Antwort, und wie läuft eigentlich die Kreditangebotslegung bei einer Internetbank ab? Die Easybank-Vorstandsdirektorin Sonja Sarközi erklärt auf Anfrage, dass man selbst hier größtenteils ohne persönlichen Kontakt auszukommen versucht und ohne Terminvereinbarungen schnell zum Abschluss komme. Bonitätsrisikoprüfung und einzelne Finanzierungsdetails werden über E-Mail oder Telefon geklärt. „Nur bei sehr komplexen Finanzierungen vereinbaren wir auch persönliche Termine", sagt Sarközi weiter. Das sei aber die Ausnahme.

 

Konto: fixe Konditionen statt Verhandlungsspielraum

Persönliche Betreuung ist bei den Direktbanken ein nicht eingeplanter Kostentreiber. Weshalb bei Geschäftskonten im Regelfall die fixen, auch auf der Website einzusehenden Tarife gelten. Feste Konditionen sind sicherlich eine willkommene Alternative für alle, die nicht mit dem Bankberater feilschen wollen. Doch sind diese wirklich der Renner? „Mit einem überzeugenden Geschäftskonzept lässt sich bei einer Filialbank vermutlich ein ähnlicher Nachlass bei den Gebühren oder ein günstiger Kontokorrentkredit ausverhandeln", erklärt der auf KMU-Finanzierung spezialisierte Unternehmensberater Anton Koch. Direktbanken sind seiner Meinung nach in erster Linie für EPU und Kleinunternehmer, die keine Bareinzahlungen vornehmen müssen, interessant. Gerade bei Handwerkern oder im produzierenden Gewerbe dürfte die fehlende individuelle Beratung aber gegen die Direktbanken
sprechen.

Filialbanken: keine Konkurrenz

Der Faktor Beratung ist auch das Argument der klassischen Banken gegenüber der Netzkonkurrenz. Die Angst, durch Direktbanken Kunden zu verlieren, hält sich bei diesen augenscheinlich in Grenzen. „Unternehmen brauchen umfassende Finanzdienstleistungen. Direktbanken können diese einfach nicht bieten", fasst Harald Wetzelsberger, Mediensprecher RLBOÖ, die Argumente seines Hauses zusammen. Sein Bankinstitut betreibt mit bankdirekt.at übrigens selbst eine Internetbank, die aber ausschließlich aufs Privatkundengeschäft fokussiert ist und bei der man in absehbarer Zukunft keine Ambitionen hegt, Angebote für Geschäftskunden zu schnüren.

 

Fazit: Direktbanken als Zweitkonto?

Die Frage, ob eine Bankfiliale vonnöten ist, muss letztlich jedes Unternehmen für sich selbst beantworten. Fest steht, dass Direktbankdienstleistungen in erster Linie Privatkunden, Kleinunternehmer und EPU ansprechen. Dass sich kaum eine Direktbank explizit zum Geschäft mit Unternehmen bekennt, ist bezeichnend.

Klassische Mittelständler werden vermutlich wegen der individuellen Beratung ohne eine Filialbank nicht auskommen, erklärt Unternehmensberater Koch. Allerdings rät er, die Bankgeschäfte nicht allein bei einem Partner zu bündeln. Dabei lohnt sich ein Blick ins Netz: „Direktbanken sind als Zweitverbindung jedenfalls interessant."

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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