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Auffi, auffi: Der Bergsport boomt

23.11.2015

Egal ob Sommer oder Winter, immer mehr ­Menschen suchen Erholung und Action in den Bergen. Das Tiroler Unternehmen Ibex reüssiert mit seiner Outdoormarke Kohla von diesem Trend. Wobei der Gipfel noch lange nicht erreicht ist, wie Experten voraussagen.

Text: Steffen Arora und Florian Gasser

Der Bergsportmarkt kann sich nur entwickeln!“ Thomas Span, Geschäftsführer von Ibex, blickt optimistisch in die Zukunft. Das Tiroler Traditionsunternehmen, das unter dem Markennamen Kohla firmiert, verzeichnet seit fünf Jahren stetiges Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Rund fünf Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet Span mit seinem knapp 30-köpfigen Team. Die Besonderheit daran: „Wir produzieren ausschließlich in Tirol.“ Während die Konkurrenz in Fernost billig große Margen an Funk­tionsbekleidung, Rucksäcken und allerlei Accessoires herstellt, setzt Ibex ganz auf den Standort Tirol.

„Das ist unsere Form der Nachhaltigkeit“, erklärt dazu Span, „bei uns stehen halt keine Porsche Cayenne vor der Tür, und wir leisten uns auch keine großen Kampagnen.“ Dafür erspare man sich den 300-seitigen Umweltbericht an die Kunden, kann sich der Firmenchef eine Spitze gegen die vermeintlich übermächtige Konkurrenz nicht verkneifen. Kohla genießt unter Outdoorsportlern einen guten Ruf. Hohe Qualität zum moderaten Preis. Span und sein Team orientieren sich bei ihrem Angebot nicht an Extremsportlern, sondern an der breiten Masse: „Wandern, Skitouren sowie Jagd und Forst. Das sind unsere Marktsegmente. Wobei es nicht um den topfitten ‚4.000 Höhenmeter pro Tag‘-Freizeitsportler geht, sondern um den Familienvater, der mit Frau und Kindern zur Erholung in die Berge will.“ Rund zehn Prozent der Österreicher fallen in diese Zielgruppe, so Span: „Das sind 800.000 Menschen, also ein gewaltiger Markt.“

Markt mit Potenzial
Keuchende Wanderer, sehnige Kletterer und flotte Wedler sind mehr als nur Konsumenten von Freizeitvergnügen. Sie sind längst ein harter Wirtschaftsfaktor, wie auch Experten bestätigen. Wie sehr, das erhob 2007 das Institut SportsEcon­Austria (SpEA) mit einer umfassenden Studie im Auftrag des Bundeskanzleramts. Die ökonomische Kraft des Bergsports ist demnach ungeahnt hoch: Zwei Milliarden Euro Wertschöpfung soll er generieren, 51.100 Arbeitsplätze schaffen und 437,5 Millionen Euro an Steuern und Abgaben einbringen. Jeder sechste Tourist im „Land der Berge“ ist demnach Bergsportler. Doch in der Studie wurde nicht nur der Status quo erhoben, es wurde auch darauf hingewiesen, dass noch viel Luft nach oben sei. Wird das Potenzial des Bergsports heute, acht Jahre und eine Wirtschaftskrise später, besser ausgeschöpft? „Nur um eine Spur“, sagt Günther Grohall von der SpEA in Wien, der schon damals an der Untersuchung mitgearbeitet hat. „Es hat sich sicher nicht verschlechtert, ist aber nur leicht gestiegen.“ Gerade die wärmeren Winter der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass viele Orte nicht mehr schneesicher seien.

Frage der Vermarktung
Auch bei der Firma Ibex, deren größter Markt noch die Skitourengeher sind, ist man sich darüber im Klaren, dass der Sommer wichtiger wird. „Wobei es die breite Masse im Sommer sicher eher in den Süden als in die Berge zieht“, sagt Geschäftsführer Span. Doch Wandern oder auch Mountainbiken könnten helfen, den Sommer wirtschaftlich aufzuwerten. Denn neben den meteorologischen Bedingungen gibt es auch andere Faktoren, warum beispielsweise das Mountainbiken ökonomisch attraktiv ist: 2014 wurden allein in Österreich 400.000 Fahrräder zu einem Durchschnittspreis von 740 Euro verkauft – zehn Prozent davon waren E-Bikes, die sich auch bei einem sportlichen Publikum zunehmender Beliebtheit erfreuen. Während Skier zusehends ausgeliehen werden, kaufen sich die meisten Biker ihr eigenes Rad. „Ein Mountainbike ist sehr auf die eigenen Bedürfnisse und Körpermaße zugeschnitten. Ein Ski ist da nicht so kritisch. Eventuell borgt sich ein Mountainbiker am Urlaubsort aber ein besseres Rad aus, als er selbst in der Garage hat“, sagt Grohall.

Zwar sieht Grohall im Mountainbikesport eines der größten Wachstumspotenziale, das es derzeit gibt, doch während etwa in Frankreich die Massen in die Bikeparks in Portes du Soleil strömen, steht man in Österreich noch relativ am Anfang. „Wenn man versucht, den Bergsport sexy zu vermarkten, und die Jungen dazu bringt, dass sie eine Woche ins Gebirge zum Mountainbiken fahren, dann kann ich mir vorstellen, dass das einen großen Schub nach vorn geben würde“, sagt Grohall. Outdoorproduzent Span erachtet den Bergsport überhaupt als Selbstläufer: „Der Alltag wird immer stressiger. Die Menschen suchen nach Erholung und finden sie in der Natur.“ Er stelle ihnen das dazu nötige Rüstzeug zur Verfügung. Dass sich Bergsportaffinität mittlerweile zum Lifestyle entwickelt habe, streitet Span zwar nicht ab, dennoch sieht er diesen Aspekt nur marginal für die Wachstumsraten verantwortlich. „Das mag im Textilbereich zum Teil stimmen.“ Insgesamt bleiben der Skitourenrucksack oder die Berghose jedoch Produkte, die einen gewissen Zweck erfüllen und auch dafür angeschafft werden. Doch auch Kohla arbeitet bereits an „urbanen Backpacks mit Laptopfach“.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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