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Aufschwung: KEIN ENDE IN SICHT

12.09.2018

Die Hochkonjunktur geht in die Verlängerung. Aber wie lange noch? Wir haben bei Österreichs Industrie nachgefragt. Der Boom hält an. Während sich der Fachkräftemangel steigert und die Sorge vor internationalen politischen Konflikten wächst.

Erich Dörflinger, Flextronics
Paul Sommeregger, IAB GmbH

Das Paket auf dem Lkw vor der IAB Industrieanlagenbau GmbH wirkt wie der Traum jedes Kindes: das größte Packerl der Welt. Es ist aber kein Geschenk, das in Richtung Kanada geschickt wird, sondern ein Großraumtrafokessel, der im Lavanttaler Unternehmen gefertigt wurde. Während dieser Trafo seine lange Reise antritt, arbeiten die rund 120 Mitarbeiter schon an den nächsten Projekten. Zu tun gibt es genug. Was dem Geschäftsführer, Paul Sommeregger, aber Sorgen bereitet, ist die Mitarbeitersuche: „Es ist unglaublich schwierig, Fachkräfte zu finden.“

„Sollte die weltweite politische Lage so bleiben, wird es bei einer Hochkonjunktur bleiben.“ Erich Dörflinger, Flextronics

Wie ihm geht es vielen anderen auch: Die Auftragsbücher sind voll, und die Industrie überschlägt sich vor sprachlichen Superlativen. So erzählt Gerald Hofer, CEO der Knapp AG: „Wir blicken auf das beste Wirtschaftsjahr in der Unternehmensgeschichte zurück. Das Auftragsvolumen stieg um 32 Prozent auf 926 Millionen Euro.“ Und so soll es weitergehen. Hofer rechnet mit weiterem Wachstum, das vor allem am Schwerpunkt des Unternehmens liege: „Die Digitalisierung und der boomende E-Commerce fordern von der Automatisierung der Lager- und Produktionsprozesse hohe Flexibilität und Skalierbarkeit.“ Axel Greiner ist bei seiner Prognose vorsichtiger: „Zumindest bis Herbst“ werde die Hochkonjunktur noch anhalten. „Eines ist jedenfalls klar: Der Höhepunkt ist erreicht, weitere Konjunktursteigerungen sind nicht zu erwarten“, sagt der CEO der Greiner Group. Befragt nach den größten Herausforderungen, antwortet er: „Der Fachkräftemangel!“ Die konjunkturell hohe Nachfrage nach Fachkräften sorge, gepaart mit der demografischen Entwicklung und neuen Herausforderungen durch die Digitalisierung, „für eine Verschärfung des Fachkräftemangels, insbesondere im Bereich der MINT-Qualifikationen“.

Das sieht Thomas Salzer, Geschäftsführer der Salzer Papier GmbH, genauso: „Der Fachkräftemangel droht sich noch weiter zu verschärfen. Während die großen, exportorientierten Unternehmen schon seit längerer Zeit verstärkt auf Mitarbeitersuche sind, kommen nun auch die kleineren Betriebe dazu. Bereits jetzt haben mehr als acht von zehn Industrieunternehmen Probleme beim Rekrutieren von Personal im Bereich Technik und Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Leider stimmen die Qualifikationen jener Personen, die auf Arbeitssuche sind, viel zu oft nicht mit den gesuchten Qualifikationen überein. Umso wichtiger sind daher die Aufwertung der Lehrausbildung sowie berufliche Weiterbildungen – auch um in puncto Digitalisierung am Ball bleiben zu können.“

„ON-TIME-BESCHAFFUNG SCHWIERIG“

Dem Thema begegnet man bei Flextronics offensiv: Das Unternehmen betreibt eine der größten Lehrwerkstätten Kärntens. „Die Lehrlingsausbildung ist sehr wichtig für uns, um junge, qualifizierte Fachkräfte zu bekommen. Und im Ausbildungsverbund bilden wir noch zusätzlich 75 Lehrlinge für andere Industriebetriebe aus“, erzählt Albert Klemen, Leiter des Ausbildungzentrums.

