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„Auf nicht-zahlende Kunden sollte verzichtet werden“

22.09.2015

Wenn Kunden erst sehr spät oder gar nicht zahlen, ist das für Unternehmer sehr unangenehm. Eine Situation, mit der man sich abfinden muss? Keinesfalls, meint der auf Forderungsbetreibung spezialisierte Rechtsanwalt Benjamin Zupancic und empfiehlt sogar Mut zur Trennung.

Das Motto bei Zahlungsverzug sollte lauten: „Vermeidung von Insolvenzen und Steigerung des Profits durch Bekämpfung von Zahlungsverzug“.  Benjamin Zupancic, Rechtsanwalt

Die durchschnittliche Zahlungsdauer liegt in Österreich bei 64 Tagen. Eine Zeitspanne, die für Unternehmen zum Problem werden kann. Wann ist es denn ratsam seinen Anwalt mit der Forderungsbetreibung zu betrauen?

Bei offenen Forderungen trägt der Gläubiger regelmäßig das Ausfalls- und Insolvenzrisiko des Schuldners. Folglich ist eine rasche Forderungsbetreibung von entscheidender Wichtigkeit. Das Gesamtkonzept einer effektiven Forderungsbetreibung erfordert allerdings neben der anwaltlichen Betreibungstätigkeit auch die Einrichtung eines gestrafften betrieblichen Forderungsmanagements des Unternehmens.

 

Wie sieht das im Idealfall aus?

Ich empfehle, bereits am auf den Ablauf der Fälligkeit folgenden Tag eine freundliche Zahlungserinnerung an den Schuldner zu richten. Sollte die darin vorgemerkte kurze Frist von rund eine Woche abermals fruchtlos verstreichen, ist eine kurze telefonische Nachfrage beim Schuldner, sinnvoll. Sollte auch diesmal binnen einer kurzen Frist keine Zahlung erfolgen, ist die Betrauung eines auf Forderungsbetreibung spezialisierten Rechtsanwaltes empfehlenswert.

 

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie viele Unternehmen in die Insolvenz rutschen, weil sie keine entsprechenden Maßnahmen setzen?  

In der EU bleiben jährlich rund 24 Milliarden Euro an Schulden ungetilgt. Als Folge haben mehr als 50 Prozent der Unternehmen in Europa mit Liquiditätsproblemen aufgrund von Zahlungsverzug der Schuldner zu kämpfen. Täglich geraten in ganz Europa dutzende KMU in Insolvenz, weil ihre Rechnungen nicht beglichen werden. Die Tendenz ist steigend.

 

Worin liegen die Ursachen dieser Entwicklung?

Unternehmen sind oftmals mit der Betreibung sehr zurückhaltend und nachlässig oder buchen die Forderungen oftmals als „uneinbringlich“ aus. Dies ist oft begründet mit der Angst vor Verschlechterung des Verhältnisses zum Kunden und vor unwirtschaftlichen Betreibungskosten.

 

Wie schätzen Sie denn die tatsächliche Gefahr ein, dass das Verhältnis zum Kunden beschädigt wird, wenn dieser einen Schrieb vom Anwalt bekommt, "nur" weil er bei einer Zahlung säumig ist?

Diese Gefahr gibt es in der Regel nicht. Im wirtschaftlichen Zusammenhang betrachtet würde dies langfristig dem Unternehmen aber auch nicht schaden. Ich denke es ist wichtig, das Bewusstsein der Unternehmen als Gläubiger zu schärfen. Ein Kunde, der seiner Zahlungspflicht trotz einer vom Unternehmen übermittelten Rechnung, einer schriftlichen Zahlungserinnerung, einer Nachfristsetzung und einer freundlichen telefonischen Nachfrage durch das Unternehmen noch immer nicht freiwillig nachkommt, ist kein anzustrebender Kunde, den man unbedingt behalten will. Vielmehr gefährdet er, wie die Zahlen zeigen, erheblich den Fortbestand des Unternehmens. Auf nicht-zahlende Kunden kann nicht, sondern sollte sogar aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet werden. Zu erwähnen ist jedoch, dass es dem Schuldner oft unangenehm ist, wenn er eine Anwaltsmahnung erhält, sodass die Beziehung nicht gefährdet wird.

 

Nicht nur Anwälte, sondern auch Inkassobüros und Factor-Banken wollen Unternehmen vor Zahlungsausfällen bewahren. Was spricht für die Juristen?

Die Betreibung durch Inkassobüros stellt aus meiner Sicht für das Unternehmen keinen besonderen Mehrwert zum eigenen betrieblichen Mahnwesen dar. Das kostenpflichtige Tätigkeitsfeld von Inkassobüros ist im Vergleich zum Rechtsanwalt eingeschränkt. Es erschöpft sich grundsätzlich in außergerichtlichen Eintreibungsmaßnahmen, die oftmals im Rahmen von vielzähligen Mahnstufen über mehrere Monate erfolgen. Die allenfalls gerichtliche Betreibung ist jedoch dem Rechtsanwalt vorbehalten. Dies wissen auch zunehmend die Schuldner. Kurz gesagt ist – wie meine Erfahrung zeigt – die Durchschlagskraft eines Rechtsanwaltes größer. Die sofortige Beauftragung des Rechtsanwaltes und das richtige Betreibungskonzept können erheblich Zeit und Geld sparen.

 

Und der Unterschied zu Factoring?

Factor-Banken kaufen grundsätzlich Forderungen des Unternehmens gegen den Kunden zu einem Preis, der in der Regel unter dem tatsächlichen Forderungsbetrag liegt, um das allfällige Ausfallsrisiko auszugleichen. Ob sich der Verkauf der Forderungen für das Unternehmen rechnet, hängt also entscheidend davon ab, ob die Forderung einbringlich gemacht werden kann. Sollte die Forderung einbringlich gemacht werden können, dann ist wohl der Verkauf der Forderung nicht sinnvoll.

Kontakt:
Rechtsanwalt Mag. Benjamin Zupancic

TANOS | VITALI | ZUPANCIC

RECHTSANWÄLTE

 

Strozzigasse 10 | Top 17

A - 1080 Wien

T   +43 1 33 66 440
F   +43 1 33 66 440 - 88

E   zupancic@tvz-recht.at

W www.tvz-recht.at

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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