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Autonom Fahren

14.04.2019

Es dauert noch einige Jahre, bis Computer wirklich die volle Kontrolle über unsere Autos übernehmen. Die Logistik ist dagegen schon einen großen Schritt weiter.

Fünf Ebenen hat die Industrie beim autonomen Fahren definiert. „Level 0“ ist das, was wir alle kennen: Ein Auto mit Motor, Lenkrad und Pedalen. Wirklich autonom ist hier noch der Mensch und nicht das Computersystem – und die Tätigkeit dazu hat ein bayerischer Autobauer einst mit dem Slogan „Aus Freude am Fahren“ beworben. Wie viel von dieser Freude bei den höheren Ebenen noch übrig ist, bleibt abzuwarten. Bei Level 2 kann das Auto bereits selbst steuern, bei Level 3 darf der Fahrer auf der Autobahn schon nebenbei einen Film schauen. Auf dieser Ebene will BMW in zwei Jahren serienreif sein. Level 4 wollen Daimler und BMW noch vor 2025 serienreif haben – dann muss der menschliche Fahrer nur mehr fahrtüchtig sein, kann sich aber während der Fahrt schon schlafen legen. Bei Level 5 schließlich ist gar kein Fahrer mehr nötig, es gibt kein Lenkrad und keine Pedale mehr.

Getrieben von der Industrie – nicht von Menschen

So faszinierend das klingt: Die Entwicklung ist ohne Zweifel nicht vom einfachen Verbraucher gewollt, sie wird von der Industrie getrieben. Zuletzt im März bestätigte eine Umfrage von Deloitte, wie skeptisch Menschen auf die Idee von Roboterautos reagieren. Demnach sehen zwei Drittel der Befragten in Österreich keinen Mehrwert in vernetzten Autos. Und knapp jeder zweite Befragte glaubt dem Sicherheitsversprechen bei autonomen Autos überhaupt nicht.

Erstes völlig autonomes Fahrzeug bei der Post

In der Intralogistik und im Güterverkehr dagegen ist das Interesse an den laufenden Forschungsprojekten zum Thema deutlich größer. Ende März hat die Österreichische Post zusammen mit dem AIT in Inzersdorf ein Fahrzeug präsentiert, das auf dem Firmengelände vollkommen autonom Container und Wechselaufbaubrücken transportieren kann.

Große Testregionen auf Straße und Schiene

Nicht die einzige groß angelegte Kooperation in Österreich – im Güterverkehr auf Straße wie auf Schiene. Es gibt bereits zwei mit Steuergeld geförderte Testregionen für autonomes Fahren: das Projekt „Alp.lab“ in der Steiermark und „Digitrans“ in Oberösterreich. Bei einem anderen Projekt namens „Connecting Austria“ arbeiten Entwickler vom Automobilcluster und der FH Oberösterreich, der TU Wien und der Boku mit Industriepartnern wie Siemens und Virtual Vehicle an der Technik des sogenannten Platooning. Dabei fahren mehrere Lastwagen in einer Reihe teilautomatisiert und sehr dicht hintereinander, was die Fahrer in den hinteren Fahrzeugen entlasten und vor allem Treibstoff sparen soll. Auch auf Schiene sind selbstfahrende Lokomotiven keine Idee für die ferne Zukunft mehr. Bei der SCHIG ist ein Projekt angesiedelt, das maßgeblich von den ÖBB vorangetrieben wird: Das „Open Rail Lab“, das im Burgenland über eine Teststrecke mit acht Haltestellen, zwölf Eisenbahnkreuzungen und sogar einen 524 Meter langen Tunnel verfügt – das ist europaweit einzigartig.

In der Intralogistik schon Realität

Nochmals einen Schritt weiter ist die Intralogistik heimischer Unternehmen: Hier sind autonome Fahrzeuge bereits Realität. Die in Leoben ansässige Firma Knapp ist weltweit bei der Automatisierung von Lagern führend. Sie liefert hoch automatisierte Systeme für die Intralogistik und als „Spezialität des Hauses“ sogenannte „Open Shuttles“ – kleine Kisten, die frei und völlig automatisch im Lager herumfahren.

Paradeprojekt bei Austrotherm und Fraunhofer Austria

Auch beim Dämmstoffhersteller Austrotherm fahren bald im Werk in Pinkafeld fahrerlose Transportsysteme herum – maßgeschneidert von Fraunhofer Austria. Aus einer grundlegenden Analyse der Materialflüsse und Prozesse lieferten die Spezialisten für angewandte Forschung dem burgenländischen Standort ein gänzlich neues Logistikkonzept mit automatisierten Warenflüssen und halfen bei der Ausschreibung des Auftrags für die neuen fahrerlosen Transportsysteme. Ende 2019 sollen nun die ersten helfenden Kisten im Werk von Austrotherm anrollen – und innerhalb von zehn Jahren drei Millionen Euro einsparen helfen. Gleichzeitig betont Klaus Haberfellner, Österreich-Chef bei Austrotherm, was im Zuge der Automatisierung alles andere als selbstverständlich geworden ist: Wegen der neuen automon fahrenden Systeme „werden keine Mitarbeiter freigesetzt“.

 

Autor/in: Peter Martens

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