Der Fachkräftemagel ist für Erich Dörflinger, General Manager von Flextronics, also kein akutes Problem. Das ist auch gut so, denn Arbeit hat das Althofener Unternehmen genug, wie Dörflinger berichtet: „Wir werden den Umsatz in den nächsten Quartalen weiter steigern.“ Dafür ausschlaggebend sollen „bahnbrechende Innovationen im Medizinbereich“ sein. Er sieht jedoch andere Herausforderungen am Unternehmenshorizont auftauchen: „Aufgrund des starken Wachstums stehen wir vor großen logistischen Herausforderungen. Es wird für uns immer schwieriger, Komponenten on time beschaffen zu können.“ Man arbeite hierfür an zukunftsorientierten Lösungen, heißt es.

„KEINE WOLKEN AM KONJUNKTURHIMMEL“

Auch in Bergheim, bei der Palfinger AG, dreht sich alles um die Zukunft – und zwar um die digitale. „Digitalisierung ist sicherlich ein ganz großes Thema in den nächsten Jahren“, sagt Konzernsprecher Hannes Roither. Es gehe vor allem um „neue Technologien, neue Kernkompetenzen, neue Herangehensweisen, neue Produkte und Geschäftsmodelle“. Die aktuelle Auftragslage beschreibt Roither als „ausgesprochen gut. Das Auftragsbuch ist auf einem Rekordniveau, und der Auftragseingang ist nach wie vor sehr stark“. Ein baldiges Ende der Hochkonjunktur sieht er nicht aufziehen: „Irgendwann gibt es immer einen Break, das liegt in der Natur von Wirtschaftszyklen. Aber aktuell sehen wir keine Zeichen für eine Abschwächung.“

Positiv gestimmt ist auch Timo Springer, Geschäftsführer der Springer Maschinenfabrik in Friesach. Er sieht „keine Wolken am Konjunkturhimmel“ aufziehen. Etwas weiter nördlich, etwa 300 Kilometer entfernt in Wien, sieht Johannes Höhrhan, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien, „die Konjunktur – insbesondere in der Industrie – noch immer auf relativ festen Beinen“. Dass es ewig so weitergehen wird, glaubt Höhrhan aber nicht: „Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass wir mittelfristig wieder ein Normalwachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent haben werden.“

„Es ist unglaublich schwierig, Fachkräfte zu finden.“ Paul Sommeregger, IAB GmbH

INTERNATIONALE POLITIK ALS SORGENKIND

Sorge schwingt bei der Konjunktureinschätzung von Gerhard Karner, Vertriebsdirektor bei Trumpf Maschinen Austria, mit: Er rechnet mit einem verlangsamten Wirtschaftsaufschwung, „aber in nächster Zeit sehe ich keinen Break“. Was ihn aber nachdenklich stimmt, ist die internationale politische Instabilität: „Der Handelskrieg zwischen den USA und China beziehungsweise Europa birgt die Gefahr, dass auch wir, als internationales Unternehmen, die Auswirkungen spüren werden.“ Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein da. Auch Timo Springer warnt vor „politischen Unsicherheitsfaktoren“: „Unsere Industrie ist sehr stark von Exporten abhängig. Wirtschaftspolitische Auseinandersetzungen können negative Auswirkungen auf die Stimmung haben, was ein Abebben der Industriekonjunktur nach sich ziehen könnte.“ Ein Anhalten der konjunkturellen Hochstimmung könne nur durch politische Stabilität gelingen, ist sich auch Erich Dörflinger von Flextronics sicher: „In der heutigen Zeit wird es immer schwieriger, weit in die Zukunft zu planen. Sollte die weltweite politische Lage so bleiben und sich nicht verschlechtern, gehe ich davon aus, dass es bei einer Hochkonjunktur bleiben wird.“

Erfrischend positiv ist der Ausblick, den Robert Machtlinger, CEO des Flugzeugkomponentenherstellers FACC, gewährt: „Die Zeichen im Wirtschaftsumfeld lassen darauf schließen, dass in Österreich die stabilisierende Konjunkturphase anhalten wird. Die Beschäftigung steigt, und damit wird der Konsum der privaten Haushalte unterstützt, die Investitionen bleiben auf hohem Niveau, und auch die Exporte leisten einen wichtigen Beitrag zum Wachstum. Der Ausblick bleibt daher meines Erachtens positiv.“ Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass „eine Auslastung aller Standorte für die nächsten sieben Jahre gesichert ist“, wie Machtlinger erklärt. Das vergangene Geschäftsjahr sei außerdem das bisher erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte gewesen, und in dieser Tonart soll es weitergehen: In den nächsten drei Jahren will man bei FACC bis zu 700 neue Mitarbeiter anstellen.

Autor
Angelika Dobernig

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